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Zi relativiert Zahlen zu Arzteinkommen des Statistischen Bundesamtes

17.08.2017 Honorar, Praxisinfos

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat die am 15. August vom Statistischen Bundesamt (DESTATIS) veröffentlichten Zahlen zu den Einnahmen und zur Ertragssituation der niedergelassenen Ärzte kommentiert und diesen die validen Daten aus dem Zi-Praxispanel (ZiPP) gegenüber gestellt. Das ZI äußert erhebliche Zweifel, ob die Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts zur Anpassung des Orientierungswerts oder zur Überprüfung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes überhaupt geeignet ist.

„Die Angaben von DESTATIS, die von den Medien verbreitet wurden, sind in Teilen irreführend. So führt insbesondere die herangezogene Größe des ,Reinertrags‘ je Praxis (statt je Arzt) zu statistischen Verzerrungen. Das gilt auch für die Ermittlung von Durchschnitts- beziehungsweise Medianwerten ohne Berücksichtigung der Psychotherapeuten“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

„Dass der GKV-Spitzenverband mit Verweis auf die DESTATIS-Zahlen das ,hohe Vergütungsniveau‘ der Vertragsärzte hervorhebt, ist kaum überraschend , aber voreilig, wenn man, wie das ZI, genauer auf die Daten blickt.“ Wichtigste Kritikpunkte: Der „Reinertrag“ einer Arztpraxis ist die falsche Referenz und eignet sich nicht, um die Vergütung von (einzelnen) Vertragsärzten darzustellen.

Der vom Statistischen Bundesamt angegebene Wert von 258.000 Euro als Reinertrag hat kaum Aussagewert, zumal Fachgebiete mit hohem Kooperationsanteil (Radiologie, Strahlentherapie, Nuklearmedizin) höhere Reinerträge aufweisen als Fachgebiete mit geringerem Kooperationsanteil (zum Beispiel ärztliche Psychotherapie).

Der Reinertrag je Inhaber liegt in der Kostenstrukturanalyse des Statistischen Bundesamts bei 190.000 Euro. Das Zi gibt als Jahresüberschuss je Inhaber für das Jahr 2015 161.000 Euro an, denn im Unterschied zum Statistischen Bundesamt sind in den Zahlen des Zi die Angaben der Psychotherapeuten enthalten. Rechnet man die Psychotherapie aus den ZiPP-Daten heraus, ergibt sich ein durchschnittlicher Jahresüberschuss der Vertragsärzte in Höhe von 177.000 Euro je Inhaber.

Das verfügbare Einkommen des Arztes ist weitaus niedriger: Nach Abzug der Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Einkommenssteuer verbleiben bei rund 50 Wochenstunden Arbeitszeit 80.000 Euro im Jahr. Weitere Kritikpunkte und Anmerkungen finden sich in einer aktuellen Information des ZI zur Analyse von DESTATIS.

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