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Arznei- und Heilmittelvereinbarung 2018: Mehr als 4 Milliarden für Medikamente

31.01.2018 KVNO aktuell

Die Arznei- und Heilmittelvereinbarungen 2018 sind unterzeichnet. Das verhandelte Ausgabenvolumen für Arznei- und Verbandstoffe in Nordrhein liegt in 2018 erstmals über 4 Milliarden Euro. Es steigt um 4,1 Prozent auf 4,074 Milliarden Euro. Bei der Arzneimittelvereinbarung wurden die Quoten der Marktentwicklung angepasst - und einige neue Quoten vereinbart.

Die bisherigen Quoten wurden in Ihren Zielwerten angepasst. Die Quoten dienen weiterhin nicht als Kriterium für Anträge der Krankenkassen. „Im Gegenteil: Sie können Praxen vor Prüfungen schützen“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. Denn es gilt weiterhin, dass Praxen, die alle Quoten ihrer Fachgruppe einhalten, aus der Prüfung nach Durchschnittswerten befreit sind.

Das Bild zeigt einen Patienten im Gespräch mit seiner Ärztin

Viel Geld befindet sich im „Topf“ für Arzneimittel. Dennoch sollten Praxen ihre Quoten beim Verordnen beachten (© Takeda Pharma).

Neue Quotenregelungen bei Arzneimitteln

Für den Medikationskatalog wurde zusätzlich eine Quote für nachrangig zu verordnende Arzneimittel eingeführt. Diese im Ampelschema roten Arzneimittel sollten zu nicht mehr als 8 Prozent verordnet werden. Bei den Biosimilars wurden neue Quoten für Follitropin (Gynäkologen), Filgrastim (Onkologen) und Heparine (Chirurgen, Orthopäden) eingeführt. Hier sollen die Preisvorteile gegenüber den Referenzsubstanzen genutzt werden, um die Gesamtausgaben zu beeinflussen. Bei den Follitropinen profitieren auch die Patientinnen im Rahmen der Kinderwunschtherapie direkt von den geringeren Kosten. Die Verwendung onkologischer Biosimilars (Rituximab und künftig Trastuzumab) soll in Rezepturen ermöglicht werden, indem der Austausch in der Apotheke ermöglicht wird (kein Aut-idem-Kreuz gesetzt).

Für den Einsatz von Opioiden wurde die bisherige „Pflasterquote“ gestrichen. Denn der Einsatz von Fentanylpflastern bezogen auf die Tagestherapiekosten liegt nicht über denen oraler Opioide. Die bisherige Generikaquote bei den Opioiden wurde auch für die Fachgruppe der Neurologen eingeführt.

Für die Fachgruppe der Orthopäden wurde die bisherige Leitsubstanzen-Quote für Alendronat und Risedronat geändert: Künftig wird der Anteil der beiden Bisphosphonate an allen Mitteln zur Behandlung der Osteoporose gemessen; er soll mindestens 59 Prozent (nach durchschnittlichen Tagesdosen DDD) betragen.

KV Nordrhein und Kassen haben eine Dokumentationsnummer für parenterale Mittel zur Behandlung der Osteoporose vereinbart. Die Dokumentationsziffer dient dazu, Praxen, die innerhalb der Gruppe der Orthopäden einen Osteoporoseschwerpunkt haben, identifizieren zu können. Die Nummer ist keine Symbolziffer zur Kennzeichnung einer Praxisbesonderheit, die im Rahmen einer Prüfung herausgerechnet wird.

Änderungen bei Heilmitteln

Das Ausgabenvolumen für Heilmittel steigt um 10,5 Prozent auf 760 Millionen Euro. Die Diagnoseliste „Langfristiger Heilmittelbedarf/ Besonderer Verordnungsbedarf“ wird aktualisiert. Ab dem 1. Januar 2018 gibt es zudem ein neues Heilmittel: „Ernährungstherapie“.

Kritisch bleiben nach wie vor die überdurchschnittlich hohen Verordnungskosten für den Bereich der Logopädie. Gründe für diese hohen Ausgaben werden von KV und Krankenkassen gemeinsam ermittelt, um mögliche Instrumente der Steuerung zu entwickeln.

Quartalsbilanzen geben Auskunft

Bereits 2017 wurde die Richtgrößenprüfung durch die Prüfung nach Durchschnittswerten abgelöst. Mit dem Abrechnungspaket werden nun die Quartalsbilanzen für die Arznei- und die Heilmittelverordnungen versendet. Neu ist, dass nun auch Fachgruppen oder Untergruppen eine Quartalsbilanz bekommen, für die es vorher keine Richtgrößen gab. So werden beispielsweise die Kardiologen nicht mehr mit der Gruppe der fachärztlichen Internisten, sondern nur noch untereinander verglichen. Anästhesisten und Neurologen hatten bei den Heilmitteln bisher keine Richtgröße, die Ärzte erhalten nun eine Übersicht zu ihren Heilmittel-Verordnungskosten im Vergleich zur Fachgruppe.

Dr. Holger Neye

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