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Telematik-Infrastruktur: KBV tritt auf die Bremse

09.05.2018 KVNO aktuell

Der Markt kommt nicht in Bewegung – vor allem, weil es bislang keine Anbieter-Konkurrenz zum Beispiel bei den Konnektoren gibt. Die Folge: Die Preise für die Komponenten, die zum Einstieg in die Telematik-Infrastruktur (TI) gefordert werden, bleiben konstant hoch. Da ab dem dritten Quartal 2018 die Pauschalen sinken, müssten Praxen künftig rund 1.200 Euro und mehr aus eigener Tasche zahlen, um in die TI einzusteigen. Das will die Ärzteschaft nicht akzeptieren.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wollte mit den Krankenkassen neue Pauschalen verhandeln, die die Kosten decken – und ist gescheitert. „Der GKV-Spitzenverband ist derzeit nicht bereit, ab Juli eine kostendeckende Finanzierungspauschale zu garantieren“, sagte Vize-KBV-Chef Dr. med. Stephan Hofmeister Ende April. Die KBV hat deswegen das Schiedsamt angerufen.

TI-Messe der KV Nordrhein in Köln; KVNO, Malinka

Die KVNO informiert nicht nur in ihren Medien intensiv über alles, was Praxen zum Einstieg in die TI wissen müssen, sondern auch auf zahlreichen Veranstaltungen.

Die Pauschalen waren vor einem Jahr in der Erwartung vereinbart worden, dass die Preise für Konnektor und Kartenterminal aufgrund der Marktentwicklung fallen würden. Anderenfalls, so war zwischen KBV und Krankenkassen vereinbart worden, werde nachverhandelt.

Tendenziell abwarten

„Bis nicht klar ist, dass die Krankenkassen die Ausstattung der Praxen mit der nötigen Technik auch im dritten Quartal in voller Höhe finanzieren, können wir den Ärzten und Psychotherapeuten nicht empfehlen, die notwendigen Komponenten zu bestellen“, stellte Hofmeister klar.

Entscheidend für die Erstattungshöhe ist nicht der Zeitpunkt der Bestellung, sondern ab wann die Praxis an die TI angeschlossen ist und das sogenannte Versichertenstammdaten-management (VSDM) nutzt. Erfolgt der Datenabgleich beim Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte zum Beispiel erstmals am 10. Juli, erhält die Praxis die Pauschale für das dritte Quartal, auch wenn die Bestellung schon früher erfolgt ist.

TI-Messe der KV Nordrhein in Köln; KVNO, Malinka

Allein 700 Ärzte, Psychotherapeuten und MFA kamen zum Beispiel zur TI-Messe am 24. März 2018 in Köln.

„Wir wollen die Vorteile der Digitalisierung für die Patientenversorgung nutzen, doch dafür müssen alle Beteiligten auch die Gesetze einhalten“, forderte Hofmeister. Er stellte klar, dass die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet sind, die Kosten für die Anbindung der Praxen an die TI in voller Höhe zu übernehmen. „Jeder Arzt und jeder Psychotherapeut hat das Recht auf eine kostendeckende Erstausstattung. Das fordern wir ein“, betonte er und sagte: „Wir werden darüber auch mit der Politik sprechen.“

Unterstützung aus Nordrhein

Die KBV hat für ihre Haltung die volle Unterstützung aus dem Rheinland. Die Vertreterversammlung der KV Nordrhein forderte die Politik auf, die verpflichtende Anbindung aller Praxen an die TI bis Ende 2018 und die entsprechenden Sanktionen auszusetzen. Den Niedergelassenen dürfe kein Kostenrisiko aufgebürdet und die Praxen nicht zum Versuchslabor für die Technik werden.

Frank Naundorf