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„Wir müssen Laborleistungen hinterfragen“

31.01.2018 KVNO aktuell

Über die Kernpunkte, Auswirkungen und mögliche weitere Reformschritte im Laborbereich sprachen wir mit Dr. med. Jens Wasserberg, Leiter des Arbeitsausschusses Labor der Vertreterversammlung der KV Nordrhein.

Wie bewerten Sie die ab 1. April 2018 greifende Reform?

Die Laborreform ist der überfällige Einstieg in die Neustrukturierung der Laborleistungen. Das Labor kostet die Vertragsärzte in Nordrhein seit vielen Jahren stetig wachsende Honorarbeträge, weil das von den Kassen bereitgestellte Geld nicht die Kosten für die abgerechneten Laborleistungen deckt und die Ärzteschaft diese Deckungslücke aus eigenen Mittel bezahlen muss. Die naheliegendste Lösung, dass die Kassen die Laborleistungen ihrer Versicherten in Gänze zu bezahlen haben, scheidet aktuell bekanntlich aus, da die Kassen mit Unterstützung aus der Politik ihre Komfortzone mit „befreiender Wirkung” nicht aufgeben müssen. Zuletzt mussten deshalb die Vertragsärzte zirka sechs Millionen Euro pro Quartal aus ihren Regelleistungsvolumen zuschießen.

Das Bild zeigt Herrn Dr. med. Jens Wasserberg, Allgemeinmediziner in Bedburg.

Dr. med. Jens Wasserberg ist als Allgemeinmediziner in Bedburg niedergelassen und Mitglied der Vertreterversammlung der KV Nordrhein. Er leitet den Arbeitsausschuss Labor, der die neuen Regelungen zum Labor für den Honorarverteilungsmaßstab vorbereitet hat.

Was passiert mit der Reform konkret?

Ab 1. April 2018 werden die Laborkosten quotiert. Das heißt, dass die Einzelpreise für die Laborleistungen sinken, wenn mehr Leistungen abgerufen werden, als die Kassen pauschal zu zahlen bereit sind. Bis zu zehn Prozent sind hier möglich. Dies entspricht etwa dem Defizit, das die Vertragsärzte bisher aus eigenen Mitteln auszugleichen hatten. Insofern verschafft dieser Einstieg in die Laborreform den Vertragsärzten eine Atempause hinsichtlich ihrer Zuschusspflichten, und zwar Haus- und Fachärzten.

Gibt es Reform-Gewinner oder Verlierer?

Gewinner sind zunächst allgemein alle Fachgruppen mit Regelleistungsvolumen, also Haus- und Fachärzte. Beide Gruppen müssen zunächst weniger Labordefizite aus ihren Töpfen begleichen. Ohne eine zweite Laborreformstufe, die die Laborkostendynamik effektiv mindern wird, werden die Haus- und Fachärzte wieder steigende Labordefizite zu begleichen haben. Dieses neue Defizit träfe dann die Fachärzte am stärksten, denn sie müssten nicht wie bisher etwa die Hälfte dieser Kosten übernehmen, sondern künftig 89 Prozent. Die Labore verlieren um bis zu zehn Prozent, da sie geringere Vergütungen erhalten als bisher.

Reichen die bisherigen Regelungen?

Nein. Es ist abzusehen, dass bei unveränderter Labordynamik die Schere zwischen Laborkosten und niedrigeren Kassenhonoraren für die Laborleistungen wieder auseinandergeht. Wenn wir also nach der Preisreduktion nicht auch eine Reduktion der Mengendynamik im Laborbereich umsetzen, werden die Kosten für die Ärzteschaft wieder steigen. Aufgrund der Rechtslage und der zum 1. April 2018 beschlossenen Neuregelung würde diese neue Kostensteigerung die Ärzteschaft asymmetrisch treffen: die Psychotherapeuten fast gar nicht, die Hausärzte weniger und am stärksten die Fachärzte.

Eine zweite Reformstufe ist also nötig?

Ja. Die zweite Phase der Laborreform wird sich mit der Frage beschäftigen müssen, welche Laborleistungen wann erbracht werden können: Solange es begrenztes Honorar für die Laborleistungen gibt, solange ist es schlicht unmöglich, unbegrenzt Laborleistungen zu erbringen. Es wird Aufgabe der KV Nordrhein sein, zu analysieren, ob bestimmte Laborleistungen ohne Qualitätsverlust reduziert werden können. Dabei darf es nicht darum gehen, für die Kassen auf dem Rücken der Patientensicherheit den Sparmeister zu spielen. Wir müssen vielmehr herausfinden, ob man das Labor effizienter einsetzen kann als bisher.

Wie lassen sich Ihrer Ansicht nach Laborleistungen reduzieren?

Da gibt es einige Möglichkeiten, die wir diskutieren können. Eine gestufte Labordiagnostik kann zum Beispiel da sinnvoll sein, wo weitergehende Laborparameter durch einen Markerwert entbehrlich werden könnten. Dies ist etwa bei der Kontrolle einer Schilddrüsenerkrankung in vielen Praxen bereits üblich: Oftmals reicht das TSH zur Verlaufskontrolle, sodass nicht fT4 und fT3 mitbestimmt werden müssen. Auch die Kontrollfrequenz wird bisher unterschiedlich praktiziert, sodass dort wissenschaftlich validierte Laborpfade für bestimmte Krankheitsbilder hilfreich sein könnten.

Frank Naundorf führte das Gespräch