Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Honorarvereinbarung: „Nullrunde“ auf Bundesebene

27.10.2017 Honorar, KVNO aktuell

Um lediglich 1,18 Prozent wird der Orientierungspunktwert für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen 2018 steigen – das ist das Ergebnis der Honorarverhandlungen auf Bundesebene. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat dies am 21. September gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) beschlossen. Der Honorarzuwachs beläuft sich auf insgesamt rund 525 Millionen Euro.

Die Enttäuschung war groß: Auf der Vertreterversammlung der KBV machte KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen seinem Ärger über den GKV-Spitzenverband und das Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018 Luft. In seinem Bericht an die Delegierten kritisierte er nicht nur die geringe Erhöhung des Orientierungspunktwerts um lediglich 1,18 Prozent, sondern auch das Resultat: „Das Ergebnis kann man fast als Nullrunde bezeichnen“, sagte er.

Besonders enttäuscht zeigte sich der KBV-Chef über Atmosphäre und Art der Verhandlungen: An Strukturverbesserungen sei der GKV-Spitzenverband nicht interessiert gewesen – „ausgerechnet der GKV-Spitzenverband, der sonst immer auf Strukturverbesserungen drängt. Ich frage mich, ob das noch eine gelebte Vertragspartnerschaft ist, die letztlich eine verbesserte Versorgung der Versicherten zum Ziel hat?“

Es geht um Qualität der Versorgung

Am Rande der KBV-VV kommentierte auch Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, das Ergebnis. „Natürlich können wir mit dem Resultat der Verhandlungen nicht zufrieden sein, vor allem vor dem Hintergrund der enormen Finanzmittel, über die die Krankenkassen derzeit verfügen. Offenbar besteht beim GKV-Spitzenverband wenig Interesse daran, seine Milliarden-Überschüsse für die Versorgung der GKV-Versicherten bereitzustellen, denn um deren Qualität geht es bei den Mitteln für die ambulante Versorgung“, sagte Bergmann.

„Wir müssen bei aller Enttäuschung im Gespräch bleiben, aber deutlich machen, dass wir die immer noch beispielhafte Qualität der ambulanten Versorgung nicht aufrecht erhalten können, wenn es keine ausreichende Finanzierung dafür gibt“, so Bergmann weiter. Das gelte für Nordrhein ganz besonders, denn hier stünden weniger Mittel als im Bundesdurchschnitt zur Verfügung. Dieser „Standortnachteil“ mache das Rheinland für ärztlichen Nachwuchs zunehmend unattraktiv.

Dabei geht es Bergmann nicht allein um höhere Honorare beziehungsweise Einnahmen der niedergelassenen Mitglieder der KVNO, er meint damit auch Mittel für Investitionen in strukturelle Veränderungen, nicht nur im Notdienst, die der „Ambulantisierung“ der Versorgung endlich Rechnung tragen.

Auf dieses Thema ging Gassen in seinem Bericht auf der KBV-VV auch ein. Das Konzept „KBV 2020“ sei Ausdruck des angestrebten Strukturwandels im Gesundheitswesen. „Wir müssen die Versorgungsstrukturen endlich der Versorgungsrealität anpassen.“ Deshalb plädiere die KBV unter anderem für eine strukturierte Umwandlung defizitärer Kliniken oder Klinikabteilungen in ambulante Einrichtungen.

Dr. Heiko Schmitz

Drucken
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Mehr Infos zum Datenschutz