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E-Health-Gesetz: Telemedizin kommt im EBM an

31.03.2017 Honorar, KVNO aktuell, Praxisinfos

Telekonsile zwischen Ärzten bei der Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen und Online-Videosprechstunden sind ab 1. April 2017 im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). Ab 1. Juli können Praxen digitale Vordrucke nutzen.

Telekonsile

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben sich auf die Vergütung zur telemedizinischen Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen geeinigt. Die Gebührenordnungspositionen (GOP) sind in den EBM aufgenommen.

Ärzte können Telekonsile durchführen, wenn die medizinische Fragestellung nicht in das Fachgebiet des Arztes fällt, der das Telekonsil einholt. Eine telekonsiliarische Zweitbefundung ist abrechenbar, wenn eine besonders komplexe medizinische Fragestellung vorliegt.

Das Bild zeigt einen Arzt bei einer Video-Sprechstunde. Foto: rocketclips | Fotolia.com

Die Digitalisierung der Medizin spiegelt sich inzwischen auch im EBM wider. Ab April sind Telekonsile und Videosprechstunden abrechenbar.

Nicht berechnet werden können diese Leistungen innerhalb Medizinischer Versorgungszentren, Apparategemeinschaften und ähnlicher Einrichtungen sowie im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms.

Die Vergütung im Überblick

  • Einholen einer telekonsiliarischen Befundbeurteilung:
    • GOP 34800
      Vergütung 9,58 Euro (91 Punkte)
  • Telekonsiliarische Befundung der Aufnahmen:
    • GOP 34810
      (ausgewählte Röntgenaufnahmen)
      Vergütung 11,58 Euro (110 Punkte)
    • GOP 34820
      (CT-Aufnahmen nach den GOP 34310, 34311, 34320, 34350, 34351)
      Vergütung 29,06 Euro (276 Punkte)
    • GOP 34821
      (CT-Aufnahmen nach den GOP 34312, 34321, 34322, 34330, 34340 bis 34344)
      Vergütung 40,96 Euro (389 Punkte)

Videosprechstunde

Ab 1. April ist auch die Vergütung für die Online-Videosprechstunde geregelt. Zur Förderung von Videosprechstunden erhalten Ärzte ab April nun einen Zuschlag bis zu 800 Euro jährlich. Mit der Hälfte des Betrags sollen die Kosten gedeckt werden, die für einen Videodienstanbieter anfallen.

Die Anbieter müssen einige Anforderungen erfüllen. Sie müssen zum Beispiel gewährleisten, dass alle Inhalte der Sprechstunde verschlüsselt sind und keine Inhalte vom Anbieter eingesehen werden können.

Die teilnehmenden Ärzte müssen bei der für sie zuständigen KV nachweisen, dass sie die technischen Voraussetzungen erfüllen. Praxen, die Videosprechstunden anbieten, sollten sich von ihrem Videodienstleister bestätigen lassen, dass er die Anforderungen erfüllt. Es reicht aber auch schon ein einfacher Beleg (zum Beispiel eine Rechnung) des Anbieters, auf dem der Name der betreffenden Praxis erscheint.
Senden Sie den Beleg an:

KV Nordrhein
Silke Schlick
E-Mail
Telefax 0211 5970 8160
Telefon 0211 5970 8856

Eine Videosprechstunde bietet sich beispielsweise bei der visuellen Verlaufskontrolle von Operationswunden oder der Überwachung chronischer Wunden an. Folgende Fachgruppen können die Videosprechstunde einsetzen und abrechnen: Hausärzte, Pädiater, Anästhesisten, Augenärzte, Chirurgen, HNO-Ärzte, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, Neurologen, Nervenärzte und Neurochirurgen, Orthopäden, Gynäkologen, Dermatologen, Internisten, Psychiater, Urologen, Phoniater und Pädaudiologen sowie Reha-Ärzte.

Technik- und Förderzuschlag im Überblick

GOP 01450: 4,21 Euro (Bewertung: 40 Punkte), je Arzt-Patienten-Kontakt für bis zu 50 Videosprechstunden im Quartal

  • Die GOP 01450 wird als Zuschlag zur Versichertenpauschale, zu den meisten Grundpauschalen, zu den Konsiliarpauschalen des Kapitels 25, zur schmerztherapeutischen Pauschale (GOP 30700) und zur neuen GOP 01439 gezahlt. Die neue GOP 01439 ist berechnungsfähig, wenn ein Arzt-Patienten-Kontakt in einem Quartal ausschließlich per Video stattfindet.
  • Den Zuschlag gibt es für maximal 50 Videosprechstunden pro Arzt und Quartal (= 1.899 Punkte). Er ist damit auf rund 200 Euro begrenzt. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.
  • Die GOP 01450 ist nur abrechnungsfähig, sofern es sich bei der Verlaufskontrolle in der Videosprechstunde um eine Folgebegutachtung handelt; das heißt, der Patient muss in demselben Quartal wegen der Beschwerden mindestens einmal in der Praxis gewesen sein.

Konsultation

Videosprechstunden können eine persönliche Vorstellung in der Praxis ersetzen. Die Konsultation ist deshalb Inhalt der Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale und somit nicht gesondert berechnungsfähig. Für Fälle, bei denen der Patient in einem Quartal nicht die Praxis aufsucht, wurde eine analoge Regelung zum telefonischen Arzt-Patienten-Kontakt vereinbart und eine neue GOP ab 1. April in den EBM aufgenommen:

GOP 01439: 9,27 Euro (Bewertung: 88 Punkte), einmal im Behandlungsfall

  • Auf diese GOP wird der Technikzuschlag für die Videosprechstunde (GOP 01450) gezahlt.
  • Die GOP 01439 kann abgerechnet werden, wenn der Arzt-Patienten-Kontakt nur im Rahmen einer Videosprechstunde stattfindet und folglich im Quartal keine Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale abgerechnet wird.
  • Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Patient in den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens einmal in der Praxis persönlich vorstellig geworden ist und die Verlaufskontrolle durch dieselbe Praxis erfolgt wie die Erstbegutachtung.
  • Die GOP ist – mit Ausnahme der GOP 01450 – nicht neben anderen GOP berechnungsfähig.

Außerdem wurde für eine Reihe von GOP, die mindestens drei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Behandlungsfall voraussetzen, vereinbart, dass einer dieser persönlichen Kontakte auch im Rahmen einer Videosprechstunde stattfinden kann. Dies gilt für folgende GOP: 02310, 07310, 07311, 07330, 07340, 10330, 18310, 18311, 18330, 18340.

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) kritisiert die Vereinbarung. „Die ärztliche Leistung wurde in die Grundpauschale bzw. den Ordinationskomplex integriert“, bemängelt Dr. med. Klaus Strömer, Hautarzt aus Mönchengladbach und Präsident des BVDD. Es fehlten somit Anreize, in die Technik zu investieren und die Patienten dafür zu interessieren. Strömer bedauert dies. Denn wie viele andere Dermatologen bietet er in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse schon seit Oktober 2015 Videosprechstunden an – und sieht die Vorteile des „virtuellen Sprechzimmers“.

Digitale Vordrucke

Praxen können nun auch digitale Vordrucke nutzen. KBV und GKV-Spitzenverband haben dazu eine Vereinbarung geschlossen. Aufträge, Überweisungen oder Bescheinigungen können künftig elektronisch erstellt, versendet und empfangen werden. Im Gegensatz zur Blankoformularbedruckung ist bei der Nutzung digitaler Vordrucke kein Drucker mehr nötig.

Bereits ab 1. April gibt es den digitalen Überweisungsschein (Muster 6), jedoch ausschließlich, um ein radiologisches Telekonsil zu beauftragen (siehe oben). Die Beauftragung muss elektronisch erfolgen, da auch die Röntgenbilder elektronisch übermittelt werden.

Ab 1. Juli gehören dann die Laborüberweisung (Muster 10) und die Anforderung von Laboruntersuchungen bei Laborgemeinschaften (Muster 10A) zu den ersten digitalen Vordrucken. Mit jährlich rund 94 Millionen Überweisungs- und Anforderungsscheinen zählen diese zu den am häufigsten genutzten Vordrucken. Weitere Vordrucke sollen folgen.

Simone Heimann

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