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Sommerempfang im Haus der Ärzteschaft

28.09.2017 KVNO aktuell, Pressemitteilungen

Beim diesjährigen Sommerempfang der Ärztekammer Nordrhein und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) hat Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, vor rund 500 Gästen aus Politik, Selbstverwaltung und Ärzteschaft zur Zukunft der ärztlichen Berufsausübung Stellung genommen. Gastgeber des Empfangs waren neben Bergmann auch Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandvorsitzender der KVNO, Ärztekammer-Präsident Rudolf Henke und sein Stellvertreter Bernd Zimmer.

Bergmann bezog sich in seiner Rede dabei vor allem auf die Entwicklung und Planbarkeit der „Ressource“ Arzt und die immer größere Herausforderung, den Sicherstellungsauftrag der KV zu erfüllen. „Das Durchschnittsalter mancher Fachgruppen liegt bei 55 Jahren oder höher. Immer mehr Hausarztsitze bleiben unbesetzt. Hinzu kommt ein stetiger Trend nach unten bei der Wochen- und auch der Lebensarbeitszeit je Arzt oder Ärztin. Diese Entwicklung verläuft fast synchron mit dem Statuswandel bei immer mehr Kolleginnen und Kollegen – von der eigenen Zulassung ins Angestelltenverhältnis“, sagte Bergmann. Der KVNO-Chef betonte, dass es nicht um ein Werturteil über die Frage Zulassung versus Anstellung ginge – und er auch kein Werturteil über die persönliche Entscheidung junger Ärztinnen und Ärzte fällen wolle, in welchem Umfang sie tätig sein wollen. „Und ich will junge Kollegen auch nicht schon im Medizinstudium auf den Ort und das Fachgebiet ihres bevorstehenden Arztlebens verpflichten.“ Gleichwohl sei es Aufgabe der KV, den Wandel zu erkennen, zu analysieren und daraus Konsequenzen zu ziehen. Bergmann plädierte dafür, die „Idee der Freiberuflichkeit“ als Koordinatensystem zu verwenden, um die ärztliche professionelle Identität auch unter dramatisch veränderten Bedingungen der Arbeitswelt zu bewahren.

Die Gastgeber des Abends: Rudolf Henke, Dr. med. Frank Bergmann, Bernd Zimmer und Dr. med. Carsten König; Foto: Malinka

Die Gastgeber des Abends: Rudolf Henke, Dr. med. Frank Bergmann, Bernd Zimmer und Dr. med. Carsten König (v.l.)

„Kluge Politik stärkt Selbstverwaltung“

Der Gedanke der Freiberuflichkeit sei untrennbar mit dem Modell der Selbstverwaltung verbunden. „Davon profitieren nicht nur wir selbst, sondern auch und ganz besonders das Gemeinwesen. Unsere Selbstverwaltung entlastet den Staat – im Sinne des Prinzips der Subsidiarität. Das gilt für die kommunale Selbstverwaltung ebenso wie für die Sozialversicherung und die Selbstverwaltung der freien Berufe. Kluge Politik schützt und stärkt daher diese Selbstverwaltung – auch in ihrem ureigenen Interesse.“ Gleichwohl seien Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung bedroht, insbesondere durch europäische Konformitätsbestrebungen, die dieses Modell als deutschen Sonderweg missverstünden, und durch ökonomische Interessen. „Aus der Sicht von Investoren, die im internationalen Maßstab agieren, sind freiberufliche Strukturen, sofern sie unter staatlichem Schutz stehen, ein lästiges Hindernis“, sagte Bergmann. Er dankte dem neuen NRW-Gesundheitsminister Franz-Josef Laumann, der wegen der Teilnahme an der Beisetzung Heiner Geißlers nicht wie geplant zum Sommerempfang kommen konnte, für sein Bekenntnis zu einer ambulanten Versorgung, die im Kern durch freiberuflich tätige Ärztinnen und Ärzte getragen wird.

Auf tagesaktuelle Themen ging Bergmann nur am Rande ein. Die Rolle des GKV-Spitzenverbandes im Konflikt um die Festlegung des Orientierungspunktwertes für 2018 bezeichnete er als enttäuschend. „Unsere Kolleginnen und Kollegen schultern tagtäglich einen großen und stetig wachsenden Versorgungsbedarf. Für sie klingt das Angebot einer Nullrunde der Kassenseite wie Hohn. Und es ist ein fatales Signal für diejenigen, die eine Niederlassung in Erwägung ziehen – und die wir händeringend in der Versorgung brauchen.“

KBV-Chef Gassen sieht KV-System gut aufgestellt

Auf den Zusammenhang der schwieriger werdenden Sicherstellung der ambulanten Versorgung und unzureichender Vergütung sowie unbezahlten Leistungen ging auch Dr. med. Andreas Gassen ein. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der zusammen mit seinen Stellvertretern Dr. med. Stephan Hofmeister und Dr. Thomas Kriedel gekommen war, bezeichnete die „Nullrunde“ beim Orientierungspunktwert als „Stachel im Fleisch“: „Momentan ist es schwierig, mit dem GKV-Spitzenverband Fragen der ambulanten Versorgung zu klären“, sagte Gassen, der auch auf das Ergebnis der Bundestagswahl einging. „Wir sind als KV-System auf fast alle Eventualitäten vorbereitet.“

KVNO-Vize König wies gesondert auf eine Premiere hin: Erstmals war eine Spendenaktion Bestandteil des Empfangs. Die Gäste hatten Gelegenheit, das Kinderhilfezentrum Düsseldorf zu unterstützen und sich über dessen Arbeit zu informieren. „Ich bin den Gastgebern sehr dankbar, dass wir unser Engagement beim Sommerempfang präsentieren durften. Wir haben wertvolle Kontakte geknüpft und unser Netzwerk erweitert. Die Spenden werden wir projektbezogen verwenden“, sagte Michael Riemer vom Kinderhilfezentrum.