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Kinder- und Jugendreha: Verordnung vereinfacht

14.03.2018 Gesundheitstipps, KVNO aktuell

Durch neue Regelungen ist es einfacher geworden, Reha-Maßnahmen für junge Patienten zu verordnen. Aber nur 3,1 Prozent der Ausgaben für rehabilitative Maßnahmen entfielen im Jahr 2015 auf den Bereich der Kinderrehabilitation. Einerseits steigt die Zahl der Anspruchsberechtigten, andererseits sinkt die Zahl der Anträge. Mögliche Gründe dafür wurden im Rahmen einer Veranstaltung am 7. Februar 2018 im Haus der Ärzteschaft diskutiert.

Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, setzt sich dafür ein, dass die neuen Optionen für Reha-Leistungen bekannter und auch ausgeschöpft werden. Durch das 2017 ins Leben gerufene Flexirentengesetz können wieder alle Ärzte Reha-Maßnahmen verordnen. Weiterhin ist die Kinder-Reha jetzt eine Pflichtleistung der Deutschen Rentenversicherung (DRV). „Nutzen Sie die neuen Optionen, dann führen Ihre Anträge auch zum Erfolg“, so König.

Das Bild zeigt sieben Menschen.

(v. l.) Dr. Carsten König, Dr. Johannes Oepen, Ulrich Theißen, Stephanie Theiß, Dr. Annette Mund, Carl Fischer und Dr. Ursula Kleine-Diepenbruck referierten über das Thema Kinder- und Jugendreha.

Dr. Annette Mund, Vorstandsvorsitzende des bundesweiten Kindernetzwerkes, sagte, dass eine Reha-Maßnahme vielen Betroffenen dabei helfen kann, die Krankheit und den Alltag besser zu bewältigen. Ulrich Theißen, Verwaltungsfachexperte der DRV, erklärte, dass Patienten in einer Kinder- und Jugendreha optimal unterstützt werden. Allerdings sei bei der Antragsstellung einiges zu bedenken. Zum Beispiel ist in der Antragsbegründung bei einem adipösen Kind nicht „Abnehmen“ als Ziel zu formulieren, sondern das Erlernen angemessenen Essverhaltens und Bewegung. Bei Unsicherheiten im Zuge der Antragsstellung bietet die DRV eine Beratung an.

Dr. med. Ursula Kleine-Diepenbruck ist Kinderärztin und beobachtet, dass eine zunehmend größere Anzahl von Kindern aus prekären Familienverhältnissen mehr als ein Gesundheitsproblem aufweisen. In ihrer Praxis sind bildungsferne Eltern, pubertierende Kinder und Patienten mit Migrationshintergrund häufig vertreten. Dennoch geht nicht jeder Reha-Antrag durch. „Damit die Reha auch nachhaltig ist, geben wir den Eltern ein Maßnahmenpaket an die Hand, das auch mit den Kinder- und Hausärzten besprochen wird. In unserer Klinik steht die Verhaltensbeobachtung und -modifikation im Vordergrund“, so Dr. med. Johannes Oepen, ärztlicher Direktor des Viktoriastiftes in Bad Kreuzbach.

Während des Reha-Aufenthaltes werden die schulpflichtigen Patienten auch unterrichtet. Carl Fischer, Direktor der Comenius-Schule im hessischen Bad Orb, zeigte sich erfreut darüber, dass die Leistungen der Kinder und Jugendlichen während der Reha nicht abfallen.

Stephanie Theiß

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