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Flexible Praxisstrukturen Zweigpraxis – eine attraktive Variante

09.05.2018 KVNO aktuell

Es gibt eine Reihe möglicher Modelle, eine Praxis zu betreiben und zu besetzen. Eine Praxisfiliale bzw. Zweigpraxis zu gründen, kann eine attraktive Variante für Inhaber und diejenigen sein, die lieber angestellt arbeiten.

Vertragsärzte- und psychotherapeuten dürfen mit Genehmigung außerhalb ihres Vertragsarztsitzes auch an weiteren Orten tätig werden. So kann sich ein niedergelassener Arzt oder ein Medizinisches Versorgungszentrum auch auf einen ausgeschriebenen Vertragsarztsitz bewerben, um diesen mit einem angestellten Arzt oder mehreren anteilig angestellten Ärzten zu besetzen. Auch freie Sitze, wie es sie etwa im hausärztlichen Bereich in vielen Regionen gibt, können auf diesem Wege besetzt werden.

Der Trend geht zur Filiale

Es gibt zunehmend Ärztinnen und Ärzte, die zunächst lieber angestellt arbeiten möchten, als das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Praxis auf sich zu nehmen. Auf der anderen Seite gibt es viele Ärzte, die mit einer eigenen Praxis gute Erfahrungen gemacht haben und sich vorstellen könnten, eine oder mehrere Filialen an anderen Standorten zu gründen und dort weitere Ärzte im Angestelltenverhältnis zu beschäftigen. Wenn zum Beispiel der Kollege im Nachbarort seine Praxis abgeben möchte, weil er in den Ruhestand geht, ist ein denkbares Modell, den Vertragsarztsitz des Kollegen vor Ort selbst durch angestellte Ärzte weiter zu führen.

Förderung bis zu 50.000 Euro

In einigen Regionen fördert die Landesregierung die Anstellung von Hausärzten und/oder die Gründung von Zweigpraxen im Rahmen des sogenannten Hausarztaktionsprogrammes des Landes NRW mit bis zu 50.000 Euro.

Genehmigung einer Zweigpraxis

Die dafür erforderliche Filiale – genannt Zweigpraxis – genehmigt die Kassenärztliche Vereinigung, wenn durch die Tätigkeit in der Zweigpraxis die Versorgung der Patienten vor Ort verbessert werden kann und am Vertragsarztsitz des Antragstellers die Versorgung nicht beeinträchtigt wird. Gemäß Berufsordnung kann jeder Arzt an insgesamt bis zu drei Standorten tätig sein.

Interessenten können sich auf ausgeschriebene Sitze beim Zulassungsausschuss zum Zwecke der Anstellung eines zu benennenden Kollegen bewerben und daneben bei der KV die dafür nötige Zweigpraxisgenehmigung beantragen. Es ist empfehlenswert, sich zuvor mit dem Praxisabgeber über die Abgabemodalitäten und die Nutzung der bisherigen Räumlichkeiten zu einigen. Ebenso sollten die Anstellungsbedingungen mit dem Arzt bzw. den Ärzten, die angestellt werden sollen, besprochen werden. Relevant ist zudem, ob es im Rahmen der Ausschreibung weitere Bewerber gibt und wie der Zulassungsausschuss zwischen diesen entscheidet.

Zweigpraxis bei freien Sitzen

Falls es am geplanten Standort der Zweigpraxis laut Bedarfsplanung bereits freie Vertragsarztsitze gibt, können auch unabhängig von einer konkreten Praxisnachfolge Anstellungen erfolgen – ohne ein vorheriges Ausschreibungsverfahren. Auch hier gilt, dass man wissen muss, wen man anstellen möchte und in welchen Räumlichkeiten die Zweigpraxis betrieben werden soll. Zuvor beantragt man bei der KV die Genehmigung der Zweigpraxis. Es muss dafür nicht schon vorsorglich ein Objekt angemietet worden sein. Erforderlich ist aber eine möglichst genaue Angabe des Ortes bzw. Stadtteils oder Dorfes, in dem die Zweigpraxis betrieben werden soll. Signalisiert die KV, dass der Genehmigung sonst nichts mehr im Weg steht, reicht es, wenn erst dann eine konkrete Adresse benannt wird. Die endgültige Genehmigung wird daraufhin für diese konkrete Adresse erteilt, für die dann auch die Genehmigung der Anstellung eines oder mehrerer Ärzte durch den Zulassungsausschuss erfolgen kann.

Zweigpraxis für die eigene Tätigkeit

Prinzipiell ist eine Zweigpraxis auch ausschließlich für die eigene Tätigkeit oder zusätzlich zu der Tätigkeit bereits in der Zweigpraxis angestellter Ärzte denkbar. Hier gilt, dass am Vertragsarztsitz grundsätzlich die zeitlich überwiegende Tätigkeit ausgeübt werden muss. Bei voller Zulassung müssen am Sitz derzeit etwa mindestens 20 Sprechstunden pro Woche angeboten werden. In der Zweigpraxis darf nur ein geringerer zeitlicher Umfang an Sprechstunden als am Vertragsarztsitz angeboten werden.

In Planungsbereichen mit freien Vertragsarztsitzen kann die Anstellung von Kollegen zur Verstärkung auch direkt am eigenen Vertragsarztsitz erfolgen. Es kann aber sinnvoller sein, dort, wo Patienten bisher nur schlecht versorgt sind, eine Zweigpraxis zu gründen.

Zweigpraxis-Modell in Titz

Die Hausärztegemeinschaft Titz mit drei Ärztinnen und zwei Ärzte in den Praxen in Titz und Titz-Müntz ist ein Beispiel für ein Zweigpraxis-Modell. Außer dem Praxisinhaber arbeiten alle Ärzte in Teilzeit. Damit liegt das Modell im derzeitigen Trend der Allgemeinmedizin zu einem höheren Anteil an Teilzeitbeschäftigung.

Seit knapp anderthalb Jahren betreibt Dr. Robert Dujardin neben seinem Vertragsarztsitz auch eine Zweigpraxis im selben Ort, der im ländlichen Raum der Jülicher Börde mit einer Vielzahl kleinerer Orte von 200 bis 1 500 Einwohnern liegt. Hier fallen oft weite Anfahrtswege für Patienten, aber auch bei den zahlreichen Hausbesuchen an. Auslöser des Projektes war die Idee, die Fahrzeiten der Hausbesuche durch eine bessere Organisation zu minimieren. Die Zweigpraxis genehmigte die KV Nordrhein ohne Bedenken, da auf diesem Wege die Praxisnachfolge der zuvor am Standort der Zweigpraxis tätigen Hausarztpraxis gesichert wurde. Problematisch war nur, eine zuverlässige EDV-Vernetzung der Praxen bei schlechtem Breitbandausbau in der ländlichen Region einzurichten.

Drs. der Hausärztegemeinschaft Titz (v. l.): Robert Dujardin, Andrea Buhr, Elisabeth Bundke, Hubertus Koenen, Marion Esse

Dujardin bewertet seinen Entschluss sehr positiv: „Ich glaube, dass das Modell einer solchen kooperativen Berufsausübung ein wichtiger Baustein zum Erhalt von Standorten in ländlichen Regionen sein kann. Sie kommt dem Wunsch vieler junger Kolleginnen und Kollegen entgegen, der sehr befriedigenden eigenverantwortlichen hausärztlichen Versorgung in einem sehr persönlichen Arzt-Patienten-Verhältnis nachzukommen, ohne wesentlich in die organisatorischen und unternehmerischen Aufgaben eingebunden zu sein.“ Existenziell wichtig für den Erfolg der standortübergreifenden Praxis sei aber ein kompetentes und verantwortungsvolles Team nicht ärztlicher Mitarbeiterinnen, die große Teile der Organisation, Verwaltung und des „Sich-Kümmerns“ übernehmen. Durch den Aufbau dieser verhältnismäßig großen Praxis an zwei Standorten könne einerseits eine wohnortnahe Versorgung im ländlichen Raum gesichert werden, andererseits ließen sich organisatorische Synergieeffekte in verschiedenen Bereichen erzielen etwa die gegenseitige Personalvertretung, der Einsatz von Verah/NäPA, DMP-Schulungsprogramme und im Hinblick auf einen Kooperationsvertrag Pflegeheim nach § 119b.

Sabine Hilgers | Sigrid Müller

Kontakt

Wenn Sie Fragen rund um Zweigpraxis-Gründungen haben, wenden Sie sich bitte an:

Claudia Gibat
Telefon 0211 5970 8084
E-Mail

Marina Gerkemeier
Telefon 0211 5970 8268
E-Mail

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