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Digitalisierung: Mehr als Telemedizin

09.05.2018 KVNO aktuell

Um Chancen und Risiken der Digitalisierung im Gesundheitswesen ging es bei einer Veranstaltung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein am 11. April 2018 im Haus der Ärzteschaft. TV-Arzt „Doc Esser“ moderierte eine Diskussion, die zeigte: Das Spannungsfeld zwischen „Dr. Google“, Selbstvermessung, Videosprechstunde, Telematik-Infrastruktur und Datenschutz ist groß.

Moderator Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser, Oberarzt an einem Remscheider Klinikum, besser bekannt als „Doc Esser“ im WDR-Fernsehen, stellte sich gleich als „Opfer“ der Digitalisierung vor und präsentierte ein elektronisches Blutzucker-Messgerät, das über eine implantierte Sonde im Oberarm alle zehn Sekunden den Blutzucker misst. „Eine tolle Sache, aber auch bei der Selbstvermessung entstehen schnell Abhängigkeiten von der Technik“, sagte Esser.

Das Bild zeigt die Referenten der Veranstaltung Digitalisierung; Foto: KVNO, Naundorf

Analoges Treffen zur digitalen Zukunft des Gesundheitswesens mit Dirk Ruiss, Leiter der vdek-Landesvertretung NRW, Rainer Beckers, Geschäftsführer ZTG, Regina Behrendt, Referentin der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf, KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann, Orthopäde Dr. med. Roland Tenbrock, Doc Esser und Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVNO (von links).

Bei aller Technik kommt es eben auch in Zukunft auf den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt an, schon allein, um festzustellen, wann technische Hilfsmittel sinnvoll sind – das war eines der zentralen Ergebnisse der anspruchsvollen Debatte über das große Digitalisierungspuzzle in der Gesundheitsversorgung.

Chat mit dem Patienten

Dr. med. Roland Tenbrock, niedergelassener Orthopäde aus Düsseldorf, betonte, wie wichtig die persönliche Begegnung für den ersten Kontakt zum Patienten ist. Im Laufe der Behandlung ihm bekannter Patienten könne Technik die Sache aber vereinfachen: Patienten sitzen online über das Tablet im „Wartezimmer“, ohne persönlich anwesend sein zu müssen. Zehn Prozent seiner Patientenkontakte finden auf diesem Wege statt. „Pro Chat benötige ich zwei bis drei Minuten – das spart Zeit und die Patienten sind begeistert.“ Für den Ausbau solcher Anwendungen braucht es eine Flexibilisierung – auch beim Fernbehandlungsverbot. „Damit wird sich der Deutsche Ärztetag beschäftigen“, kündigte Dr. Frank Bergmann an, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. Er betonte, dass das Verbot bestehen bleiben, der Spielraum für telemedizinische Angebote aber größer werden sollte.

Und was kann „Dr. Google“? Ihr „Halbwissen“ könne man Patienten nicht vorwerfen, sagte Regina Behrendt von der Verbraucherzentrale NRW: „Das Internet ist unübersichtlich. Deshalb brauchen wir Anlaufstellen mit geprüften, verlässlichen Informationen.“ Dafür plädierte auch Dirk Ruiss, Leiter der NRW-Landesvertretung des Verbands der Ersatzkassen (vdek). „Früher haben wir über den unmündigen Patienten geklagt. Der Preis der Freiheit ist, dass wir unbegrenzt an Informationen kommen, deren Qualität man nicht sofort beurteilen kann.“

Dr. Heiko Schmitz