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Weiterentwicklung des Notdienstes in Nordrhein: Neue fachärztliche Notdienstpraxen

27.06.2018 Gesundheitstipps, KVNO aktuell, Praxisinfos

In enger Abstimmung mit den Kreisstellen, beteiligten Berufsverbänden und Kliniken etabliert die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein weitere zentrale Anlaufstellen für fachärztliche Notdienste – zuletzt für den augenärztlichen Notdienst in Aachen und für die kinderärztliche Versorgung in Mönchengladbach. An allgemeinen Eckpfeilern und Leitplanken des Notdienstes wird im Lenkungsgremium weiter gearbeitet.

Seit dem 1. Juni 2018 werden Menschen in der Städteregion Aachen und den Kreisen Heinsberg und Düren außerhalb der Sprechstundenzeiten augenärztlich in der Notdienstpraxis der KV Nordrhein versorgt – direkt neben der Zentralen Notaufnahme der Uniklinik. Die neue Notdienstpraxis wird von der KVNO in Kooperation mit der Uniklinik RWTH Aachen betrieben. Dort versehen rund 70 niedergelassene Augenärzte aus der Region ihren vertragsärztlichen Notdienst.

„Die Eröffnung ist ein wichtiger Baustein beim Ausbau unseres Notdienstangebots, bei dem die Etablierung zentraler fachärztlicher Notdienste eine wichtige Rolle spielt“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. „Wir sichern damit nicht nur eine gute Versorgung der Patienten, sondern setzen auch die Vorgaben des Gesetzgebers um, der eine enge Kooperation zwischen Niedergelassenen und Kliniken fordert“, ergänzt Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorsitzender der KVNO. „Das gilt perspektivisch auch im allgemeinen ärztlichen Notdienst.“

„Die Praxis ist eine ideale Ergänzung zu unserem Leistungsangebot, denn nur sehr wenige Patienten brauchen eine stationäre Aufnahme – etwa die Hälfte kann in der Notdienstpraxis der Niedergelassenen medizinisch so versorgt werden, dass gar keine Anschlussbehandlung nötig ist“, sagt Dr. Jörg Christian Brokmann, Leiter der Zentralen Notaufnahme der Uniklinik.

Das Bild zeigt Dr. Jörg Christian Brokmann, Leiter der Zentralen Notaufnahme der Uniklinik Aachen, KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann und der Aachener Augenarzt Prof. Bernd Bertram (v. l.).

Freuen sich über die neue Notdienstpraxis im Aachener Uniklinikum: Dr. Jörg Christian Brokmann, Leiter der Zentralen Notaufnahme der Uniklinik Aachen, KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann und der Aachener Augenarzt Prof. Bernd Bertram (v. l.).

„Schwerwiegende Notfälle, beispielsweise bei akut erforderlichen Operationen, können unmittelbar dem stationären Bereich zugeführt werden, während die Ärzte der Uniklinik bei der Versorgung von Patienten mit leichteren Beschwerden entlastet werden. Patienten erhalten dadurch zügiger ihre bedarfsgerechte Behandlung“, ergänzt Prof. Bernd Bertram, Bundesvorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands und Augenarzt in Aachen.

Neues Angebot für Kinder in Rheydt

Am 1. Juli nahm die neue zentrale kinderärztliche Notdienstpraxis am Elisabeth-Krankenhaus in Mönchengladbach-Rheydt den Betrieb auf. Dort kann täglich am Abend, nachts oder am Wochenende der diensthabende Kinderarzt aufgesucht werden. Die Einrichtung von KVNO und Elisabeth-Krankenhaus ergänzt das pädiatrische Versorgungsangebot außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten der bereits bestehenden kinderärztlichen Notdienstpraxis am Allgemeinen Krankenhaus in Viersen.

Zu den Vorteilen beider Praxen zählt, dass sie gut erreichbar und unmittelbar an die Infrastruktur der pädiatrischen Fachabteilungen der Kliniken angebunden sind. „Schwere Notfälle können so unmittelbar dem stationären Bereich zugeführt werden, während wir uns der ambulanten Versorgung widmen“, sagt Dr. med. Khaled Jürgen Abou Lebdi, Obmann der Kinderärzte im Kreis Heinsberg.

„Durch die Anbindung des Kindernotdienstes an den Bereich der Klinikambulanz bleiben sowohl den erkrankten Kindern als auch den Begleitern zusätzliche Wege erspart. Auch die Nähe zu den anderen medizinischen Fachabteilungen des Krankenhauses ist ein Vorteil für Patienten und Ärzte“, ergänzt der in Mönchengladbach niedergelassene Pädiater Dr. med. Jörg Hornivius, der den Betrieb der Praxis mit koordinieren wird.

„Besonders verdient gemacht um die Einrichtung der neuen Notdienstpraxis hat sich Dr. Hornivius“, lobt der Vorsitzende der KVNO-Kreisstelle Mönchengladbach, Dr. med. Arno Theilmeier. „Es ist wichtig, mit der zunehmend raren ärztlichen Arbeitskraft sorgsam umzugehen und Kräfte zu bündeln, um die hohe Arbeitsbelastung der Kinderärzte im Notdienst zu reduzieren.“

Im Lenkungsgremium der KV Nordrhein wird derweil an den Rahmenbedingungen weiterer Reformschritte gearbeitet – erste Zwischenergebnisse wurden in der jüngsten Vertreterversammlung Ende April präsentiert. Dazu gehört ein Kriterienkatalog mit Kriterien von unterschiedlicher Verbindlichkeit, die entweder eingehalten werden müssen, sollen oder können.

Beispiel: 90 Prozent der Menschen in Nordrhein sollen innerhalb von 30 Minuten Fahrzeit eine Praxis des allgemeinen ärztlichen Notdienstes erreichen, beim fachärztlichen Notdienst ist dies eine „Kann“-Bestimmung. „Ein ‚Muss’ hingegen ist, dass neue Notdienstpraxen wirtschaftlich, also im Wesentlichen ausgabenneutral, betrieben werden sollen“, sagt Dr. Anne-Dorothee Köster, Leiterin des Lenkungsgremiums.

Sie müssen sich zudem an oder in einem Krankenhaus befinden, „zentrale“ Notdienstpraxen müssen darüber hinaus an der örtlichen Klinik mit der höchsten oder zweithöchsten (ambulanten) Notdienst-Fallzahl im jeweiligen Fachgebiet angesiedelt sein. Auch die Trennung von Sitz- und Fahrdienst ist für die Zukunft obligatorisch. Für den Betrieb durch einen Drittanbieter braucht es einen Kooperationsvertrag mit der KVNO. „Wir wollen verbindliche Regeln und ein einheitliches Vorgehen. Wir werden aber regionale Aspekte bei jeder Planung berücksichtigen, denn nichts geht ohne die Akteure vor Ort“, so Köster.

Dr. Heiko Schmitz

Umfrage bei HNO-Ärzten

Die KVNO hat die Hals-Nasen-Ohren-Ärztinnen und -Ärzte in Nordrhein zur Einrichtung eines flächendeckenden HNO-Notdienstes in Nordrhein befragt. Von den Beteiligten sprachen sich 271 für die Einrichtung eines solchen HNO-Notdienstes aus, 172 waren dagegen. 126 angeschriebene Niedergelassene beteiligten sich nicht an der Umfrage, dazu gab es 16 Enthaltungen oder ungültige Antworten.

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