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"Bürgerversicherung schadet der Versorgung"

16.05.2017 KVNO aktuell

KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann hat sich öffentlich klar positioniert. Er hält nichts von einer Bürgerversicherung.

Herr Dr. Bergmann, Sie haben sich wiederholt kritisch zu den rot-grünen Plänen einer Bürgerversicherung geäußert. Warum?

Bergmann: Ich glaube, dass wir mit einer Bürgerversicherung jene "Zwei-Klassen-Medizin" bekommen, die durch eine Einführung der Bürgerversicherung abgeschafft werden soll. Die Befürworter sprechen von Gerechtigkeit und Solidarität bei der Finanzierung der Gesundheitsversorgung, doch das sind Scheinargumente. Es geht nicht um die Qualität der medizinisch-therapeutischen Versorgung, sondern darum, den Staat auf unsere Kosten finanziell zu entlasten – zum Beispiel durch die Abschaffung der Beihilfe. Nebenbei bekäme die öffentliche Hand Zugriff auf die Mittel, die noch in die Rücklagen der Privaten Krankenversicherung fließen – für eine Einheitsversicherung ohne Alternative und Konkurrenz. Das eröffnet Spielräume für ein Absenken der Leistungen.

Das Foto zeigt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein

Dr. med. Frank Bergmann

Ein wichtiges Argument der Befürworter ist, dass Privatversicherte heute bevorzugt werden, zum Beispiel durch kürzere Wartezeiten auf einen Termin.

Bergmann: Das stimmt so nicht. Gesetzlich Krankenversicherte werden medizinisch nicht schlechter versorgt als Privatversicherte – im Notfall, auf der Intensivstation oder in der Psychotherapie werden GKV-Versicherte mindestens genauso gut versorgt. Zum anderen beweist die Inanspruchnahme der von uns eingerichteten Termin-Servicestelle, dass das Wartezeitenproblem nicht so groß ist, wie es oft dargestellt wird. 10.000 vermittelte Facharzttermine in einem Jahr sind bei fast 70 Millionen Behandlungsfällen in Nordrhein nicht die Welt.

Welche direkten Folgen hätte eine Bürgerversicherung?

Bergmann: Die Versicherten werden nichts davon haben, dass es angeblich gerechter zugeht – im Gegenteil. Ich bin überzeugt, dass das Niveau einer Basisversicherung auf Dauer niedriger sein wird als das, was wir heute kennen. Damit wird der Markt für Zusatzversicherungen wachsen für alle, die sich das leisten können. Die Privatversicherung wird als Innovationsmotor ebenso wegfallen wie als Arbeitgeber und Treiber einer beträchtlichen ökonomischen Wertschöpfung. Dazu kommt: Eine gehörige Zahl von Arztpraxen wird ohne entsprechende Einnahmen gar nicht überleben und den Betrieb einstellen müssen. Dann würden Wartezeiten tatsächlich ein Problem. 

Dr. Heiko Schmitz führte das Gespräch