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Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung: Ergebnisse der Nutzenbewertung im Praxis-PC

23.06.2017 KVNO aktuell

Das Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung in der GKV (AMVSG) ist am 12. Mai in Kraft getreten. Es identifiziert besondere Arzneimittelgruppen und regelt deren Marktzugang.

Arzneimittel, die nur für Kinder und Jugendliche zugelassen sind, durchlaufen künftig nicht die frühe Nutzenbewertung. Für Zytostatika dürfen keine Ausschreibungen der Krankenkassen mit Apotheken durchgeführt werden, jedoch können Rabatte zwischen Kassen und pharmazeutischen Herstellern verhandelt werden. Diese Rabatte müssten auch bei Rezepturen berücksichtigt werden.

Für die Versorgung mit Impfstoffen dürfen ebenfalls keine Ausschreibungen mehr durchgeführt werden. Im Gegensatz zu den Zytostatika sind bestehende Verträge jedoch nicht zu beenden.

Rezepturen werden teurer

Mit den Anpassungen durch das AMVSG wurden auch die Aufschläge für Rezepturen in Apotheken erhöht. Dies wird zwar zu einer Belastung des Arzneimittelausgabenvolumens führen. Durch die Prüfung nach Durchschnittswerten in Nordrhein führt ein allgemeiner Ausgabenanstieg jedoch nicht zu vermehrten statistischen Anträgen. Dennoch sollten Ärzte prüfen, ob Rezepturen beispielsweise in der Dermatologie durch ähnliche, preiswerte Fertigarzneimittel ersetzt werden können.

Das AMVSG schreibt vor, dass die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung künftig in einer „maschinenlesbaren Form“ übermittelt werden. Damit soll die Grundlage geschaffen werden, die Ergebnisse in der Praxissoftware darzustellen. Näheres muss jedoch noch in einer Verfahrensverordnung geregelt werden.

Diese Vorgaben sieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zum Teil sehr kritisch. Positiv sei die Darstellung der Ergebnisse in der Praxissoftware, was die Transparenz der frühen Nutzenbewertung erhöhe. Auf der anderen Seite befürchtet die KBV, dass die Darstellung in der Praxissoftware als Grundlage für Wirtschaftlichkeitsprüfungen dienen könne.

Dr. Holger Neye

Mischpreis-Urteil: Klarstellung nötig

Die Diskussion um die „Mischpreise“, die das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg als „rechtswidrig“ beurteilt hat, zeigt, dass eine eindeutige, gesetzliche Regelung zur Umsetzung der Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung nötig ist.

Das LSG urteilte zur Preisbildung bei Arzneimitteln, bei denen der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) nur für bestimmte Patientengruppen einen Zusatznutzen festgestellt hat, für andere nicht. Demnach kann ein Erstattungsbetrag, der sowohl die Patientengruppen mit als auch jene ohne Zusatznutzen einpreist (Mischpreis) nicht als wirtschaftlich erachtet werden, wenn das Arzneimittel für die Patientengruppe ohne Zusatznutzen teurer ist als die zweckmäßige Vergleichstherapie, so das LSG.

Verschreiben Ärzte diese Medikamente, droht ein Regress. Die Folge ist ein faktischer Verordnungsausschluss für bestimmte Patientengruppen. „Wir müssen unbedingt verhindern, dass Patienten keine Medikamente mehr erhalten, die sie benötigen und die auch medizinisch sinnvoll sind – und das nur aus dem Grund, weil es für sie keinen festgestellten Zusatznutzen gibt“, sagt Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV.