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Tag des ambulanten Bereitschaftsdienstes: KV Nordrhein plädiert für gemeinsame Notfallversorgung mit Kliniken Duisburg/Düsseldorf

11.10.2017 Pressemitteilungen

Bei einem Pressetermin in der Arztrufzentrale NRW in Duisburg hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein am heutigen bundesweiten „Tag des Bereitschaftsdienstes“ ihre Pläne zur Weiterentwicklung des ambulanten Notdienstes vorgestellt.

„Wir streben eine sektorenübergreifende Notfallversorgung in Zusammenarbeit mit den Kliniken an, in der die Versorgung der Patienten nach einem einheitlichen Triagierungssystem organisiert ist. Dieses System soll sich allein am konkreten medizinischen Handlungsbedarf orientieren. Patienten sollen entweder dem ambulanten Bereich oder der Krankenhaus-versorgung zugeführt werden. Sogenannte ,Portalpraxen‘ oder integrierte Notfallzentren an Kliniken, die KV und Krankenhaus gemeinsam betreiben, könnten auch in Nordrhein eine sinnvolle Lösung darstellen“, sagte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Räumliche Nähe besteht schon

95 Prozent der 75 Notdienstpraxen in Nordrhein sind schon heute an oder in Kliniken angesiedelt – bei einigen umfasst die Integration bereits einen gemeinsamen Empfang oder die gemeinsame Nutzung von medizinischem Gerät. Wie viele „Portalpraxen“ künftig in Nordrhein gebraucht würden und wo genau sie sich befinden, bedarf noch der Klärung. „Wir können nicht an jedem Krankenhaus eine solche Praxis installieren – das wäre eine unfinanzierbare und unnötige Überversorgung. Entscheidend ist, dass es flächendeckend gut erreichbare zentrale Anlaufstellen für die Patienten gibt, auch im fachärztlichen Notdienst“, betonte Bergmann.

Dafür plädierte auch Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser, Oberarzt für Innere Medizin und Pneumologie am Sana Klinikum Remscheid und Notfallmediziner. „Ich kenne die Probleme in der Praxis als Ambulanzarzt und Notarzt. Wir müssen täglich 140 bis 160 Patienten sorgfältig triagieren. In Fällen, in denen es um Leben und Tod geht, erschwert jeder Patient, der mit einer Bagatellerkrankung zu uns kommt, die Arbeit. Deshalb bin ich erpicht auf eine gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen“, sagte Esser, der auch vor einer Fehlinanspruchnahme des Rettungsdienstes warnte. „Immer mehr Menschen wählen ohne Not die 112, was den Rettungsdienst massiv belastet – bisweilen werden die Ärzte und Sanitäter als Taxi zur Klinik missbraucht“.

Innerhalb der KV Nordrhein wird derzeit an der künftigen Gestaltung des Notdienstes intensiv gearbeitet. „Wir haben dazu ein Lenkungsgremium gebildet, in dem Geschäftsführer und weitere Führungskräfte der KV Nordrhein aus Bereichen, die mit dem Notdienst zu tun haben, gemeinsam mit Mitgliedern unserer Vertreterversammlung Leitplanken für die operative Gestaltung des Notdienstes erarbeiten“, so Bergmann. Dies sei mit den allgemeinen künftigen Rahmenbedingungen abzustimmen, zu der auch eine neue Finanzierung des Notdienstes gehöre. „Wir müssen weg von falschen Anreizen und hin zu einer Finanzierung, mit der die angestrebte Triagierung adäquat finanziert wird.“

Bundesweite Werbung für die 116117

Wichtiger Teil der Diskussion über den Notdienst ist die 116117, die bundesweite Hotline für den ambulanten Notdienst, auf die von den KVen in dieser Woche verstärkt hingewiesen wird. Bundesweit wird die Nummer 7,5 Millionen Mal pro Jahr genutzt. Die Arztrufzentrale NRW in Duisburg, in der die 116117-Anrufe aus Nordrhein und Westfalen-Lippe eingehen, verzeichnete 2016 rund 750.000 Patientenanfragen per Telefon. Die Nummer ist der Kontakt zum ambulanten Notdienst während der sprechstundenfreien Zeiten – also abends, nachts oder am Wochenende. Wer zu diesen Zeiten ein akutes gesundheitliches Problem hat, etwa einen grippalen Infekt oder Magen-Darm-Beschwerden, kann über die 116117 den ambulanten Notdienst kontaktieren und Informationen zu den Notdienstpraxen im Rheinland erhalten. Die 116117 können auch bettlägerige Patienten oder deren Angehörige wählen, die einen Hausbesuch benötigen, der von der Arztrufzentrale koordiniert wird. Zudem erhalten Patienten über die 116117 Hinweise über die Erreichbarkeiten der fachärztlichen Notdienste der Augen-, HNO- und Kinderärzte.

„Die meisten Anrufer der Arztrufzentrale wissen offenbar ganz gut, wer für was zuständig ist“, sagte Dr. Michael Klein, Geschäftsführer der Arztrufzentrale NRW. Von den 753.000 „qualifizierten“ Anfragen in 2016 entfielen 457.000 auf Auskünfte wie den Hinweis auf die nächstgelegene Notdienstpraxis, 294.000 Mal wurde ein Hausbesuch organisiert – etwa die Hälfte davon in Nordrhein. 11.400 Anrufer mussten an den Rettungsdienst verwiesen werden, hätten also besser direkt die 112 gewählt. Nur 2.600 Anrufe wurden von einer Leitstelle an die Arztrufzentrale überstellt.

Notdienst-Hotline im Radio

Die jüngste Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ergab, dass immerhin knapp ein Drittel der Befragten aus Nordrhein die 2012 im Bund eingeführte Nummer kennen. „Das ist schön, aber es fehlt noch eine ganze Menge“, sagte Bergmann. „Der Tag des Bereitschaftsdienstes ist ein guter Anlass, um die Nummer noch bekannter zu machen. In den meisten KVen laufen Aktionen, mit denen die Arbeit des ambulanten Notdienstes vorgestellt und die 116117 beworben wird. In neun KV-Regionen gehören dazu 25 Sekunden lange Radiospots, die in dieser Woche auf die 116117 aufmerksam machen – auch in Nordrhein. „Wir haben einen Spot in den Lokalradios der sechs einwohnerreichsten Städte in Nordrhein geschaltet“, so Bergmann.

Der KVNO-Chef betonte, dass ein höherer Bekanntheitsgrad der ambulanten Notdienst-Hotline dabei helfen soll, ein Grundproblem bei der Notfallversorgung zu lindern: die Fehlallokation von Patienten mit Bagatellbeschwerden in Krankenhausambulanzen. „Das wird aber nicht allein durch das Serviceangebot von Rufnummer und Arztrufzentrale gelingen. Deshalb arbeiten wir zusammen mit allen anderen Beteiligten auf Landesebene daran, den Notdienst stärker zu verzahnen und damit zukunftsfest zu machen. Dies bedarf einer ständigen Weiterentwicklung.“ Dazu könnte auch eine Ausweitung der Services der 116117 gehören – zum Beispiel eine 24-stündige Erreichbarkeit und weitere Angebote wie die Vermittlung eines Palliativ Care Teams.

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