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MFA-Fortbildung: Husten auf Türkisch

23.06.2017 Gesundheitstipps, KVNO aktuell, Praxisinfos

Die erste Fortbildung für Medizinische Fachangestellte (MFA) rund um das Thema „Menschen mit Migrationshintergrund in der Arztpraxis“ wurde im Mai in Mönchengladbach angeboten. Die Kooperationsberatung für Selbsthilfegruppen, Ärzte und Psychotherapeuten (KOSA) der KV Nordrhein hat die Veranstaltung mit der Selbsthilfekontaktstelle in Mönchengladbach geplant. In dem Seminar wurden kultursensible Informationen von einer Expertin vermittelt, eine türkischsprachige Depressionsgruppe stellte sich vor und zahlreiche Erfahrungen wurden ausgetauscht.

Viele Praxen betreuen mittlerweile Menschen mit fremdländischen Wurzeln. Die dabei auftretenden Probleme sind hauptsächlich durch Sprachbarrieren sowie kulturelle und religiöse Unterschiede geprägt. Diese Herausforderung brachte die MFA einer HNO-Praxis aus Duisburg dazu, den hilfreichen Satz „Zunge heraustrecken und bitte nicht husten“ in türkischer Sprache zu lernen.

Mehr Erklärungsbedarf

„Der Kontakt mit diesen Patienten ist zeitintensiver, da sie oft die Spielregeln in unserer Arztpraxis nicht kennen“, berichtete eine der Teilnehmerinnen. Termine werden nicht so genau genommen, da ein anderes Zeitverständnis herrscht, und im Rahmen der Compliance gibt es einen höheren Erklärungsbedarf. Auch im Umgang miteinander fielen den MFA Ausdrucksformen auf, die kulturell geprägt sein können. Zudem ist der Begriff der Scham oft anders und stärker definiert.

Das Bild zeigt eine Frau, die ein Rezept beim Arzt erhält.

Unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Sprachbarrieren können den Umgang mit Migran­ten in Praxen erschweren.

Im Rahmen der Fortbildung wurden Kenntnisse über die Unterschiede im Gesundheits-/Krankheitsverständnis vermittelt. Zwei Deutschtürkinnen aus einer Selbsthilfegruppe erläuterten, wie sehr ihnen eine muttersprachliche Gruppe dabei geholfen hat, Depressionen zu überwinden. In einem Informationsblock wurden die Angebote der KV Nordrhein für MFA und ein Pilotprojekt zum Thema „Selbsthilfe und Migration“ der Selbsthilfekontaktstelle vorgestellt. Abgerundet wurde das Seminar mit Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen sowie auch ausschließlich illus­trierte Anamnesebögen.

Dass die Fortbildung Früchte trägt, zeigt das positive Feedback einer orthopädische Praxis: „Viele unserer Patienten mit türkischem Hintergrund haben Schmerzen und leiden unter Bewegungseinschränkungen. Sie zeigen aber wenig Eigeninitiative, aktiv mitzuarbeiten.“ Hier hat der Hinweis auf unterschiedliche, kulturell geprägte Gesundheitskompetenzen geholfen, und der Tipp, Patienten ruhig öfters auf Gruppenangebote, bestenfalls in der Muttersprache, aufmerksam zu machen. Weitere Fortbildungen dieser Art sind in Duisburg und Köln geplant.

Stephanie Theiß

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