Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Psychotherapeuten dürfen Verordnungen ausstellen

23.06.2017 KVNO aktuell, Praxisinfos

Auch Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten dürfen ab sofort bei bestimmten Indikationen Krankenhausbehandlungen und Krankenbeförderungen verordnen. Hierzu nutzen sie die gleichen Formulare, die auch Vertragsärzte verwenden. Patienten sollen sich die Kostenübernahme der stationären Behandlung vorab von ihrer Krankenkasse genehmigen lassen.

Zu einem späteren Zeitpunkt sollen zudem Leistungen der Rehabilitation und Soziotherapie verordnet werden dürfen. Da vorgesehen ist, diese Verordnungen gesondert zu vergüten, müssen hierüber Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband noch verhandeln.

Klinikeinweisung bei bestimmten Indikationen

Psychotherapeuten dürfen Patienten in ein Krankenhaus einweisen, wenn diese aufgrund psychischer Erkrankungen und Störungen stationär behandelt werden müssen. Demnach dürfen sie Krankenhausbehandlungen verordnen:

  • bei Indikationen nach Paragraf 26 der Psychotherapie-Richtlinie, zum Beispiel depressive Episoden, Angststörungen oder nichtorganische Schlafstörungen, sowie
  • bei Indikationen der neuropsychologischen Therapie, zum Beispiel organisches amnestisches Syndrom oder organische emotional labile (asthenische) Störung. In diesen Fällen ist keine gesonderte Abstimmung mit dem behandelnden Arzt notwendig.

Für alle übrigen Indikationen in Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ der ICD-10-GM muss sich der Psychotherapeut mit dem behandelnden Arzt abstimmen. Dazu gehört zum Beispiel Demenz.

Generell gilt für alle Indikationen, dass Vertragsärzte und auch Vertragspsychotherapeuten vor einer Einweisung ins Krankenhaus alle ambulanten Behandlungsangebote in Erwägung ziehen müssen. Sie müssen sich somit über sämtliche Angebote informieren. Dies ist in der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses festgelegt.

Verordnen von Fahrten zur Behandlung

Psychotherapeuten, die einem Patienten eine Krankenhausbehandlung verordnet haben, können ihm auch die Fahrt dorthin verordnen, falls dies medizinisch notwendig ist. Die Mobilitätsbeeinträchtigungen können somatische oder kognitive Ursachen haben. Fahrten zu einer ambulanten Behandlung muss sich der Patient vorab von Krankenkasse genehmigen lassen. Diese Fahrten können auch nur verordnet werden, wenn der Patient einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen „aG“, „BI“ oder „H“ vorlegt oder einen Pflegebescheid mit Pflegegrad 3, 4 oder 5 und dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt ist. Darüber hinaus genehmigen die Krankenkassen Fahrten zur ambulanten Behandlung, wenn Patienten von einer vergleichbaren Beeinträchtigung der Mobilität betroffen sind und einer ambulanten Behandlung über einen längeren Zeitraum bedürfen.

Welches Beförderungsmittel verordnet wird, richtet sich unter anderem nach der medizinischen Notwendigkeit für den Patienten. Benötigt er unterwegs eine medizinisch-fachliche Betreuung oder eine besondere Fahrzeugausstattung, kann ein Krankentransportfahrzeug erforderlich sein. Fahrten ohne medizinisch-fachliche Betreuung können zum Beispiel mit einem Taxi erfolgen.

Verordnungsformulare

Die Verordnung erfolgt auf dem vertragsärztlichen Muster 2 „Verordnung von Krankenhausbehandlung“ (nicht: PTV 2). Psychotherapeuten dokumentieren hierauf die Diagnose, die die stationäre Behandlung begründet, sowie gegebenenfalls weitere Diagnosen. Zudem sind in geeigneten Fällen die beiden nächsterreichbaren geeigneten Krankenhäuser anzugeben.

Seite 1 (2a) des Formulars erhält der Patient, um die Genehmigung seiner Krankenkasse einzuholen. Auf Seite 2 sind die Untersuchungsergebnisse und bisher erfolgte Behandlungsmaßnahmen für den Krankenhausarzt anzugeben, soweit ihm diese vorliegen.

Auf dem Formular 4 (nicht: PTV 4) „Verordnung einer Krankenbeförderung“ sind der Grund für die Fahrt, das Beförderungsmittel und der Weg anzugeben.