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Erweiterter Bewertungsausschuss legt Vergütung fest: Honorare für neue Angebote fixiert

16.05.2017 Honorar, KVNO aktuell, Praxisinfos

Die neue Psychotherapie-Richtlinie hat die ambulante psychotherapeutische Versorgung erweitert. Angebote wie die psychotherapeutische Sprechstunde und die Akutbehandlung sollen für einen besseren Zugang für Patienten sorgen. Doch die Vergütung der neuen Leistungen fällt niedriger aus als für die Richtlinienpsychotherapie – die Kassenärztliche Bundesvereinigung zieht gegen den Beschluss des Bewertungsausschusses vor Gericht.

Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg soll entscheiden, ob die Höhe der Vergütung rechtens ist. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) moniert, dass die psychotherapeutische Sprechstunde und die Akutbehandlung mit 42,75 Euro bei einer Dauer von mindestens 25 Minuten honoriert wird, bei 50 Minuten sind es 85,50 Euro. Das ist etwas weniger, als es für Einzel- und Gruppentherapien bislang gab. Niedriger ist auch der Strukturzuschlag für Personalausgaben, die Therapeuten ab einer bestimmten Leistungsmenge zu jeder abgerechneten Sprechstunde oder Akutbehandlung erhalten.

KBV klagt gegen Beschluss

"Die Krankenkassen haben die Interessen ihrer eigenen Versicherten torpediert", kommentiert Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, die Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses. Die Krankenkassen setzten mit der Stimme des neutralen Schlichters Prof. Jürgen Wasem eine niedrigere Honorierung der neuen Psychotherapieleistungen im Vergleich zu den bestehenden Richtlinienleistungen durch. Die KBV hatte für die psychotherapeutische Sprechstunde und die Akutbehandlung eine höhere Vergütung gefordert.

"Die psychotherapeutische Sprechstunde und Akutbehandlung einzurichten, bringt einen deutlichen organisatorischen und inhaltlichen Mehraufwand mit sich", sagt Diplom-Psychologe Martin Zange, Vorsitzender des beratenden Fachausschusses Psychotherapie der KV Nordrhein. "Nun sollen diese zusätzlichen Leistungen für geringere Honorare erbracht werden. Dadurch verschärft sich die Schieflage bei den Honoraren der Psychotherapeuten", kritisiert der Krefelder Verhaltenstherapeut. Er begrüßt die Klage der KBV – und hofft, dass das Bundesgesundheitsministerium den Beschluss des Bewertungsausschusses beanstandet.

"Bleibt der Beschluss, wie er ist, wäre erneut eine Chance vertan, die psychotherapeutische Vergütung und Versorgung zu verbessern", sagt Dr. med. Gabriele Friedrich-Meyer, Mitglied der Vertreterversammlung der KVNO. "Trotz der anhaltenden Zunahme psychischer Erkrankungen sind die Krankenkassen nicht dazu bereit, für die Versorgung ihrer psychisch kranken Versicherten einen ausreichenden finanziellen Rahmen zur Verfügung zu stellen", moniert die ärztliche Psychotherapeutin aus Bonn.

Gruppentherapien besser honoriert

Es gibt in dem Beschluss allerdings auch einen positiven Punkt: Psychotherapeuten erhalten für Gruppentherapien ab 1. Juli 2017 ein deutlich höheres Honorar. Es steigt im Durchschnitt um etwa 20 Prozent. Die größten Zuwächse verzeichnen sechs- und siebenköpfige Gruppen, die künftig mit rund 66 Euro beziehungsweise rund 60 Euro pro Teilnehmer bei einer 100-minütigen Therapiesitzung vergütet werden. Bisher erhielten Therapeuten dafür pro Teilnehmer rund 44 Euro.

Neu ist auch, dass es ab 1. Juli für jede Gruppengröße eine eigene Gebührenordnungsposition (GOP) geben wird. Bei drei Verfahren und der Unterscheidung zwischen Kurz- und Langzeittherapien enthält der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) künftig 42 neue GOP, und zwar für jedes der drei Therapieverfahren jeweils sieben GOP für die Kurzzeit- und sieben GOP für die Langzeittherapie.

In allen Richtlinienverfahren lässt die Richtlinie künftig Therapien mit drei bis neun Teilnehmern zu – unabhängig vom Alter der Patienten. Die Abrechnung von Gruppentherapien mit nur zwei Teilnehmern, die vor Einführung der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April 2017 beantragt wurden und derzeit als kleine Gruppe abgerechnet werden, erfolgt ab Juli 2017 mit sechs bundeseinheitlichen Pseudo-GOP.

Änderungen in Abschnitt 35.2

Eine weitere Neuerung betrifft die Abrechnung von Kurzzeittherapien, die in der Einzeltherapie durchgeführt werden. Hier gibt es künftig zwei GOP je Verfahren: eine Nummer für das erste 12-Stunden-Kontingent, eine für das zweite 12-Stunden-Kontingent. Damit soll eine Evaluation des neuen Stundenangebots ermöglicht werden.

Die vielen neuen GOP haben dazu geführt, dass der Abschnitt 35.2 neu strukturiert werden muss. Davon sind ab Juli auch die Nummern für Einzeltherapien, für die psychodiagnostischen Testverfahren und die Strukturzuschläge, die die Kassenärztlichen Vereinigungen zusetzen, betroffen.

Die neue Vergütungsregelung für Gruppentherapien und die neuen GOP in Abschnitt 35.2 gelten erst ab 1. Juli. So haben die Hersteller von Praxisverwaltungssystemen Zeit, alle Änderungen zu programmieren.

Frank Naundorf

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