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Regresse wegen unzulässsiger Verordnungen

27.10.2017 Honorar, KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Regressanträge wegen unzulässiger Verordnungen sind häufig. Im Jahr 2016 waren es über 12.000 Anträge allein in Nordrhein. Meist geht es dabei um relativ kleine Beträge – ärgerlich ist so ein Regress natürlich trotzdem.

Was Ärzte auf einem Kassenrezept verordnen können, ist durch die Zulassung des Medikaments und die Vorgaben der Arzneimittel- Richtlinie geregelt. Wenn Ärzte ein Medikament verordnen, das die Richtlinie ausschließt, können die Kassen Anträge bis zu vier Jahre rückwirkend stellen.

Um das zu vermeiden, sollten Ärzte auf ihre Verordnungssoftware achten. Dort erscheint ein Hinweis, wenn ein Medikament nach der Arzneimittel-Richtlinie Anlage III (Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse) oder Anlage II (Lifestyle-Präparate) nicht oder nur eingeschränkt zulasten der gesetzlichen Kassen verordnet werden darf.

Achtung: Hier regressieren die Krankenkassen

Die Tabelle führt die Medikamente auf, die am häufigsten zu Anträgen der Kassen führen. Die Details der Einschränkungen sind in der Arzneimittel-Richtlinie (Anlage III) fixiert. Hier sind auch die Ausnahmen gelistet, in denen die Präparate verordnungsfähig sind. Die aktuelle Arzneimittel-Richtlinie finden Sie auf der Seite des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Präparate Einschränkung nach Arzneimittel-Richtlinie Anlage III
Azur compositum. Dolomo TN Analgetika in fixer Kombination
Tepilta (AV) Antacida in fixer Kombination
Tiorfan, Infectodiarrstop Antidiarrhoika
Effortil Plus, Gutron Antihypotonika
Duoplavin Clopidogrel plus ASS
Pento Hexal, Pentohexal, Pentoxifyllin, Trental durchblutungsfördernde Mittel
Diclac Schmerzgel, Effekton Gel, Indomet ratio Gel, Phardol Ketoprofen Schmerzgel, Voltaren Emulgel Externa bei traumatisch bedingten Schwellungen, Ödemen und stumpfen Traumata,
Rheumamittel zur externen Anwendung
Bismolan, Bismolan H, Doloproct, Doloproct Rektalcreme, Doloproct Suppositorien, Jelliproct Hämorrhoidenmittel in fixer Kombination
Ambrodoxy, Ambroxol comp (AV), Doxam (AV), Doxy plus, Monapax Saft, Flechtenhonig, Hustenelixier Hustenmittel in fixer Kombination
Migraeflux, Migraeflux MCP, Migralave MCP, Migränerton Migränemittel-Kombinationen
Otobacid, Otovowen, Levisticum RhD3 Otologika
Modafinil, Vigil Stimulantien
Broncho Vaxom, Uro Vaxom Umstimmungsmittel und Immunstimulantien
Gynatren, Luivac Immunstimulantien, als Impfstoff keine Kassenleistung
Edronax, Solvex Reboxetin
Aggrenox, Asasantin, ASS Hexal plus Dipyridamol, Dipyridamol ASS Dipyridamol plus ASS

 

Präparate Einschränkung aus anderen Gründen
AHP 200, Diamox, Gynodian Depot (AH) fiktiv zugelassen
Kontrazeptiva keine Kassenleistung bei Patientinnen über 20 Jahren
Caverject, Cialis, Muse Lifestyle-Präparate
Actiq, Effentora off label, nur bei Tumorschmerz zugelassen
Xifaxan bei Reisediarrhö keine Kassenleistung
Cefasel, Selenase verschreibungspflichtige Präparate nur bei nachgewiesenem Selenmangel
Antifungol 6 Kombi, Canifug, KadeFungin 6 unwirtschaftlich, da nicht verschreibungspflichtige Präparate zur Verfügung stehen
Frekavit Vitaminpräparat
Strophantin Negativliste, fehlend Zulassung bei Herzinsuffizienz

Wenn die Kasse einen Regressantrag stellt, sendet die Prüfungsstelle der betroffenen Praxis den Antrag mit der Bitte um Stellungnahme zu. Die ausgeschlossenen Arzneimittel können gemäß Arzneimittel-Richtlinie „ausnahmsweise in medizinisch begründeten Einzelfällen mit Begründung“ verordnet werden. Für die Praxis heißt das, sie muss angeben, warum wirtschaftliche Therapiealternativen nicht genutzt werden konnten. Die Prüfungsstelle prüft dann, ob die beanstandeten Verordnungen im Einzelfall zulässig und wirtschaftlich gewesen ist. Das ist aber nur selten der Fall, in der Regel kommt es zum Regress.

Tipp: Kontrollieren Sie Ihre Software, ob sie bei den genannten Präparaten einen Hinweis anzeigt. Achten Sie auch darauf, dass keine Wiederholungsrezepte über diese Präparate verordnet werden.

Dr. Holger Neye

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