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Versorgung von Patienten mit Migrationshintergrund

09.05.2018 Gesundheitstipps, KVNO aktuell

Neue Fortbildung für Ärzte und MFA „InterKultKom“ – so heißt das Fortbildungskonzept zur Förderung von interkultureller Kommunikation und Handlungskompetenz. Im Pilotprojekt in der Region Aachen werden seit März 2018 Ärzte, Zahnärzte, Medizinische Fachangestellte (MFA) und Pflegende in kultursensibler Versorgung und berufsübergreifender Vernetzung fit gemacht.

Ziel der Fortbildungsreihe ist zum einen die bessere Vernetzung, Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsberufen und Sektoren wie niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und Pflegeberufen. Zum anderen sollen diese Berufe für den Umgang mit Patienten und Kollegen aus unterschiedlichen Kulturen sensibilisiert werden.

In Deutschland sind rund ein Viertel der Bevölkerung Menschen mit Migrationshintergrund. Die Zahl älterer und pflegebedürftiger Migranten steigt. Bereits heute zeigen sich Probleme in der Versorgung durch ein unterschiedliches Krankheitsverständnis, Erwartungen an den Arzt sowie den Umgang mit Krankheitssymptomen.

Vielfalt statt Stereotype

Ärzte und MFA sind in den Praxen die ersten Ansprechpartner für die Patienten mit Migrationshintergrund und sehen sich oft mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Eine erlernte interkulturelle Kompetenz kann die Therapietreue der Patienten positiv beeinflussen – und somit auch den Behandlungserfolg. Inhalte einer kultursensiblen Versorgung können sprachliche Verständigung, Achtsamkeit gegenüber kultureller Prägung, kulturspezifische Angebote wie Ernährung, religiöse Bedürfnisse und der Umgang mit den Angehörigen sein.

Das Schulungskonzept wurde 2017 entwickelt, es befindet sich nun in der Erprobungsphase. An fünf Halbtagsterminen finden Schulungen zu unterschiedlichen Modulen statt. Die rund 45 Teilnehmer sind Ärzte, Sozialarbeiter, MFA, Zahnärzte, ZVA, Pflegende und Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen wie Heimen und Gesundheitsämtern. Die Schulungen sollen regional für eine berufsübergreifende Gruppe durchgeführt werden, um den Austausch zwischen den Sektoren zu fördern. Konzipiert und durchgeführt wird das Projekt von mehreren Partnern aus dem Gesundheitswesen, die Robert Bosch Stiftung fördert es.

Yvonne Klingebiel

„InterKultKom“ – Schulungsmodule

Haltung | Schärfung der eigenen Haltung zu Patienten aus unterschiedlichen Kulturen und zu ihren Bedürfnissen im Gesundheitssystem

Kommunikation | Kommunikationstraining und Beziehungsgestaltung mit fremdsprachigen Patienten aus anderen Kulturkreisen und Umgang mit Dolmetschern

Familie und Gender | Sensibilisierung für die unterschiedliche Sozialisation in anderen Kulturen in Bezug auf Familienstrukturen, deren Stellenwert, sowie Umgang mit Jugendlichen und älteren Patienten

Krankheitsverständnis | Kulturell und religiös verschiedene Sichten auf Krankheiten, psychische Erkrankungen sowie Behinderungen

Gewalt, Schmerz, Tod und Trauer | Umgang mit traumabelasteten Patienten, mit Gewalt und Trauer in unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlichen Abschiedsritualen

„Hoch spannende Rollenspiele“

Das Foto zeigt Tanja Patscheck, MFA, Würselen

„Ich lerne, darauf zu achten, im Umgang mit den Patienten keine Unterschiede zu machen, jeden gleich zu behandeln – so, wie ich selbst behandelt werden möchte. Und es macht unheimlich Spaß, wenn sich Patienten dafür bedanken, dass ich ihnen alles erkläre, was ich mache, und sie begleite. “

Tanja Patscheck, MFA, Würselen

Das Foto zeigt Gudrun Hintzen, MFA, Alsdorf

„Besonders toll ist die bunte Mischung an Teilnehmern. Jeder kann etwas beitragen und von den anderen lernen. Gemeinsam kann man so auch einige Arbeitsweisen anpassen. Interessant wäre zudem ein Austausch mit Kollegen aus anderen Regionen, denn selbst innerhalb von Nordrhein ticken die Uhren manchmal unterschiedlich. “

Gudrun Hintzen, MFA, Alsdorf

Das Foto zeigt Dr. med. Martina Levartz, Geschäftsführerin IQN, Düsseldorf

„Niedergelassene Ärzte sind erste Ansprechpartner für die Patienten. Die Schulung gibt ihnen Sicherheit, Mut sowie Offenheit und hilft, Hemmnisse, Vorurteile und Fremdheitsgefühle abzubauen. Von Anfang an waren die Teilnehmer offen für die Schulungsinhalte und Unterstützung. Ich würde mich freuen, wenn die Gruppe noch weiter zusammenwächst und ihre Vernetzung Bestand hat. “

Dr. med. Martina Levartz, Geschäftsführerin IQN, Düsseldorf

Das Foto zeigt Serin Alma, Verband medizinischer Fachberufe e. V.

„Hoch spannend waren die Rollenspiele, in denen Sprachbarrieren überwunden werden mussten, um Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen Befunde zu ver­mitteln und Misstrauen abzubauen. Dabei steht der individuelle Patient im Mittelpunkt. Hoffentlich wird das Schulungskonzept auch an anderen Orten umgesetzt. “

Serin Alma, Verband medizinischer Fachberufe e. V.

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