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In fast 200 Gemeinden gibt es Geld für neue Hausärzte: Land weitet Förderprogramm aus

21.03.2017 KVNO aktuell, Praxisinfos

Das Land Nordrhein-Westfalen weitet sein „Hausarztaktionsprogramm“ noch einmal aus: In über 190 Städten und Gemeinden können jetzt von Hausärztinnen und Hausärzten Einzelförderungen von bis zu 50.000 Euro als nicht rückzahlbarer Zuschuss aus dem Programm beantragt werden. Gefördert wird auch die Beschäftigung angestellter Ärzte, Weiterbildungen im hausärztlichen Bereich und nun auch die Ausbildung von nicht ärztlichen Praxisassistentinnen.

„Etwa jede zweite Kommune in Nordrhein-Westfalen kann jetzt durch die Weiterentwicklung vom Hausarztaktionsprogramm profitieren“, sagt Gesundheitsministerin Barbara Steffens. Neben der finanziellen Förderung von Niederlassungen, Praxisübernahmen und Weiterbildungen unterstützt das Land nunmehr auch die Ausbildung nicht ärztlichen Praxispersonals zu Versorgungsassistentinnen. „Dadurch können Ärztinnen und Ärzte bei Hausbesuchen entlastet und Patientinnen und Patienten Wege zur Praxis erspart werden“, so Steffens.

67 Kommunen in Nordrhein

Die Landesregierung fördert nun auch die Niederlassung von Hausärzten in größeren Städten und Gemeinden: Die Grenze steigt von bisher 25.000 auf nun 40.000 Einwohner. Dadurch erhöht sich die Zahl der Kommunen, die vom Förderprogramm profitieren können, von bisher 140 auf 191. In Nordrhein gibt es die Förderung in 67 Kommunen.

Gewährt werden die Förderungen dort, wo künftig die hausärztliche Versorgung aufgrund der Altersstruktur der Hausärzteschaft durch das Ausscheiden von Ärzten bedroht ist bzw. mittelfristig gefährdet sein kann. Um in das Programm aufgenommen werden zu können, müssen zwei Kriterien erfüllt werden:

1. Einwohnerzahl: Die Kommunen dürfen nicht mehr als 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner haben.
2. Altersstruktur der Hausärzteschaft: Der Versorgungsgrad unter alleiniger Berücksichtigung der vertragsärztlich tätigen Hausärztinnen und Hausärzte, die jünger als 60 Jahre alt sind, muss unter 75 Prozent liegen.

Die Höhe der Förderung ist wie folgt gestaffelt:

  • bis zu 50.000 Euro bei Niederlassung oder Anstellung in einer Gemeinde, in der die Gefährdung der hausärztlichen Versorgung droht;
  • bis zu 25.000 Euro bei Niederlassung oder Anstellung in einer Gemeinde, in der die hausärztliche Versorgung auf mittlere Sicht gefährdet erscheint;
  • bis zu 10.000 Euro bei Gründung einer Zweigpraxis, Übernahme einer Zweigpraxis oder der dortigen Anstellung in einer Gemeinde, in der die Gefährdung der hausärztlichen Versorgung droht oder in der die hausärztliche Versorgung auf mittlere Sicht gefährdet erscheint;

Hausarztpraxen in einer förderungsfähigen Gemeinde, die Weiterbildungsassistenten beschäftigen, können ebenfalls eine finanzielle Förderung des Landes NRW erhalten. Sie liegt bei bis zu 775 Euro monatlich. Der maximale Förderzeitraum bei einer Vollzeittätigkeit beträgt 24 Monate. Mit der Antragstellung verpflichtet sich die Hausarztpraxis, die Förderung an die jeweiligen Nachwuchsmediziner weiterzugeben.

Jetzt auch EVA-Förderung

Ein neuer Baustein des Programms ist die Förderung des Erwerbs von Zusatzqualifikationen von nicht ärztlichem Praxispersonal, wie beispielsweise die Ausbildung zu einer Entlastenden Versorgungsassistentin (EVA). Hier fördert das Land die Zusatzausbildung künftig mit einem Festbetrag in Höhe von bis zu 1.000 Euro.

Die Förder-Regelung ist im Detail etwas komplexer. Grob gesagt gibt es die volle Förderung dann, wenn die Gesamtausbildungskosten mehr als 1.250 Euro kostet. Das ist bei der EVA-Fortbildung der Fall, die je nach Berufserfahrung mit 1.786 bis 2.322 Euro zu Buche schlägt.

Auch Lehrpraxen können nun Geld beim Land beantragen. Für Investitionskosten können bis zu 10.000 Euro seitens des Landes bewilligt werden. „Die maximale Förderung kann erfolgen, wenn die zuwendungsfähigen Ausgaben mindestens 12.500 Euro betragen“, teilt das Landesgesundheitsministerium mit. Zuwendungsfähig sind in diesem Zusammenhang Kosten für medizinische Gerätschaften und die EDV-Ausstattung der Praxis.

Das Hausarztaktionsprogramm des Landes läuft bereits seit Ende 2009. Bislang sind insgesamt 203 Anträge positiv bewilligt und entsprechende finanzielle Förderungen in einem Gesamtvolumen von rund 7,7 Millionen Euro ausgezahlt worden.

Frank Naundorf