Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Ratgeber-Veranstaltung für Patienten – Depression: Krankheit mit vielen Gesichtern

16.05.2017 Gesundheitstipps, KVNO aktuell

„Depressionen zählen nach den Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen – bis zu 18 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen“, erklärt Dr. med. Frank Bergmann, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Er gehörte zu den Experten einer Ratgeberveranstaltung zum Thema „Depression – eine Krankheit mit vielen Gesichtern“ der Zeitungen NRZ und Rhein-Bote in Zusammenarbeit mit der KVNO.

Neben Bergmann standen Dr. med. Christian Raida, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Köln, und der Psychologische Psychotherapeut Martin Zange aus Krefeld Rede und Antwort auf der Bühne im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf. „Im Gegensatz zur Depression ist Burn-Out keine Erkrankung, sondern ein Risikozustand für körperliche und psychische Erkrankungen“, machte Bergmann deutlich. In mehr als 50 Prozent der Fälle liegt nach seinen Worten eine depressive Erkrankung vor.

Das Bild zeigt eine Frau, die ihre Hände über ihr Gesicht hält.

Niedergeschlagen, müde, antriebslos – halten solche Gefühle länger an, kann es sich um eine Depression handeln.

Standardisierte Fragebögen der Weltgesundheitsorganisation helfen dabei, die Schwere der Erkrankung abzuschätzen. Körperliche Ursachen wie etwa ein möglicher Diabetes, eine Schilddrüsenerkrankung oder die Wirkung bestimmter Arzneimittel werden durch sorgfältige internistische und neurologische Untersuchungen ausgeschlossen.

Auch wenn die Depression die zweithäufigste psychische Erkrankung ist, kommt es nicht selten vor, dass „bei psychischen Problemen zu schnell von ,Depression’ die Rede ist, und erst der Facharzt erkennt, dass etwa eine Angststörung, eine Erschöpfung oder psychosomatische Störung vorliegt“, betonte Dr. Christian Raida. Daher sei „die fachkundige Diagnose die Grundlage einer effektiven Therapie“.

Individuelle Therapieplanung

Es gibt psychiatrische und psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten. Dazu zählt neben Einzelgesprächen auch die Gruppentherapie. Martin Zange wies darauf hin, dass für eine wirksame Therapie vor allem eine akzeptierende, offene und aktiv zuhörende sowie mitfühlende Arbeitsbeziehung erforderlich sei. Mit der Patientin bzw. dem Patienten werde eine individuelle Therapieplanung entwickelt. Zange: „Methodisch kann beispielsweise bei der Verhaltenstherapie zunächst mithilfe eines Wochenplans ein bewusstes Wahrnehmen und gestuftes Steigern der positiv erlebten Aktivitäten ermöglicht werden.“

Psychotherapie in Form von Verhaltenstherapie oder psychoanalytisch begründeter Verfahren trage nicht nur dazu bei, negative Gedanken und Einstellungen zu verändern und das Selbstwertgefühl zu steigern, sondern könne unter anderem auch Rückfällen vorbeugen. Insgesamt waren sich die Spezialisten einig: Die Dauer einer depressiven Erkrankung kann durch eine Behandlung deutlich verkürzt werden und effektive Behandlungen senken die Rückfallrate erheblich.

Natascha Plankermann

 

Drucken