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Palliativversorgung: „Der Mensch im Mittelpunkt“

04.12.2017 KVNO aktuell, Praxisinfos

Im südlichen Rhein-Erft-Kreis gibt es seit fünf Jahren die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Ziel ist es, schwerstkranke und sterbende Menschen in ihrer häuslichen Umgebung zu versorgen und ihnen ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Die Angehörigen schätzen dieses Angebot sehr, so die Ergebnisse regelmäßiger Befragungen.

„Die Angst vor dem Tod können wir nicht nehmen, aber die Angst vor dem Sterben“, sagt Dr. med. Astrid Bitschnau-Lueg, ärztliche Leiterin und Geschäftsführerin des Palliativteams SAPV Rhein-Erft. Die Ärzte und Pflegekräfte, die in diesem Team zusammengeschlossen sind, benötigen neben fachlicher Kompetenz auch ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Mehr als 2000 Patienten hat das Team seit seiner Gründung im Jahr 2012 beim Sterben zuhause begleitet und die Angehörigen in dieser Zeit unterstützt.

Das Palliativteam SAPV Rhein-Erft ist ein Netzwerk aus 14 Hausärzten, acht Pflegekräften und einer Koordinatorin. Es arbeitet eng mit den ambulanten Hospizdiensten und Hospizen in der Region zusammen und ist rund um die Uhr im Einsatz. Betreut werden unheilbar kranke Patienten in der letzten Lebensphase – und zwar täglich. Zumeist handelt es sich um Tumorpatienten, Menschen mit ausgeprägter Herzschwäche oder neurologisch verursachten Erkrankungen.

Das Foto zeigt Dr. Astrid Bischnau-Lueg.

Dr. med. Astrid Bitschnau-Lueg ist Fachärztin für Innere Medi­zin, Palliativmedizin und Ernährungsmedizin (BFD) in Brühl sowie stellvertretende Vorsitzende der Kreisstelle Rhein-Erft der KV Nordrhein.

Das Palliativteam wird aktiv, wenn der Hausarzt den Patienten SAPV verordnet. Bitschnau-Lueg betont, dass sich das Palliativteam als Ergänzung zum Hausarzt versteht und diesen keinesfalls ersetzen möchte. „Die intensive Betreuung dieser Patienten lässt sich auf vielen Schultern einfach besser verteilen“, so die leitende Ärztin.

„Verwandt mit der guten Fee“

Die Aufgabe des Teams besteht zum einen darin, die physischen Beschwerden der Patienten zu lindern. Seelsorger und Psychoonkologen unterstützen das Palliativteam bei der Patientenbetreuung im psychosozialen Bereich. Wichtig ist dem Team aber auch, den Angehörigen in dieser schweren Zeit den Rücken zu stärken. So unterstützen die Kollegen die Angehörigen besonders in der Kommunikation.

„Wir haben mal einen Patienten begleitet, der war erst Anfang 30. Als er von seiner schweren Krankheit erfuhr, hat er sich mehr und mehr von seinem Umfeld zurückgezogen. Wir haben ihn und seine Frau ermutigt, offen mit der Situation umzugehen und auch Freunden von der Krankheit zu erzählen. Wenige Tage später stand seine Fußballmannschaft vor der Tür und hat noch einmal gemeinsam mit ihm Kölsch getrunken – der Patient bekam das Bier über eine Magensonde“, erzählt Bitschnau-Lueg.

Andere Patienten äußerten den Wunsch, noch einmal einen Ausflug zu machen oder eine bestimmte Person zu sehen. „Wenn der Patient dazu in der Lage ist, und es sich um einen realistischen Wunsch handelt, erfüllen wir ihn gern. Wir sind sozusagen ein bisschen verwandt mit der guten Fee.“

Oberste Ziele der Betreuung sind immer die menschliche Begleitung und Rücksichtnahme auf die persönliche Situation. Das Leitthema des Teams lautet: der Mensch im Mittelpunkt. Um dies umsetzen zu können, sind die Ärzte und Pfleger auf das Vertrauen von Patient und Angehörigen angewiesen. „Die Betroffenen müssen das Team in die Situation hineinlassen“, betont Bitschnau-Lueg.

Das Bild zeigt eine ältere Frau im Rollstuhl und eine jüngere Frau, die sie von hinten umarmt.

Ziel der SAPV ist es, die Lebensqualität von Palliativpatienten zu verbessern. Dazu kann auch ein Ausflug ins Grüne zählen, wenn der Patient dazu in der Lage ist.

Wichtig ist ihr auch, dass sich sowohl der Patient als auch sein Umfeld mit der Situation auseinandersetzen. Das falle vielen nicht leicht, weil sie es nicht hören wollen. Aber es sei wichtig, sich damit zu beschäftigen – und loszulassen. Klare Worte können dabei helfen: „Wir möchten dem Patienten die Angst vor dem Sterben nehmen und sagen ihm: Wir bleiben, bis du gehst.“ Im Schnitt begleitet das Palliativteam die Patienten rund zwei Wochen.

Lob für ausgezeichnete Arbeit

Um ein Feedback zur eigenen Arbeit einzuholen, befragt das Team im Nachhinein regelmäßig die Angehörigen der Patienten zu ihrer Zufriedenheit mit der Betreuung. Nahezu alle Fragebögen kommen zurück – mit ausnahmslos positiven Rückmeldungen. Im Folgenden einige Auszüge:

„An dieser Stelle kann ich nur den Dank im Namen meiner ganzen Familie zum Ausdruck bringen. Sie haben sich vom ersten Moment an bestens um meinen Vater gekümmert. Fachlich und auch menschlich haben Sie einen Bezug geschaffen, der besser nicht hätte sein können. Sie waren für die letzten Wochen eine ganz große Hilfe, sodass wir alle noch sehr schöne Momente und Augenblicke wahrnehmen konnten.“

„Sie waren sehr schnell vor Ort, waren sehr einfühlsam und haben entschieden, wo wir es nicht mehr konnten. Wir danken von Herzen für Ihren Beistand. Ihre Effizienz, die Kompetenz aller Mitarbeiter, Empathie und Freundlichkeit lässt sich unseres Erachtens nach nicht verbessern.“

„Ich hatte den Eindruck, dass mein Mann Ihre jeweiligen Besuche als nette Abwechslung und Hilfe empfunden hat und nicht als Last. Mir ging es genauso. Auch ich fühlte mich von Ihnen wahrgenommen und nicht allein gelassen. Die absolut unkomplizierte Hilfe, natürlich vor allem in den allerletzten Tagen, war wirklich großartig und beruhigend. Ich fand es toll, dass wir es doch noch geschafft haben, meinen Mann bis zum Schluss zuhause zu versorgen – trotz meiner leichten Verzweiflung in den letzten Tagen. Ich konnte meinem Mann in den letzten Minuten liebevoll und ruhig zur Seite stehen und ihm ohne Angst das Loslassen ermöglichen.“

Simone Heimann

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