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Medikationscheck ersetzt Interaktionscheck

27.06.2018 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Das Programm „AiD Klinik“ zum Indikationscheck im KVNO-Portal wurde zum Juli 2018 eingestellt. Ärzte konnten in diesem Programm unter anderem Medikationspläne eingeben und auf Interaktionen prüfen lassen. Grund für die Einstellung waren zu geringe Nutzerzahlen.

Stattdessen können niedergelassene Ärzte bei der Beurteilung komplexer Arzneimitteltherapien und der Auswahl der Arzneimittel weiterhin auf den Medikationscheck zurückgreifen. Dabei begutachtet ein Expertenteam der KV Nordrhein die von den Ärzten übermittelten Fragen. Die Experten kennen dabei weder den Namen der anfragenden Praxis noch persönliche Daten der Patienten.

Die Beantwortung der Fragen erfolgt spätestens am Werktag, nachdem die E-Mail bei der KV Nordrhein eingegangen ist. Berücksichtigt werden dabei Indikation und Begleiterkrankungen einschließlich relevanter Laborwerte. Die Fragen werden nach evidenzbasierten und leitliniengestützten Kriterien, dem aktuellen Stand der Wissenschaft sowie nach wirtschaftlichen und zulassungsrelevanten Aspekten beantwortet.

Die Grafik zeigt die FSME-Risikogebiete in Deutschland; Quelle: RKI

Durch den Medikationscheck sollen verordnete Arzneimittel besser aufeinander abgestimmt und damit unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen vermieden werden.

Zu den Themen des Medikationschecks gehören beispielsweise:

  • klinisch relevante Interaktionen von Arzneistoffen einschließlich Maßnahmen im konkreten Einzelfall
  • Polypharmazie bei älteren Patienten (Priscus-Liste)
  • Wirkungen und Risiken von Arzneistoffen n Transparenz, Evidenz und Effizienz des Arzneimittelmarktes
  • Arzneimitteltherapiesicherheit
  • Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit
  • Off-Label-Use in der ambulanten Praxis
  • unabhängige Bewertung von Studien über neue Arzneimittel
  • unerwünschte Arzneimittelwirkungen einschließlich pharmakotherapeutischer Alternativen

Anders als bei Programmen zur Arzneimittelberatung durch Apotheker, Universitäten oder Krankenkassen bleiben beim Medikationscheck die Beratung, aber auch die Entscheidung über Effektivität und Effizienz der ambulanten Arzneimitteltherapie und somit die Therapieverantwortung ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle und können nicht durch Dritte beeinflusst werden.

HON