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Online-Abgleich von Patientendaten soll im Juli starten: Telematik-Infrastruktur im Testbetrieb

11.05.2017 KVNO aktuell

Bereits am 1. Januar 2016 ist das Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen in Kraft getreten, kurz: E-Health-Gesetz. Damit ist die digitale Revolution offiziell im Gesundheitswesen angekommen – die Auswirkungen sind bald in allen Praxen spürbar.

Das Gesetz soll dazu beitragen, den Informationsaustausch im ambulanten und stationären Sektor zu erleichtern. Außerdem sollen Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) eingeführt werden. Um das zu erreichen, ist eine spezielle Telematik-Infrastruktur notwendig, sozusagen eine digitale Autobahn. Diese soll Praxen, Krankenhäuser und weitere Akteure im Gesundheitswesen verbinden, sodass sie besser, schneller und vor allem sicherer miteinander kommunizieren können.

Online-Abgleich der Daten

Die erste Anwendung, die über die Telematik-Infrastruktur (TI) verfügbar sein soll, ist das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM). Es handelt sich dabei um die Online-Prüfung und die Online-Aktualisierung der auf der eGK gespeicherten Daten der Versicherten. Die Prüfung findet über eine Online-Verbindung zwischen der Praxis und der jeweiligen Krankenkasse statt. Laut E-Healt-Gesetz soll dies bereits Mitte 2018 für alle Praxen verpflichtend sein.

Damit Praxen den Abgleich durchführen können, benötigen sie eine entsprechende technische Ausstattung. Dazu gehören:

  • ein zertifizierte Zugangsgerät, das die sichere Anbindung an die TI ermöglicht; diese Geräte werden Konnektoren genannt.
  • ein Kartenterminal zum Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte, später auch des elektronischen Heilberufeausweises (HBA). Damit das Kartenterminal funktioniert, muss eine neue Karte, eingesteckt werden, die als "Praxisausweis" bezeichnet wird. Diese Karte ist eine Praxis- bzw. Institutionskarte. Sie identifiziert die Praxis eindeutig und authentifiziert sie für die Verbindung in der TI
  • Daneben ist ein Internetanschluss (DSL-Router) erforderlich.

TI startet mit Verspätung

Der Start des VSDM war vom Gesetzgeber ursprünglich bereits für Mitte 2016 vorgesehen worden. Die Voraussetzungen wie beispielweise eine Finanzierungsvereinbarung oder die technischen Rahmenbedingungen lagen aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.

Wie bei allen großen Projekten wird vor dem Wirkbetrieb eine Testphase vorgelagert. Dafür sind zwei Testregionen eingerichtet worden – eine davon ist die Testregion Nord-West, an der die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein beteiligt sind.

Im November 2016 ist die Erprobung in der Testregion Nordwest (Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz) mit insgesamt 375 Arzt- und 125 Zahnarztpraxen
gestartet. In Nordrhein beteiligen sich 105 Praxen und sechs Krankenhäuser am Test, die bis Anfang Mai alle an die Telematik-Infrastruktur angebunden werden.

Die entsprechende Ausstattung wird von Technikern in den Praxen installiert. Die Installationen dauern einschließlich der Schulungen sowie der umfangreichen Dokumentation in der Regel zwischen drei und sieben Stunden. In Einzelfällen dauert die Ins­tallation bei technischen Problemen des Praxisnetzwerks oder standortübergreifenden Praxen bis zu elf Stunden.

Die Installation beinhaltet das Auspacken aller neuen Produkte sowie eine kurze Analyse der Praxisumgebung. Danach wird das alte Kartenterminal gegen ein neues getauscht sowie die SMC-B-Karte fest verbaut. Im Anschluss findet die Konfiguration des Konnektors sowie des Praxisverwaltungssystems statt. Abgeschlossen wird die Installation durch eine Einweisung des Praxispersonals.

Die Erfahrungen zeigen: Die mit der Installation verbundene Unterbrechung des Praxisbetriebs kann stark reduziert werden, wenn die durchzuführenden Arbeiten in einem separaten Raum stattfinden können.

Erste Erfahrungen aus den Testpraxen

Um möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, findet der Abgleich der Versichertenstammdaten während der Testphase bei jedem Patientenkontakt statt. Im Wirkbetrieb soll der Abgleich dann wie gewohnt bei jedem ersten Arzt-Patienten-Kontakt im Quartal durchgeführt werden. Der Abgleich dauert dabei nur wenige Sekunden.

Falls sich die Daten des Versicherten, zum Beispiel dessen Adresse, geändert haben, findet automatisch eine Aktualisierung auf der eGK statt. Die Adressänderung kann bei Bedarf direkt in das Praxisverwaltungssystem übernommen werden.

Die ersten Rückmeldungen aus den Testpraxen zeigen, dass der Abgleich in der Regel gut funktioniert. "Bis jetzt merken wir keinen großen Unterschied", sagt Dr. med. Sabine Wassen. Bei der Gynäkologin aus Baesweiler sind auch ein paar Patienten aufgefallen, die nicht versichert waren. "Bei uns läuft der Test insgesamt ganz gut."

Probleme treten besonders bei abgelaufenen, gesperrten oder defekten Gesundheitskarten auf. Dies führt zu einem Mehraufwand, da die Versicherten aufgeklärt werden müssen und die Praxis eventuell Kontakt zur Krankenkasse aufnehmen muss.

"Wir haben seit Januar die neuen Geräte bei uns in der Praxis und hatten zu Beginn starke Anlaufschwierigkeiten. In den ersten Wochen hatten wir viele Telefonate mit unserem Softwareanbieter", berichtet Dr. med. Bernd Köneke, der als Internist in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Wuppertal arbeitet. "Bis das Ganze störungsfrei lief, vergingen ungefähr vier Wochen. Seitdem läuft es aber." Das Einlesen der Karten dauere zwar ein paar Sekunden länger, aber das störe nicht sehr. "Noch sehe ich keinen Vorteil für uns Ärzte in den Karten, da man darauf ja derzeit nichts speichern kann. Wenn das kommt, dann ist das eine gute Sache."

Mit einigen Problemen startete der Test in der Praxis von Diplom-Psychologin Rita Nowatius: "Da der Konnektor defekt war, musste er ausgetauscht und neu programmiert werden. So hat die Installation fast einen ganzen Tag gedauert." Richtig rund lief die Technik in der Praxis der Düsseldorfer Psychotherapeutin danach aber auch nicht. "Auch das eGK-Lesegerät war nach wenigen Wochen defekt." Die Störanfälligkeit nervt die technikaffine Therapeutin: "Zweimal pro Woche muss ich die Systeme runter- und wieder rauffahren. Damit verliere ich viel Zeit."

Zeit kostet auch die Information ihrer Patienten. "Die Krankenkassen haben ihre Versicherten gar nicht oder nicht ausreichend über die Tests aufgeklärt", moniert Nowatius. Das werde einfach auf Ärzte und Therapeuten abgewälzt.

Um Fehler und Probleme zu erkennen und im Nachhinein zu beheben, wurde der Probebetrieb eingerichtet. Dieser läuft noch bis zum 30. Juni 2017. Solange haben die Praxen, die sich am Test beteiligen, Zeit, das neue Verfahren auf Herz und Nieren zu prüfen.

Jeder Praxis stehen für die Anbindung an die TI theoretisch drei Varianten zur Verfügung:
1. Die Praxis geht als Ganzes ans Netz, ist aber durch aufwendige Sicherheitstechnik optimal geschützt.
2. Praxis-IT-System und Online-Welt sind durch eine Art technische Weiche im Konnektor voneinander separiert.
3. Das Praxis-IT-System ist physisch von der Online-Welt getrennt, da nur eines von zwei Kartenterminals über einen Netzzugang verfügt. Um die Variante der physischen Trennung zu nutzen, ist die Installation von zwei Konnektoren und Lesegeräten erforderlich.

Alle drei Varianten werden auch im Probebetrieb getestet. Praxen, die heute bereits einen KV-SafeNet-Router in der Praxis installiert haben und über diesen Anwendungen im sicheren Netz der KVen (SNK) nutzen, können einzelne Anwendungen später über den Konnektor nutzen; zu Beginn wird dies vermutlich ausschließlich KV-Connect sein.

Für den 1. Juli 2017 ist im E-Health-Gesetz der Start des Online-Rollouts vorgesehen. Ab diesem Zeitpunkt sollen allein in Nordrhein alle 14.000 ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen an die Telematik-Infrastruktur angebunden werden.

Das Foto zeigt Lesegerät und Konnektor in einer Vorführinstallation.

Lesegerät und Konnektor in einer Vorführinstallation. Die Anbindung der Praxen an die Telematik­infrastruktur kostet Geld, zum Beispiel für Konnektoren und Kartenterminals. Die Praxen erhalten dafür eine Entschädigung. Noch sind nicht alle Einzelheiten geklärt; die KVNO informiert, sobald die Details feststehen.

Geld für Konnektoren

Inzwischen wurde eine weitere Hürde genommen: Es gibt eine Finanzierungsvereinbarung. Sie regelt, was Praxen für die Erstausstattung und für die laufenden Betriebskosten ab 1. Juli erhalten. Das Thema war zwischen GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) so umstritten, dass Ende April das Schiedsamt entscheiden musste. "Unser wichtigstes Ziel war es, dass die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen nicht auf Kosten sitzen bleiben, die ihnen durch die gesetzlich vorgeschriebene Anbindung an die sektorenübergreifende Telematikinfrastruktur entstehen. Dieses Ziel haben wir erreicht", kommentiert Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, die Entscheidung.

Folgende Erstattungsbeträge wurden vereinbart:

  • ausschließlich für die Anschaffung eines Konnektors (mit Funktion für qualifizierte elektronische Signatur): 2.620 Euro. Dieser Betrag gilt für das 3. Quartal 2017; in den drei Folgequartalen sinkt der Betrag um jeweils zehn Prozent.
  • stationäres Kartenterminal: 435 Euro
  • mobiles Kartenterminal: 350 Euro
  • Startpauschale von einmalig 900 Euro
    sowie
  • Beträge für den laufenden Betrieb.

Ob im Juli 2017 zugelassene Konnektoren zur Verfügung stehen, ist fraglich. Die für den Rollout nötige Zertifizierung soll nach Experten-Einschätzung im Laufe des 3. Quartals stattfinden. Und dann dürfte es noch etwas dauern, bis zertifizierte Terminals und Konnektoren zur Installation in den Praxen bereitstehen.

Jetzt liege es an der Industrie, rechtzeitig entsprechende Komponenten bereitzustellen, teilen
KBV und GKV-Spitzenverband mit. Bis 1. Juli 2018 müssen die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten laut E-Health-Gesetz die Versichertendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte online prüfen und aktualisieren.

Claudia Pintaric | Frank Naundorf

Über die Details der Finanzierungsvereinbarung und der Beantragung der Pauschalen informieren wir in unseren Newslettern, auf der Homepage und in der nächsten Ausgabe von KVNO aktuell.

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