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Praxislotsen helfen neu Niedergelassenen: Sicher navigieren beim Start in der Praxis

30.01.2017 KVNO aktuell

Nach zwei Jahren zwischen Klinik und Praxis als angestellter Arzt hat Daniel Herden den Sprung gewagt: Heute ist er sein eigener Chef. Praxislotsen der KV Nordrhein helfen, damit alles reibungslos funktioniert.
Herden ist einer von gut 140 neu Niedergelassenen in Nordrhein, die die Lotsen zurzeit betreuen. Seit 1. Oktober 2016 arbeitet der hausärztlich tätige Internist Vollzeit in einer Gemeinschaftspraxis in der Oberhausener Innenstadt. „Auch wenn ich derzeit wirklich viel zu tun habe – ich liebe es, wirklich eigenverantwortlich arbeiten zu können“, sagt der 36-Jährige.

Das Bild zeigt Annette Brunöhler und Daniel Herden. Foto: Aliki Monika Panousi

Kurzer Dienstweg: Annette Brunöhler und Daniel Herden stimmen sich täglich ab.

Die Chemie stimmte

Den ersten Kontakt mit den Inhabern der Praxis, in die Herden später einsteigen sollte, knüpfte seine damalige Oberärztin. Die ambulante Versorgung interessierte ihn, die „Chemie“ mit Dr. Ulrich und Dr. Annette Brunöhler stimmte. Das Ehepaar fragte, ob der Internist bei ihnen einspringen wolle. Er wollte. „Im März 2015 bin ich vorsichtig eingestiegen, zunächst nur ein paar Stunden pro Woche.“ Herden gefiel die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten in der Praxis, auch die Atmos­phäre im Team überzeugte ihn.

Bereits ein knappes Jahr vorher hatte Herden den Praxisbörsentag der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein im Haus der Ärzteschaft besucht. Dort informierte er sich über die Schritte, die für eine Niederlassung gegangen werden müssen, hörte sich an, was bei der Finanzierung und steuerlich zu beachten ist – ein weites Feld.

Das Bild zeigt die MFA Natalie Wenzel und Emilia Neganov, die Ärzte Daniel Herden und Annette Brunöhler sowie die MFA Fatma Oruc und Sabine Kent. Foto: Aliki Monika Panousi

Das Team (von links nach rechts): die MFA Natalie Wenzel und Emilia Neganov, die Ärzte Daniel Herden und Annette Brunöhler sowie die MFA Fatma Oruc und Sabine Kent

Herden ließ sich nicht einschüchtern. Er wandte sich an die Niederlassungsberatung, sprach mit Britta Matuschek von der KV Nordrhein. Zweimal besuchte er die Niederlassungsberaterin, ließ sich jeweils eine gute Stunde erklären, welche Schritte er gehen müsse, um sich niederzulassen.

Während er sich mit dem Antrag auf Zulassung und wirtschaftlichen Aspekten rund um die Niederlassung beschäftigte, wurde er als Jobsharing-Angestellter in der Praxis immer präsenter. „Anfang 2015 arbeitete ich dort einen Tag pro Woche, ein Jahr später waren es bereits zwei Tage: Montag und Mittwoch.“ Die Mittagspause nutzt er, um mit Ulrich Brunöhler Fragen zu klären, sich Tipps zu holen. „Die Arbeitswirklichkeit von Praxis und Klinik sind anders, ich brauchte eine gewisse Gewöhnungszeit.“

Schritt für Schritt in die Niederlassung, ein Weg, den sich viele Nachwuchs-Mediziner wünschen. Ihn zu gehen, war für Herden kein Problem: „Das ließ sich leicht mit der Klinik verhandeln.“ Denn Ärzte sind Mangelware – und der stationäre Arbeitgeber froh, immerhin einen Drei-Tage-Arzt zu behalten. Aber auch das klappte bei Daniel Herden nur noch kurze Zeit. Im Oktober 2016 wechselte er ganz ins Lager der Niedergelassenen.

Das Bild zeigt Daniel Herden mit einer Patientin. Foto: Aliki Monika Panousi

Daniel Herden freut sich über seinen sympathischen Patientenstamm: „Jetzt kommen meine Patienten in die Praxis, weil hier mein Name unten an der Tür steht. Und das fühlt sich richtig gut an.“

Plötzlich eigener Chef

Doch trotz einer längeren Aufwärmphase als Teilzeit-Angestellter, die Tätigkeit als „Vollzugelassener“ stellt weitere Anforderungen. „Ich kann Medizin, beim Rest brauche ich Hilfe“, sagt Herden. Plötzlich musste er wissen, welche Ziffern des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) abzurechnen sind – und welche ökonomischen Folgen das hat.

Herden stieg in das Praxislotsenmodell der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein ein. Die Themenpalette ist breit: von der Abrechnungsberatung über Fragen zur Praxis-IT oder zur Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln. „Ich konnte auch kurzfristig per Mail oder Telefon etwas erfragen und es mir, wenn nötig, dreimal erklären lassen“, zeigt sich der Arzt zufrieden mit der Beratung. Auf die hat sich Herden allerdings nicht ausschließlich verlassen: Auch ein Anwalt, ein Finanz- und ein Steuerberater unterstützen ihn.

Das Bild zeigt Daniel Herden und Fatma Oruc. Foto: Aliki Monika Panousi

„Als langjähriger Klinikarzt war mir klar, dass ich nicht in alle Ewigkeit im Krankenhaus bleiben will“, sagt Daniel Herden, hier im Gespräch mit Fatma Oruc.

Auch Besuche in der Praxis im Rahmen eines Marketing-Check-up umfasst das Modell. „Am Ende des ersten Quartals nach meinem Einstieg kam Beraterin Anna Blask vorbei.“ Ganz oben auf der Agenda standen die organisatorischen Abläufe in der Praxis. „Der Termin war sehr fruchtbar. Wir haben die größten Zeitfresser identifiziert und Strategien entwickelt, wie mich meine Medizinischen Fachangestellten stärker entlasten können.“ Das war dringen nötig, denn bislang arbeitete der Internist rund zwölf Stunden täglich.

Trotzdem: „Ich würde mich nochmal niederlassen“, erklärt Herden. Das Mehr an Freiheit sieht der Internist als großen Gewinn. Dabei sei er überhaupt kein Einzelkämpfer, sondern mit den Kolleginnen und Kollegen in Oberhausener Praxen gut vernetzt. „Zusammen sind wir ein gutes Team, das viel mehr bewältigt als nur Husten, Schnupfen, Heiserkeit.“ Am meisten freut er sich über das neue Verhältnis zu seinen Patienten. „Die Menschen kommen bewusst zu mir in die Praxis, weil sie mir persönlich vertrauen.“

Frank Naundorf

Zur Person

Daniel Herden ist derzeit mit der Praxis voll beschäftigt. Am Wochenende entspannt der 36-jährige Internist gern mit Musik (Klavier, Gitarre und Gesang), schreibt mit einem guten Freund eigene Songs und besucht Konzerte. In diesem Jahr will der Oberhausener auch wieder mit seinem Partner auf Reisen gehen, mit der Suche nach attraktiven Zielen hat er bereits begonnen.

Das Praxislotsenkonzept

Das Angebot richtet sich an neu niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Berater der KV Nordrhein begleiten Praxis­einsteiger in der Zeit vor Übernahme der Zulassung und in den ersten zwei Jahren der Niederlassung. „Wir stehen bei sämtlichen Fragestellungen in Zusammenhang mit dem Start in die eigene Praxis zur Seite, beispielsweise bei Fragen zur Abrechnung, zur betriebswirtschaftlichen Steuerung oder zur Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln“, sagt Linda Pawelski, zuständig für die Koordination der KVNO-Beratungsangebote. Die Einsteiger planen gemeinsam mit ihrem Lotsen, welche Beratung wann und wie intensiv gewünscht ist. Der Service ist kostenlos.

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