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Risiko: Wenn Informationen fehlen

04.12.2017 KVNO aktuell

Der Patient durchläuft bei einer Erkrankung häufig verschiedene Einrichtungen des Gesundheitswesens – im ambulanten und stationären Sektor. Informationen können dabei verloren gehen oder falsch weitergegeben werden.

Welche Auswirkungen das im Alltag haben kann, zeigt sich unter anderem an folgenden CIRS-Fällen: Im ambulanten Vorgespräch einer OP wurde eine Nickelallergie angegeben, jedoch nicht dokumentiert. Wegen fehlender allergenfreier Implantate konnte die OP nicht wie geplant durchgeführt werden (CIRS-Fallnummer 157400). Eine in der Klinik durch Kortisongabe notwendig gewordene Insulintherapie eines Diabetikers wurde nach Entlassung weitergeführt, da die Information fehlte, dass das Kortisonpräparat längst abgesetzt wurde (157467). Schnittstellen sind potenzielle Schwachstellen.

Die Grafik zeigt das Zusammenspiel der Akteure im Gesundheitswesen

Es drohen Informationsverlust oder Übertragungsfehler. Der oft als „bürokratischer Ballast“ empfundene Arztbrief (bei Einweisung, Verlegung oder Entlassung) ist ein Grundpfeiler der Patientensicherheit, da nur so ein einheitlicher Wissensstand über Erkrankung, Diagnostik und Therapie eines Patienten bei allen an der Behandlung Beteiligten gewährleistet werden kann. Dazu sind unter anderen folgenden Fragestellungen hilfreich:

  • Welche Informationen benötigen die an der Behandlung Beteiligten?
  • Sind die Angaben klar verständlich und aktuell?
  • Ist der Bericht vollständig (nicht darauf verlassen, dass Patienten alle Informationen weitergeben)?
  • Kommen die Informationen rechtzeitig an (Wochenende und Feiertage beachten)?

Ziel des Entlassmanagements ist es, Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt eine lückenlose medizinische Versorgung zu bieten. Der neue Rahmenvertrag verpflichtet Krankenhausärzte daher gesetzlich dazu, die Entlassung ausführlich vorzubereiten. Eventuell erforderliche Maßnahmen zur weiteren medizinischen Behandlung sind dann noch während des Aufenthalts einzuleiten.

Sicherzustellen ist, dass zum Beispiel Hausarzt oder Apotheker über den Gesundheitszustand und die weitere Therapie informiert sind, entsprechende Leistungsanträge an die Krankenkasse gestellt werden, eine ordnungsgemäße Terminkoordination erfolgt und die Patienten oder die gesetzlichen Betreuer entsprechend einbezogen und beraten werden. Um eine fehlerfreie und nahtlose Weiterbehandlung zu gewährleisten, wird ein Entlassplan erstellt. Ebenfalls dazu gehören ein Entlassbrief und ein Medikationsplan. Falls notwendig, kann der Klinikarzt dem Patienten außerdem Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel oder häusliche Krankenpflege verordnen.


Kay Winkler-Parciak, Städtische Kliniken Neuss Lukaskrankenhaus
Miriam Mauss, KV Nordrhein
Judith Singer, Ärztekammer Nordrhein

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