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Notdienst: Werbung für integrative Notfallversorgung

27.10.2017 KVNO aktuell, Praxisinfos

Notdienst und Notfallversorgung gehörten lange zu den größten Zankäpfeln zwischen den Vertretern des ambulanten und des stationären Bereichs. Jetzt aber gibt es gemeinsame Initiativen sogar auf Bundesebene. Ein gemeinsames Interesse ist auch die Bewerbung der Hotline 116117 für den ambulanten Notdienst. Sie soll bekannter werden – und damit letztlich auch die Klinikambulanzen entlasten. Die KV Nordrhein hat sich im Oktober an einer PR-Kampagne beteiligt.

Von einer „integrativen Notfallversorgung“ – einer besseren Verzahnung der Notdienste niedergelassener Ärztinnen und Ärzte und der Versorgung in den Krankenhausambulanzen – ist schon häufig gesprochen worden. Auch die Politik hat die „sektorenübergreifende Versorgung“ entdeckt und will diese im Notdienst erprobt wissen. Dennoch überraschten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Marburger Bund mit ihrer Mitteilung vom 18. September, das Thema gemeinsam anzugehen.

Das Foto zeigt das Logo des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117.

„Wir wollen das Thema ärztlich entscheiden. Schließlich kümmern sich die Niedergelassenen gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern um die Patienten“, teilte KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen mit. „Wir sind froh, dass es möglich war, ein Konzept gemeinsam mit den Vertragsärzten zu entwickeln. Wir wollen die Ärzte in den Notaufnahmen der Krankenhäuser entlasten, damit sie sich wieder um die Patienten kümmern können, die tatsächlich auf die Hilfe des Krankenhauses angewiesen sind. Gleichzeitig wollen wir für die Patienten, die ambulant bleiben können, durch eine klarere Strukturierung die Versorgung verbessern“, ergänzte Rudolf Henke, erster Vorsitzender des Marburger Bundes und Präsident der Ärztekammer Nordrhein.

Einheitliche Triagierung

Diese Aussagen passen gut zu den jüngsten Verlautbarungen aus Nordrhein. Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, informierte die Öffentlichkeit bei einem Pressegespräch in der Arztrufzentrale NRW am 11. Oktober über die aktuellen Pläne zur Weiterentwicklung des Notdienstes.Die decken sich weitgehend mit den Vorstellungen auf Bundesebene: „Wir streben eine sektorenübergreifende Notfallversorgung in Zusammenarbeit mit den Kliniken an, in der die Versorgung der Patienten nach einem einheitlichen Triagierungssystem organisiert ist.

Das Bild zeigt Dr. med. Frank Bergmann im Interview mit dem WDR.

Dr. med. Frank Bergmann spricht in einem WDR- Interview über die aktuellen Pläne zur Weiterentwicklung des Notdienstes.

Dieses System soll sich allein am konkreten medizinischen Handlungsbedarf orientieren. Patienten sollen entweder dem ambulanten Bereich oder der Krankenhausversorgung zugeführt werden. Sogenannte ,Portalpraxen‘ oder integrierte Notfallzentren an Kliniken, die KV und Krankenhaus gemeinsam betreiben, könnten auch in Nordrhein eine sinnvolle Lösung darstellen“, sagte Bergmann.

95 Prozent der 75 Notdienstpraxen in Nordrhein sind schon heute an oder in Kliniken angesiedelt, bei einigen umfasst die Integration bereits einen gemeinsamen Empfang oder die gemeinsame Nutzung medizinischer Geräte. Wie viele dieser Portalpraxen künftig in Nordrhein gebraucht würden und wo genau sie sich befinden sollen, bedarf der Klärung. Sicher ist: „Wir können nicht an jedem Krankenhaus eine solche Praxis installieren – das wäre eine unfinanzierbare und unnötige Überversorgung. Entscheidend ist, dass es flächendeckend gut erreichbare zentrale Anlaufstellen für die Patienten gibt, auch im fachärztlichen Notdienst“, erklärte Bergmann.

Kampagne für 116117

Um aktuell dem Problem einer fehlenden effizienten Patientensteuerung zu begegnen, wollen die KVen unter anderem die bundesweite Rufnummer des ambulanten Notdienstes, die für Patienten kostenlose 116117, bekannter machen. „Zurzeit kennt in Nordrhein knapp ein Drittel der Patenten die Nummer –
wir haben also noch viel Luft nach oben“, sagte Bergmann. Die KV Nordrhein beteiligte sich deshalb an einer Kampagne für die Hotline rund um den bundesweiten „Tag des Bereitschaftsdienstes“ am 11. Oktober. In neun KV-Regionen gehörten auch Radiospots dazu. „Wir haben vom 9. bis 13. Oktober einen 25-Sekunden-Spot in den Lokalradios der sechs einwohnerreichsten Städte in Nordrhein geschaltet“, sagt Bergmann.

Der höhere Bekanntheitsgrad der Hotline soll dabei helfen, das Problem der Fehlallokation
von Patienten mit Bagatellbeschwerden in den Ambulanzen zu lindern. „Das wird aber nicht allein durch das Serviceangebot von Rufnummer und Arztrufzentrale gelingen. Deshalb arbeiten wir zusammen mit allen anderen Beteiligten auf Landesebene daran, den Notdienst stärker zu verzahnen und zukunftsfest zu machen.“

Dr. Heiko Schmitz

Nur wenig Irrläufer in Arztrufzentrale

Immerhin 7,5 Millionen Mal wird die 116117 pro Jahr genutzt – 1,2 Millionen Anrufe pro Jahr werden allein in der Arztrufzentrale NRW (ARZ) be- und verarbeitet, wo die Anrufe aus Nordrhein und Westfalen-Lippe eingehen. Von den 753.000 Anfragen aus ganz NRW im Jahr 2016 entfielen 457.000 auf Auskünfte, zum Beispiel den Hinweis auf die nächstgelegene Notdienstpraxis. 294.000 Mal wurde ein Hausbesuch organisiert – etwa die Hälfte davon in Nordrhein. 11.400 Anrufer mussten an den Rettungsdienst verwiesen werden. Nur 2.600 Anrufe wurden von einer Leitstelle an die ARZ überstellt.