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Praxen müssen bis Juli 2018 technisch aufrüsten: Online-Rollout startet

23.06.2017 KVNO aktuell

Jetzt geht´s los – zumindest theoretisch: Der Startschuss für den Online-Rollout ist gefallen. Da auch die Finanzierungsvereinbarung inzwischen steht, könnten Praxen nun in die nötige Technik investieren. Doch zurzeit fehlt das Herzstück: zertifizierte Konnektoren. Das erste Modell kommt voraussichtlich im Herbst auf den Markt.

Am 2. Juni hat die gematik grünes Licht für den Start gegeben. In der gematik sitzen der GKV-Spitzenverband und die Bundesorganisationen der ärztlichen Verbände mit dem Auftrag, die Telematik-Infrastruktur (TI) auf den Weg zu bringen. Damit sind sie schon seit 2002 beschäftigt. Doch nachdem der Gesetzgeber mit dem E-Health-Gesetz ordentlich Druck gemacht hat, musste das Projekt Fahrt aufnehmen.

Ein entscheidender Schritt war die Finanzierungsvereinbarung, die bis Ende Juni 2017 vorliegen musste. Das haben der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mithilfe des Schiedsamts pünktlich geschafft – anderenfalls hätten sie mit Strafzahlungen rechnen müssen.

Die Grafik zeigt die neue Telematik-Infrastruktur
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Die Telematik-Infrastruktur

"Unser wichtigstes Ziel war es, dass die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen nicht auf Kosten sitzenbleiben, die ihnen durch die gesetzlich vorgeschriebene Anbindung an die sektorenübergreifende Telematik-Infrastruktur entstehen", sagt Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV.

Dieses Ziel hat die KBV tatsächlich weitgehend erreicht. Für Beschaffung und Einrichtung der stationären Geräte ist eine Finanzierung von bis zu 4.825 Euro vorgesehen, für den laufenden Betrieb eine Pauschale von ca. 300 Euro pro Quartal.

Die genaue Höhe ist vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der Anzahl der Vertragsärzte pro Praxis abhängig. Diese Beträge dürften die Kosten für neue Geräte, Installation und Betrieb decken. Nur bei den stationären Kartenlesegeräten müssen die Praxen wohl zuzahlen.

Knackpunkt Konnektor

Der Konnektor ist das Herzstück des OnlineRollout, denn er verbindet die Praxen mit der TI. Die Finanzierungsvereinbarung sieht vor, dass Praxen mit bis zu drei Ärzten für einen Konnektor ab 1. Juli 2.620 Euro erhalten (für Praxen mit mehr als drei Mitgliedern etwas mehr). Dieser Betrag gilt für das dritte Quartal 2017.

In den drei Folgequartalen sinkt der Betrag jedes Quartal um jeweils zehn Prozent. Wer den Konnektor im zweiten Quartal 2018 oder später erwirbt und anschließt, erhält noch 1909,98 Euro. Warum das so ist? Die KBV und die Krankenkassen gehen davon aus, dass die Preise für die Konnektoren sinken werden.

Die Icons zeigen die verschiedenen Pauschalen.
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Erstattungsbeträge im Überblick

Bei allen Überlegungen gibt es aber einen großen Haken: Im dritten Quartal 2017 gibt es voraussichtlich gar keinen zertifizierten Konnektor.

Bis Ende Juni liefen in der Region Nordwest, zu der auch Nordrhein zählt, die Tests mit dem Gerät der Compugroup Medical (CGM). Bevor die Geräte aber im Echtbetrieb von den Praxen eingesetzt werden dürfen, müssen diese vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert und anschließend von der gematik zugelassen werden. Die gematik geht davon aus, dass ab Herbst 2017 "erste zugelassene Produkte" auf dem Markt verfügbar sein werden.

Fest steht auch noch nicht, wie viel sie genau kosten. "Der Preis für einen VSDM-Konnektor mit dem späteren QES-Upgrade (für die qualifizierte elektronische Signatur mit dem Heilberufsausweis, Anm. d. Red.) wird voraussichtlich bei 2.200 Euro netto liegen", sagt Andreas Koll, Leiter der Business Unit TI der CGM. "Eine finale und verbindliche Aussage zu den Kosten können wir jedoch erst tätigen, wenn die Verträge zur Finanzierung unterschrieben wurden."

Die Grafik zeigt die nächsten Meilensteine des E-Health-Gesetzes
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Nächste Meilensteine des E-Health-Gesetzes

Mit weiteren Anbietern auf dem Markt könnten die Preise fallen, doch dies ist im Laufe des Jahres 2017 unwahrscheinlich. T-Systems hat es nicht rechtzeitig geschafft, einen funktionstüchtigen Konnektor zu entwickeln. Die Tests in der Region Südost (Sachsen und Bayern), die mit diesen Geräten durchgeführt werden sollten, hat die gematik abgesagt. Derzeit ist noch ein Anbieter aus Österreich im Gespräch. Verbindlich kann niemand sagen, wann alternative Konnektoren zur Verfügung stehen; Praxen müssen den Markt also im Blick behalten.

Die KV Nordrhein wird weiter breit in ihren Medien über das Thema informieren. "Wir hoffen, dass im Laufe des dritten Quartals mehr Informationen vorliegen, sodass Praxen ihren Einstieg in die TI besser planen können", sagt Gilbert Mohr, IT-Experte der KV Nordrhein. Fest steht: Bis Ende Juni 2018 sollen alle Praxen mit der neuen Technik ausgestattet sein – so schreibt es das E-Health-Gesetz vor. Wer danach keine Versichertenstammdaten online prüft und aktualisiert, muss mit Sanktionen rechnen: Ein Prozent des Honorars soll dann gekürzt werden.

Kartenterminals

Einfacher ist die Regelung bei den Kartenterminals: Für ein stationäres Kartenterminal gibt es 435 Euro. Für mobile Terminals erhalten Praxen 350 Euro. Anspruch haben Ärzte, die mindestens drei Haus- beziehungsweise Heimbesuche im Quartal durchführen oder an einem Kooperationsvertrag zur ambulanten Behandlung in stationären Pflegeeinrichtungen teilnehmen. Der Betrag wird je Vertragsarzt mit mindestens halber Zulassung gezahlt. Ausgelagerte Praxisstätten erhalten unabhängig davon ein mobiles Kartenterminal, damit sie sich keinen Konnektor anschaffen müssen.

Startpauschale

Praxen erhalten zudem eine einmalige Startpauschale von 900 Euro. Damit wird zum Beispiel der Praxisausfall während der Installation des Konnektors und für die Anpassung des Praxisverwaltungssystems erstattet. Die Installation des Konnektors durch Fachleute dauerte im Test in Nordrhein zwischen zwei und in Einzelfällen bis zu zwölf Stunden.

Laufende Betriebskosten

Eine Betriebskostenpauschale für die Wartung der Technik und deren Updates gibt es auch. Nach der Installation bis zum zweiten Quartal 2018 sind das 298 Euro je Quartal, danach 248 Euro je Quartal.

Auch die Betriebskosten für den "Praxisausweis", eine Karte, die in das stationäre Karten­terminal eingesteckt wird, werden finanziert – und zwar mit 23,25 Euro je Quartal und Karte. Für den Arztausweis in Form der HBA Smartcard erhalten Praxen 11,63 Euro je Quartal und Karte.

Frank Naundorf

Über das Verfahren, wie Praxen sich die Kosten für Konnektoren, Kartenterminals und Co. ersetzen lassen können, berichten wir in der nächsten Ausgabe von KVNO aktuell und in unseren elektronischen Medien.

„Nicht unter Druck setzen lassen“

Die KBV und die KV Nordrhein empfehlen Ärzten und Psychotherapeuten, genau abzuwägen, wann der richtige Zeitpunkt für den Anschluss der Praxis an die Telematik-Infrastruktur ist: „Nach den aktuellen gesetzlichen Vorgaben haben Sie bis zum 30. Juni 2018 Zeit.

Die gematik geht davon aus, dass in den kommenden Monaten weitere Hersteller Geräte auf den Markt bringen werden. Damit hätten Sie eine größere Auswahl. Zudem ist zu erwarten, dass die Preise für die Konnektoren fallen werden. Das ist im Übrigen auch ein Grund, warum die Finanzierungspauschalen, die die Krankenkassen für die Konnektoren bereitstellen, pro Quartal um zehn Prozent sinken.

Unser Rat: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Unterschreiben Sie möglichst keinen Vertrag, wenn die Firma Ihnen nicht zusichern kann, dass der Konnektor noch im selben Quartal in Ihrer Praxis installiert wird. Anderenfalls sollten Sie darauf drängen, dass Sie das Gerät zu dem Preis erhalten, der durch die Höhe der Finanzierungspauschale zum Zeitpunkt der Installation abgedeckt ist. Verbindliche Bestellungen mit langen Lieferzeiten können ansonsten problematisch sein.

Der Grund ist, dass sich die Höhe der Finanzierungspauschale nicht nach dem Zeitpunkt der Bestellung richtet, sondern nach der Inbetriebnahme. Genauer gesagt: Sämtliche Pauschalen und Zuschläge, die die Krankenkassen Ihnen für den Anschluss und den Betrieb der TI zahlen, erhalten Sie erst ab dem ersten VSDM – also wenn Sie die erste elektronische Gesundheitskarte mit Ihrem neuen Kartenterminal eingelesen haben und dabei die Versichertendaten des Patienten auf der Chipkarte automatisch online geprüft wurden. Diese Regelung gilt auch für den Zuschuss zum elektronischen Heilberufsausweis.

Bei der Bestellung des Konnektors sollten Sie außerdem darauf achten, dass das Gerät bereits für die qualifizierte elektronische Signatur geeignet ist. Eventuell anfallende Kosten für ein späteres Update sind in der Finanzierungspauschale für den Konnektor, die Sie bekommen, enthalten.“

Video: Niedergelassene sollten Ruhe bewahren

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