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STAND ● PUNKT: Antibiotika-Führerschein für Ärzte?

30.01.2017 KVNO aktuell

Heute schauen wir nach Schweden, wo die Verhältnisse gelegentlich besser sind als hierzulande. Beim Thema Antibiotika-Resistenz machen die Schweden aus der Not eine Tugend. Dort sind Hausärzte nämlich so stark budgetiert, dass sie Antibiotika nur sehr zurückhaltend verschreiben. Entsprechend wenige Resistenzen gibt es dort. Anders die Lage in südlichen Ländern: In Spanien sind Antibiotika frei verkäuflich, man kann sie in jedem Supermarkt erwerben – dort ist die Resistenz-Situation etwa gegen Penicillin fast unüberschaubar. In Griechenland ist es ähnlich.

Das Bild zeigt Wolfram Goertz.

Wolfram Goertz studierte Musikwissenschaft, Kirchenmusik und Medizin (mit Promotion) in Köln, Stockholm und Aachen. Er ist Redakteur der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf.

Was das mit uns zu tun hat? Die Fälle häufen sich, bei denen nur noch Fosfomycin oder Colistin als Reserve-Antibiotika anschlagen, wenn Patienten hochgefährliche Keime in sich tragen, etwa einen multiresistenten Stamm von Klebsiella pneumoniae. Infektiologen warnen seit Jahren vor leichtfertiger Antibiotika-Verordnung, und tatsächlich sind viele Ärzte achtsamer geworden: Sie überlegen sich mehrfach, ob sie es mit einem viralen Infekt oder einer bakteriellen Superinfektion zu schaffen haben.

Leider tun das nicht alle. Mancher Medicus will seinen Patienten schnell wieder auf der Straße haben und handelt ihm nach dem Mund. Der plärrte so: „Herr Doktor, ich möchte, dass Sie mir Antibiotika verschreiben! Sonst suche ich mir einen anderen Arzt.“ Hier müsste Überzeugungsarbeit beginnen, die allerdings Zeit kostet.

Natürlich weiß jeder Mediziner, dass er vor dem Einsatz von Antibiotika ein Antibiogramm anfertigen sollte. Das aber ist teuer und belastet sein Budget. Das ist eigentlich ein Skandal. Diese Tests müssen preisgünstiger werden; wenn einem Patienten geholfen werden soll, muss der Arzt sicher sein, dass er das richtige Medikament wählt. Aber er sollte auch die Kompetenz erstreben, dass er im richtigen Moment das Richtige tut. Gleichwohl sagt Colin R. MacKenzie, Oberarzt und Professor für Mikrobiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf: „Ich bin manchmal betroffen, wie schlecht sich Kollegen bei Antibiotika auskennen. Es gibt immer noch Ärzte, die sie für zehn Tage verschreiben, damit sich angeblich keine Resistenzen bilden. Das ist Blödsinn.“

Wie lässt sich das Problem lösen? Durch Fortbildung. Manche Experten gehen so weit zu fordern, dass jeder Arzt, der ein Antibiotikum verschreiben will, einen Fachkunde-Schein vorweisen sollte. Er sollte einen Kursus belegen, in dem er das alles lernt.

Ein Führerschein für Antibiotika? Gar nicht abwegig. Zugleich sollten wir alle offen für Korrekturen unseres Wissens sein. Heutige Preisfrage: Wie reagiert Clostridium difficile auf Desinfektion? Antwort: kontraproduktiv, weil der Keim dann Sporen bildet. Man sollte besser gründlich mit Seife reinigen und erst dann desinfizieren. Hätten wir es gewusst? Vermutlich nicht. Wieder etwas gelernt.