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KGNW-Forum: Minister Laumann macht Druck beim Thema Notfallversorgung

06.12.2017 Pressemitteilungen

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat beim diesjährigen Forum der Krankenhausgesellschaft NRW am 5. Dezember seine Vorstellungen zur Zukunft der Notfallversorgung in Nordrhein-Westfalen geäußert. „Wir wollen die Notfallversorgung in den nächsten fünf Jahren neu organisieren. Es muss in den Krankenhäusern eine Anlaufstelle geben mit gemeinsamer Tür und Anmeldung für die ambulante und stationäre Versorgung“, sagte Laumann, der damit auf die auf Bundesebene von der Politik geforderten „Portalpraxen“ Bezug nahm. Vor Ort müsse entschieden werden, welche Versorgung nötig ist.

Der Minister machte deutlich, dass er nicht nur Modelllösungen erwarte, wie es sie bereits an einigen Klinikstandorten gibt. „Die gemeinsame Einrichtung muss die Regel sein“, so Laumann. Das Verhalten der Patienten, die immer häufiger auch bei leichten Erkrankungen und Beschwerden direkt Krankenhausambulanzen aufsuchen statt den ambulanten Notdienst der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Anspruch zu nehmen, ließe sich nicht grundsätzlich ändern – daher müsste das Angebot dort vorgehalten werden, wo die Menschen hinkämen. „Die Bereitschaft für eine gemeinsame Lösung ist bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und im stationären Bereich vorhanden“, betonte Laumann.

Das Bild zeigt Karl-Josef Laumann beim KGNW-Forum 2017.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann spricht beim KGNW-Forum.

Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, nahm den Ball auf und betonte, dass die Vorstellungen des Ministers mit denen der KV Nordrhein und anderer KVen weitgehend übereinstimmten. „Wir müssen uns auf das veränderte Anspruchsverhalten der Patienten einstellen“, sagte Bergmann. „Schon heute befinden sich über 90 Prozent unserer Notdienstpraxen für den ambulanten Notdienst an oder in Krankenhäusern“ – der nächste Schritt sei nun eine engere Kooperation mit gemeinsamer Anmeldung und einer Triagierung zur Klärung des Behandlungsbedarfs. „Wir müssen gemeinsam Verantwortung für die Notfallversorgung übernehmen“, sagte Bergmann. Es gehe allerdings nicht nur um eine Zusammenarbeit mit den Kliniken.

„Auch den Rettungsdienst müssen wir in unsere Überlegungen mit einbeziehen. Wir müssen die Notfallversorgung und ihre Finanzierung nachjustieren und sind gut beraten, verbal abzurüsten – vor allem auf Bundesebene“, sagte Bergmann mit Blick auf die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Deutscher Krankenhausgesellschaft. Wesentlicher Bestandteil der von der Politik geforderten neuen Struktur sei allerdings eine ausreichende, separate Finanzierung der Notfallversorgung. „Das ist mit den zurzeit dafür zur Verfügung stehenden Mitteln für den ambulanten Notdienst nicht zu stemmen, zumal zunächst auch Investitionen in die Infrastruktur vor Ort nötig sind.“

Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW, signalisierte, die „ausgestreckte Hand“ des KVNO-Vorsitzenden ergreifen zu wollen, denn „Konzepte, die im Wesentlichen die Fortsetzung der sektorgetrennten Patientenzuordnung propagierten“, seien rückwärtsgewandt und führten nicht weiter. Brink begrüßte, dass das Land beim Thema Notfallversorgung Verantwortung übernehme, erwartet dafür aber auch eine kostendeckende Finanzierung und eine „direkte, ungedeckelte Abrechnung der Notdienstleistungen mit den Krankenkassen. Die gesetzlichen Regelungen müssen an die Versorgungsrealität angepasst werden.“

 

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