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Vorsorge für den Ernstfall: Vollmacht wichtiger als Patientenverfügung

01.09.2017 KVNO aktuell

Viele Menschen möchten selbst bestimmen, welche medizinischen und pflegerischen Maßnahmen ergriffen werden, wenn sie schwerstkrank sind und im Sterben liegen. Wenn es dann aber zum Ernstfall kommt, lassen sich die eigenen Wünsche oft nicht erfüllen, weil sie nicht aufgeschrieben wurden. Wir geben einen Überblick, worauf man achten sollte.

Möchte ich reanimiert werden? Möchte ich an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden? Will ich noch künstlich ernährt werden? Antworten auf diese Fragen müssen klar formuliert sein. Es reicht nicht, sich „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ zu wünschen. Es hilft auch nicht, sich auf den (Ehe-)Partner zu verlassen, weil dieser kein automatisches Vertretungsrecht hat.

Es ist schwierig, ohne fachliche Beratung durch Arzt oder Jurist eine Patientenverfügung für alle Eventualitäten so eindeutig zu formulieren, dass Mediziner sie im Krisenfall auch anwenden können. Aber Betroffene können auf jeden Fall mit einer Person ihres Vertrauens die persönlichen Wertvorstellungen bezüglich Leben und Sterben besprechen und sowohl eine Vorsorgevollmacht für Gesundheitsangelegenheiten als auch eine Betreuungsverfügung erteilen.

Am wichtigsten ist die Vorsorgevollmacht. Darin muss ausdrücklich formuliert sein, dass eine genannte Vertrauensperson „über ärztliche Maßnahmen mit der Gefahr des Versterbens oder des schweren und länger dauernden gesundheitlichen Schadens“ entscheiden darf (§ 1904 Absatz 1 und 2 BGB). Mit dem Dokument wird diese Person bevollmächtigt, notwendige Angelegenheiten – auch am Lebensende – zu regeln, wenn die Betroffenen selbst nicht mehr dazu in der Lage sind.

In der Patientenverfügung entscheiden Betroffene vorab über medizinische und andere Maßnahmen. Es werden verschiedene Situationen beschrieben und konkret festgelegt, welche Behandlungsmaßnahmen (Art, Umfang und Dauer) in diesen Situationen ergriffen werden dürfen und welche nicht. Wer eine Patientenverfügung erstellt, sollte ebenfalls eine Vertrauensperson bevollmächtigen und dies mit ihr besprechen. Wünsche sollten, gegebenenfalls nach fachkundiger Beratung, immer individuell und möglichst konkret formuliert sein, etwa bezüglich künstlicher Ernährung oder Beatmung.

In der Betreuungsverfügung wird festgelegt, wen das Gericht notfalls als gesetzlichen Betreuer einsetzen soll.

Wer eine Vollmacht oder Patientenverfügung erstellt hat, sollte diese für die Vertrauensperson „griffbereit“ hinterlegen. Zudem hilft es, für Notfälle einen Hinweis in die Geldbörse zu legen, in dem beschrieben ist, wo das Dokument zu finden und wer bevollmächtigt ist.

Marita Meye

Muster für Vorsorgevollmachten, Betreuungs- und Patientenverfügungen