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Sonderregion Ruhrgebiet wird für Hausärzte schrittweise aufgehoben: Zusätzliche Sitze ab Sommer 2018

31.01.2018 KVNO aktuell

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat zum 1. Januar 2018 neue Verhältniszahlen für Hausärzte und Psychotherapeuten beschlossen. Die dadurch entstehenden Sitze werden voraussichtlich ab Sommer durch den Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen freigegeben. Die KVen Nordrhein (KVNO) und Westfalen-Lippe (KVWL) konnten eine schrittweise Angleichung der Verhältniszahl für Hausärzte erreichen.

Mehr als 200 zusätzliche Hausärzte

„Vor allem die Zahl der Hausärzte war im Ruhrgebiet bisher geringer als in anderen Ballungszentren“, sagt Stephan Bohnekamp, für die Sicherstellung zuständiger Geschäftsführer der KV Nordrhein. Anstelle von 1.671 Einwohnern pro Hausarzt galt im Ruhrgebiet die Verhältniszahl 2.134. Dies bedeutet ca. 20 Prozent weniger Hausärzte – bezogen auf die Bevölkerungszahl – als im übrigen Bundesgebiet.

Die Angleichung an die bundeseinheitlichen Zahlen findet nun in fünf Schritten statt. Dabei werden voraussichtlich alle so genannten Mittelbereiche im Ruhrgebiet sukzessive für neue Hausarztsitze geöffnet. Insgesamt kämen für Nordrhein so 228 Hausarztsitze bis 2028 hinzu.

Das Foto zeigt die Sechs-Seen-Platte bei Duisburg

Auch in Duisburg – hier die Sechs-Seen-Platte – wird es neue Arztsitze geben (© fotolia.com | Julia Hermann).

Eine sofortige Übernahme der bundeseinheitlichen Verhältniszahl für Hausärzte hätte im gesamten Ruhrgebiet unmittelbar zu mehreren hundert neuen Sitzen geführt und die hausärztliche Sicherstellung in ländlichen oder strukturschwachen Regionen innerhalb und auch außerhalb des Ruhrgebiets zusätzlich erschwert.

Um die an das Ruhrgebiet grenzenden ländlichen Bereiche bei der Versorgung nicht zu benachteiligen, geschieht die Angleichung auf Drängen der KVen in Nordrhein und Westfalen-Lippe schrittweise. Ansonsten würde das Ruhrgebiet – und dort insbesondere die Großstädte – die Ärzte locken, die in den strukturschwächeren Nachbarbereichen bereits heute fehlen.

Die im Dezember 2017 durch den Landesaus­schuss beschlossenen Sperrungen gelten zunächst weiterhin. Ein Planungsbereich wird erst dann für neue Sitze geöffnet, wenn der Versorgungsgrad unter 110 Prozent fällt und dies vom Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen festgestellt wurde.

Etwa 50 neue Psychotherapeuten

Für die allgemeine fachärztliche Versorgung werden die Planungsbereiche des Ruhrgebiets dem neuen Kreistyp 6, „polyzentrischer Verflechtungsraum“, zugeordnet. Die Verhältniszahlen bleiben dabei für die meisten Arztgruppen gleich.

Eine Ausnahme bilden die Psychotherapeuten: Wegen der spezifischen Versorgungssituation im Ruhrgebiet hat der G-BA hier einen zusätzlichen Versorgungsbedarf anerkannt und eine Verhältniszahl beschlossen, die dem nordrheinischen Teil gut 50 zusätzliche Sitze beschert – zunächst in Oberhausen, Duisburg und im Kreis Wesel. Um eine gute Versorgung auch im ländlichen Bereich zu erreichen, erwägen die KV Nordrhein und die nordrheinischen Landesverbände der Krankenkassen eine kleinräumige Planung im Kreis Wesel, damit die Sitze nicht ausschließlich in den bereits jetzt schon vergleichsweise gut versorgten größeren Städten des Kreises entstehen.

Für die spezialisierte fachärztliche Versorgung entfallen die bisherigen Sonderregelungen für das Ruhrgebiet ersatzlos und ohne Übergangsszenarien. „Die effektiven Arztzahlen in dieser Fachgruppe bleiben – zumindest im nordrheinischen Teil des Ruhrgebiets – unverändert“, berichtet Bohnekamp.

Bewerbung ab Sommer 2018

Anträge auf neue Hausarztsitze können Interessierte noch nicht stellen. Im Juni 2018 plant der zuständige Landesausschuss, den Beschluss über Anzahl und Verteilung der neuen Sitze zu fassen, der im Sommer durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW bestätigt werden muss. Die KV Nordrhein wird daraufhin die freien Sitze auf kvno.de und im Newsletter „Amtliche Bekanntmachungen“ veröffentlichen. Dann ist eine Bewerbung für die Sitze voraussichtlich sechs Wochen lang bei den zuständigen Zulassungsausschüssen möglich.

Bewerbung um Arztsitze in geöffneten Planungsbereichen

  • Veröffentlichung der freien Sitze auf kvno.de und im Newsletter „Amtliche Bekanntmachungen“
  • Formular „Antrag auf Zulassung“ ausfüllen und Unterlagen beilegen!
  • Kriterien für die Auswahl nennt die Bedarfsplanungsrichtlinie in § 26, Abs. 4.
  • Vorteile bieten sich Job-Sharern und Ärzten, die sich in ländlichen oder strukturschwachen Regionen niederlassen möchten.

Sofern es für einen Planungsbereich weniger Bewerbungen als Sitze gibt, ist eine spätere Bewerbung auf die verbleibenden Sitze anschließend jederzeit möglich. „Wer sich für die Niederlassung interessiert, kann sich bei unseren Niederlassungsberatern informieren“, so Bohnekamp. Die Kontaktdaten der Beratung finden Sie im Internet auf kvno.de/niederlassung. Gerade aufgrund der besonderen Situation im Ruhrgebiet empfehle es sich, das Gespräch mit den Beratern zu suchen. Bei der Bewerbung könne außerdem die Wahl eines ländlichen Standorts gegebenenfalls die Niederlassung begünstigen.

Hintergründe der Anpassung

Die bis Ende 2017 gültige Bedarfsplanung inklusive der Sonderregelungen für das Ruhrgebiet wurde 1993 vom Gesetzgeber eingeführt. Die seinerzeit übernommenen Verhältniszahlen sind ein Abbild des damaligen Ist-Zustands. Das aus der unterdurchschnittlichen Arztdichte resultierende, für das Ruhrgebiet ungünstige Verhältnis wurde über die Jahre fortgeschrieben (wir berichteten).

Das IGES Institut (Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen) hat in einer vom G-BA beauftragten Studie 2017 verdeutlicht, dass es keinen plausiblen Grund gibt, die Benachteiligung des Ruhrgebiets mit Blick auf die hausärztliche Versorgung auf Dauer aufrechtzuerhalten. Daher wurde die Sonderregelung für das Ruhrgebiet zum 1. Januar 2018 abgeschafft.

Obwohl die Arztdichte im Ruhrgebiet im Verhältnis zur Einwohnerzahl geringer ist als in ausgewählten Vergleichsregionen, fühlen sich die Menschen laut der IGES Studie insgesamt nicht schlechter versorgt.

Die Neuregelungen für das Ruhrgebiet wurden durch den G-BA in Abstimmung mit einer Arbeitsgruppe des Ausschusses Bedarfsplanung – unter Einbeziehung von KVNO und KVWL – erarbeitet und am 17. November 2017 vom Plenum des G-BA beschlossen.

Mit den jetzt beschlossenen Übergangsregelungen erhofft sich der G-BA eine reduzierte Sogwirkung des Ruhrgebiets, da die KVen die regionale Verteilung der Arztsitze besser steuern können.

Weitere Änderungen in der Bedarfsplanung zeichnen sich bereits ab. Um die Bedarfsplanung auf Bundesebene grundsätzlich neu zu justieren, wird derzeit ein Gutachten erstellt. Weitere Kriterien wie Morbidität und Sozialstruktur der Bevölkerung könnten dann in einer modernisierten Planung eine Rolle spielen.

Yvonne Klingebiel

Neue Hausarztsitze 2018–2028

Die Karte zeigt die Anzahl der neuen Hausarztsitze 2018–2028

Die genannten Zahlen sind das Ergebnis einer Simulation auf Basis aktuell verfügbarer Einwohnerzahlen. Regelungen zur konkreten zeitlichen Umsetzung können im Einvernehmen mit den Krankenkassen regionsbezogen noch vereinbart werden.

Voraussichtlich 228 zusätzliche Sitze im Ruhrgebiet

Zeitraum Verhältniszahl Neue Sitze
Ab 2018 2 000 + 29
Ab 2020 1 900 + 46
Ab 2022 1 850 + 30
Ab 2024 1 800 + 32
Ab 2026 1 750 + 35
Ab 2028 1 671 + 56

Die Differenz zur Karte ergibt sich aus bereits heute bestehenden Niederlassungsmöglichkeiten im Ruhrgebiet, die schon freigegeben sind. Aufgrund laufender Anpassungen in der Bedarfsplanung können sich die Zahlen geringfügig ändern.

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