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Gute Zusammenarbeit fortsetzen

01.09.2017 KVNO aktuell

KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann über Rahmenbedingungen und neue Konstellationen im politischen Umfeld der KV.

Herr Dr. Bergmann, bei Ihrer Wahl zum Vorstandsvorsitzenden war Barbara Steffens Gesundheitsministerin in NRW – jetzt führt Karl-Josef Laumann das Ministerium. Was ändert sich dadurch für die KVNO?

Bergmann: Wir pflegen traditionell gute Beziehungen zum Ministerium – unabhängig von Koalitionen oder Kurswechseln. Ich freue mich, die gute Zusammenarbeit mit Karl-Josef Laumann an der Spitze des Ministeriums fortzusetzen, zumal ich mit ihm schon als Berufsverbandsvorsitzender viele konstruktive Gespräche geführt habe. Als Patientenbeauftragter der Bundesregierung war er ein verlässlicher Ansprechpartner. Ich begrüße, dass jemand kommt, der sich stark für die Belange von Patienten eingesetzt und sich besonders um Verbesserungen bei der Pflege gekümmert hat. Es geht immer um eine gute Versorgung der Patienten.

Das Foto zeigt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein

Dr. med. Frank Bergmann wünscht sich von den Politikern einen stärkeren Fokus auf die ambulante Versorgung.

Bei der Bundestagswahl scheint es entweder weiter auf eine Große Koalition oder Schwarz-Gelb hinauszulaufen. In beiden Fällen könnte Hermann Gröhe Bundesgesundheitsminister bleiben. Wie bewerten Sie seine bisherige Arbeit?

Man muss Hermann Gröhe attestieren, dass er gewissenhaft und mit großem Einsatz viele Projekte abgearbeitet hat. Projekte wie das Hospiz- und Palliativgesetz, das E-Health- und Präventionsgesetz sind zukunftsweisend und haben das Potenzial für deutliche Verbesserungen. Auch der Innovationsfonds steht auf der Habenseite. Ich würde begrüßen, wenn Gröhe seine Arbeit fortsetzt, obwohl einige von seinem Ministerium initiierten Projekte sehr "komplex" sind.

Was meinen Sie?

Nehmen wir das Krankenhaus-Strukturgesetz: Wir begrüßen das Vorhaben, die Zahl der Kliniken zu reduzieren. Das muss dann aber auch angegangen werden - ebenso forsch, wie das Gesetz verabschiedet wurde. Grundsätzlich wünschen wir uns einen stärkeren Fokus auf die Situation der ambulanten Versorgung, die analog zum stationären Bereich einen Strukturwandel benötigt, um Engpässe und Qualitätseinbußen durch Veränderungen im stationären Sektor zu vermeiden.

Was sehen Sie noch kritisch?

Die Termin-Servicestelle des "GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes" ist verzichtbar, ihr Nutzen viel zu gering. Bei den Regressen, die wir abschaffen möchten, wurde das Prüfgeschehen nicht wie angekündigt abgeschafft, sondern nur regionalisiert. Und Verbesserungen im EBM, die betriebswirtschaftliche Faktoren stärker berücksichtigen, sind insbesondere bei den Fachärzten bislang nicht angekommen. Beim Thema Konvergenz freuen wir uns zwar über die Möglichkeit, Verhandlungen zu führen, stellen aber schon heute fest, dass aufgrund der komplexen Rahmenbedingungen weitere Nachbesserungen nötig sein werden, um Nordrhein nicht dauerhaft von der Honorarentwicklung in anderen Bundesländern abzukoppeln.

Auf welche Weise wollen Sie den politischen Akteuren Ihre Erwartungen und Wünsche nahebringen?

Lobbyarbeit ist für uns als Vorstand ein hoch prioritäres Thema. Wir wünschen uns eine enge Abstimmung mit den Akteuren der Gesundheitspolitik und suchen auch den Kontakt - ohne Abstimmung sind der eben genannte Strukturwandel im ambulanten Bereich oder die Neuausrichtung des Notdienstes nicht möglich. Wir wollen durch einen regelmäßigen Austausch gemeinsame Handlungsfelder identifizieren und Probleme lösen.

Einige KVen haben mit Bündnissen wie "FALK" Lobbyarbeit betrieben. Sind solche "Koalitionen" für die KVNO eine Option?

Dr. König und ich führen als Vorstand viele gute Gespräche mit anderen KVen - in ganz unterschiedlichen Konstellationen. Wir pflegen enge Kontakte und suchen in Sachfragen gern Verbündete, um unsere Interessen zu vertreten.

Dr. Heiko Schmitz