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TI-Hard- und Software: Neue Anbieter in den Startlöchern

14.03.2018 KVNO aktuell

Um in die Telematik-Infrastruktur einzusteigen, sind mehrere Komponenten nötig. Die braucht jede Praxis und jede „Nebenbetriebsstätte“. Bislang gab es nur einen Konnektor – nun sollen weitere auf den Markt kommen.

Die Compugroup Medical Deutschland verfügte bislang als einziger Anbieter über einen Konnektor. Wer Compugroup-Systeme wie Medistar, Turbomed oder Albis einsetzt, kann sich bereits seit November 2017 an die TI anschließen.

In Kürze sollen weitere Konnektoren auf den Markt kommen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat die Betreibergesellschaft Gematik einen österreichischen Hersteller unter Vertrag genommen, der Mitte 2018 liefern werde. Andere Softwarehäuser wollen den Einstieg in die TI dann offerieren.

Medatixx und Smarty zum Beispiel haben bereits Angebote an ihre Kunden verschickt, das Deutsche Gesundheitsnetz und Medisign ein Paket angekündigt.

Jetzt einsteigen?

Für Praxen könnte sich der Einstieg in nächster Zeit rechnen: Die Finanzierungsvereinbarung sieht vor, dass Praxen mit bis zu drei Ärzten für einen Konnektor und ein stationäres Kartenterminal im 2. Quartal eine Pauschale von 2.345 Euro erhalten, für Praxen mit mehr als drei Mitgliedern etwas mehr. Ab dem 3. Quartal 2018 sinkt dieser Betrag auf 1.155 Euro.

Wenn die Anbieter nicht die Preise stark senken, müssen Praxen folglich einen Teil der Kosten für den Anschluss an die TI aus eigener Tasche bezahlen. Bleiben die Preise auf dem derzeitigen Niveau, dann liegt dieser Betrag bei rund
1.200 Euro. Die KBV will verhindern, dass die Praxen diese Diskrepanz zahlen: „Wir steigen sofort in die Verhandlungen mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung ein, um die aktuellen Marktpreise bei der Finanzierung der TI-Komponenten zu berücksichtigen", kündigte Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des KBV-Vorstands auf der Vertreterversammlung am 2. März in Berlin an.

Antrags- und Abrechnungsverfahren

Die Pauschalen erhalten Praxen erst, nachdem sie das erste Mal mindestens einen Abgleich der
Versichertenstammdaten online durchgeführt haben. Um die Pauschalen zu erhalten, haben Praxen die Wahl zwischen zwei Verfahren:

  • Automatisch nach der Abrechnung: Praxen erhalten die Pauschalen spätestens acht Wochen nach Ende des Abrechnungsquartals – automatisch, ganz ohne weiteres Zutun.
  • Antragsverfahren: Alternativ können Praxen einen Förderantrag unmittelbar nach Installation und erstem Versichertenstammdatenabgleich stellen. Die Auszahlung findet spätestens innerhalb von sechs Wochen nach Eingang des Antrags statt.

Bis Anfang März waren gut 250 Praxen in Nordrhein an die TI angeschlossen, doch bereits 1.100 hatten SMC-B-Ausweise erhalten.

Warten auf Installationstermin

Wie gesagt: Praxen erhalten die Erstattung dann, wenn sie tatsächlich Versichertenstammdaten online abgleichen. Das setzt voraus, dass Konnektor und Co. in der Praxis installiert sind – und da könnte es Engpässe geben. Die Firma Medisoftware hat ihre Kunden informiert, dass sie 18 Monate brauchen werde, bis alle Praxen beliefert seien, „denn wir können aufgrund der komplexen Logistik nur eine begrenzte Anzahl von Praxen pro Woche ausstatten.“

Die KBV fordert deswegen, die Einführungsphase für den Onlinerollout nochmals um ein halbes Jahr zu verlängern. Bislang endet die Frist am 31. Dezember 2018. Dann ist der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten Pflicht für die Praxen. Wer ihn nicht durchführt, dem drohen Honorarkürzungen von einem Prozent.

Der Einstieg in die TI bringt den Praxen auch Vorteile, zum Beispiel schafft der Konnektor auch einen Zugang ins sichere Netz der KVen (SNK). Darüber können Praxen etablierte Anwendungen nutzen, beispielweise die 1-Click-Abrechnung, eDMP und eArztbriefe. Bisher haben Praxen dafür einen KV-SafeNet-Zugang benötigt, der mit einmaligen und monatlichen Kosten verbunden war. Mit dem Anschluss an die TI können Praxen über den Konnektor alle bestehenden Dienste des SNK nutzen.

Frank Naundorf

Stimmen aus der Praxis

Das Foto zeigt Christiane Thiele, Kinder- und Jugendärztin, Viersen
»Zum Einstieg in die Telematik-Infrastruktur kann ich derzeit noch nicht viel sagen, da mein Praxissoftware-Hersteller bislang noch kein Einstiegspaket geschnürt hat. Ich mache mir aber in technischer Hinsicht keine Sorgen, denn ich habe erst im Oktober 2017 eine neue, voll digitale Praxis eröffnet. Da sollte der Anschluss an die TI kein Problem sein. «

Christiane Thiele, Kinder- und Jugendärztin, Viersen

Das Foto zeigt Bernd Bankamp, Gynäkologe, Krefeld
»Ich bin noch nicht angeschlossen, weiß aber, was ich dafür brauche. Ich warte mit dem Anschluss, bis es mehrere Konnektoren auf dem Markt gibt – und hoffe, dass dann noch alle Kosten durch die Pauschalen gedeckt sind. Einen konkreten Nutzen für meine Praxis erwarte ich erstmal nicht. Es wäre toll, wenn wir Rezepte und Überweisungen auf der eGK vermerken könnten, das fände ich wichtiger als etwa einen Notfalldatensatz. Aber auf solche Anwendungen müssen wir wohl noch lange warten.«

Bernd Bankamp, Gynäkologe, Krefeld

Das Foto zeigt Dr. med. Ingo Bläse, Kardiologe, Düsseldorf
»Wir stehen noch am Anfang unserer Überlegungen und ich berate mich in Kürze mit unserem EDV-Experten. Ich sehe im Aufbau der Telematik-Infrastruktur durchaus Potenzial, auch was Arbeitserleichterungen in unserer Praxis betrifft. Es muss sich aber noch zeigen, welche sinnvollen Anwendungen kommen – und was die Datenschützer am Ende zulassen.«

Dr. med. Ingo Bläse, Kardiologe, Düsseldorf

Das Foto zeigt Dr. med. Oscar Pfeifer, Allgemeinarzt, Essen
»Wir haben gerade die SMC-B-Karte erhalten, in zwei Wochen findet die Installation des Konnektors statt. Da wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch ausgelagerte Praxisräume haben, müssen wir vorher noch einen VPN-Tunnel dorthin aufsetzen, da erwarte ich aber keine großen Schwierigkeiten. Trotzdem sehe ich das TI-Projekt kritisch. Bis erstmals relevante Daten darüber ausgetauscht werden, bin ich vermutlich in Rente. Wenigstens mussten wir Geräte und Installation nicht selbst bezahlen.«

Dr. med. Oscar Pfeifer, Allgemeinarzt, Essen

Website und Newsletter

Aktuelle Informationen, Checklisten und Kontaktdaten rund um den Onlinerollout hat die KV Nordrhein für Sie kompakt in einem Internetangebot zusammengestellt. Hier finden Sie auch das Formular, mit dem Sie die Erstattung der Pauschalen beantragen, wenn Sie sich für das Antragsverfahren entscheiden. Sie können sich auf der Site auch für den Newsletter IT-Beratung anmelden, der Sie auf dem Laufenden hält. So erfahren Sie schnell und bequem, wenn TI-Komponenten zugelassen werden.

Hotline

Wenn Sie Fragen rund um den Onlinerollout haben, ist Ihr IT-Haus ein wichtiger Ansprechpartner. Darüber hinaus können Sie sich gern an unsere IT-Hotline wenden. Sie ist erreichbar von Montags bis Donnerstags von 8 bis 17 Uhr und
Freitag von 8 bis 13 Uhr:

Telefon 0211 5970 8500
Telefax 0211 5970 9500
E-Mail

Messen und Vorträge

Um in die Telematik-Infrastruktur einzusteigen, benötigen die Praxen mehrere Komponenten. Auf zwei Onlinerollout-Messen und sieben Vortragsveranstaltungen der KV Nordrhein referieren Experten, was Sie für den Einstieg benötigen und wie Sie die Pauschalen dafür erhalten. Auf den Messen zeigen 17 Aussteller, was sie rund um die TI anbieten – von der Bundesdruckerei, die SMC-B-Karten ausgibt, bis zu den Softwarehäusern. Wenn Fragen offen sind, stehen die IT-Berater der KV Nordrhein für Sie vor Ort zur Verfügung.