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Mehrwert für Nordrhein

09.05.2018 KVNO aktuell

Der Aufbau der Telematik-Infrastruktur (TI) läuft schleppend, vor allem, weil die nötigen technischen Komponenten fehlen. Die Begeisterung der Praxen hält sich aber auch aus anderen Gründen in Grenzen: Ihnen nützt der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten nichts. Deswegen ist die KV Nordrhein auf Anbieter von Arztinformationssystemen zugegangen, um medizinische E-Health-Anwendungen zu fördern – mit Erfolg.

Bis Ende April 2018 waren in Nordrhein gut 600 Praxen an die TI angeschlossen. Die Compugroup Medical Deutschland AG (CGM) bietet seit Februar 2018 an, dass diese Praxen den eArztbrief bis Ende des Jahres zum Nulltarif empfangen. Und auch die Gespräche mit anderen Anbietern tragen Früchte: Im März erklärten weitere im Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) organisierte Praxissoftware-Anbieter, beispielsweise die medatixx GmbH & Co. KG, den Einstieg ihrer Kunden in die TI ebenfalls mit sinnvollen kostenfreien Anwendungen zu kombinieren.

Was heißt das konkret? Bei den CGM-Arztinformationssystemen – dazu gehören Medistar, Turbomed, Albis und M1 Pro – können alle Anwender das Basismodul „eArztbrief“ zum Empfang von digitalen Arztbriefen bis zum 31. Dezember 2018 kostenlos erhalten.

„Uns lag und liegt sehr daran, dass die Praxen, die in die Telematik-Infrastruktur einstiegen, einen Nutzen davon haben“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. Denn vom Versichertenstammdatenabgleich, der ersten TI-Anwendung, profitieren nur die Krankenkassen. Das Projekt „E-Health für Nordrhein“ sorgt dafür, dass mit Konnektor und Co. sinnvolle Anwendungen für die Praxen starten. Dazu gehören unter anderem die eArztbriefe, die eDisease-Management-Programme oder die 1-Click-Abrechnung. Galt das Angebot der CGM anfangs ausschließlich im Rheinland, bietet das Unternehmen inzwischen die Vergünstigungen in ganz Deutschland an.

TI-Pauschalen nutzen

Die Hardware- und Betriebspauschalen im Rahmen der TI-Anbindung zahlen derzeit zum großen Teil die Krankenkassen. Sie haben mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eine Finanzierungsvereinbarung geschlossen, die verschiedene Erstattungen umfasst. Diese erhalten Praxen, die in die TI einsteigen – und die Erstattungen finanzieren nun auch noch sinnvolle Anwendungen. Das ist der Kern der Vereinbarung, die die KV Nordrhein auf den Weg gebracht hat.

Ein Beispiel: Dr. Michael Mustermann ist Hausarzt in einer Einzelpraxis. Er möchte Entlassbriefe von Krankenhäusern in seiner Umgebung sowie von Facharztpraxen empfangen. Er hatte bislang weder KV-SafeNet noch KV-Connect und nutzt jetzt das Modul „eArztbrief-Basis“. Darin entfallen bis zum Jahresende 2018 die monatlichen Betriebskosten für das KV-SafeNet und KV-Connect, was eine Ersparnis von 34,80 Euro monatlich bedeutet. Außerdem verzichtet die CGM auf Lizenzgebühren von einmalig 49,90 Euro.

Nicht nur für die Empfänger von eArztbriefen sinken die Preise, auch für die Versender gibt es günstige Konditionen. Für Berufsausübungsgemeinschaften sowie für die KV-Connect-Anwendungen eDMP und eHKS gelten weitere Vergünstigungen.

Bundesverband zieht nach

Die im bvitg organisierten Praxissoftware-Hersteller bieten den Praxen an, bei der Installation der TI-Komponenten gleichzeitig den Zugang der Praxis in das Sichere Netz der KVen (SNK) zu übernehmen. Außerdem können mit der Freischaltung des entsprechenden Moduls Praxen auf Wunsch sofort nach Anschluss an die TI den eArztbrief via KV-Connect nutzen „und elektronisch mit ihren Kolleginnen und Kollegen kommunizieren, ohne vorher einen weiteren Vertrag mit einem SNK-Provider abschließen zu müssen“, heißt es in der Pressemitteilung des Verbandes. Mit anderen Worten: Mit der Installation des TI-Anschlusses sollen Praxen eArztbriefe senden und empfangen können. Ein entsprechendes Angebot hält medatixx beispielsweise seit 19. März vor.

„Wir versprechen uns von der Aktion einen Schub für die Nutzung des eArztbriefes sowie die Vernetzung der Arztpraxen und anderer Einrichtungen, die überdurchschnittlich viele Arztbriefe versenden“, sagt Bergmann. Da das E-Health-Gesetz die Praxen zwinge, in die TI einzusteigen, gehe es darum, für sinnvolle Anwendungen zu sorgen, damit sich der Aufwand von Zeit und Geld in den Praxen rentiere.

Frank Naundorf