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Bundeseinheitliche Medikationspläne: Tücken im Detail

01.11.2016 KVNO aktuell

Seit 1. Oktober 2016 haben gesetzlich versicherte Patienten einen Anspruch auf einen Medikationsplan, wenn sie mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden. Der Plan soll alle eingenommenen systemischen Arzneimittel mit Dosierungs- und Einnahmehinweisen aufführen. „Mit dem Medikationsplan sorgen wir für mehr Therapiesicherheit bei der Einnahme von Arzneimitteln“, sagt Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Die Vergütung sorgt bei Ärzten für Unmut.

Der bundeseinheitliche Medikationsplan im Überblick

 

Der Medikationsplan soll möglichst sämtliche verschreibungspflichtigen Arzneimittel enthalten, die der Patient einnimmt, zusätzlich die Selbstmedikation. Der Plan soll unter anderem Wirkstoff, Dosierung und Einnahmegrund aufführen. „Das ist grundsätzlich nichts Neues, Medikationspläne erhalten die Patienten bei Bedarf schon immer“, sagt der Düsseldorfer Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Kihm.

In Nordrhein dürften zwischen 1,5 und 2 Millionen Versicherte Anspruch auf einen Medikationsplan haben. Doch Praxen müssen ihn nur dann erstellen, wenn ein Patient es wünscht. Auf die Details zu Form und Inhalt des Plans hatte sich die Selbstverwaltung bereits im Frühjahr rahmenvertraglich vereinbart (wir berichteten).

Ärzte in der Pflicht

Den Medikationsplan erstellt in der Regel der Hausarzt. Haben Patienten keinen, sind auch Fachärzte in der Pflicht – und zwar derjenige, der die Arzneimitteltherapie überwiegend koordiniert. Das könnte bei nierenkranken Patienten der behandelnde Nephrologe sein.

Die Grafik zeigt einen Muster-Medikationsplan.
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Der Medikationsplan im Detail

Die Praxis nimmt die Medikamente in den Plan auf, die dort verordnet wurden. Andere Medikamente sind nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zu ergänzen, soweit der Arzt „davon ausreichend Kenntnis hat“. Dies sollten auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente sein.
Und wenn ein Patient nicht möchte, dass ein bestimmtes Medikament eingetragen wird, kann der Arzt davon absehen. Daher enthält der Plan den Hinweis, dass Vollständigkeit nicht gewährleistet werden kann.

Software und Scanner

Die Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplans hatte der Bundestag mit dem E-Health-Gesetz beschlossen. Dennoch gibt es den Plan bis 2018 nur auf Papier. Für den Ausdruck kann normales DIN-A4-Papier verwendet werden. Die Anordnung der Informationen auf dem Plan sind nach Kihms Ansicht suboptimal: „Die wichtigsten Informationen auf dem Medikationsplan, der Name des Medikaments und die Dosierung, hätten gut leserlich nach vorn gehört.“

Der Arzt, der den Medikationsplan erstellt hat, ist auch zur Aktualisierung verpflichtet. Auf Wunsch des Patienten müssen auch Apotheker den Plan aktualisieren (zur Not handschriftlich), auch Facharztpraxen und Krankenhäuser sind gefragt – aber nicht verpflichtet.

Auf einen Blick

Wer soll einen Medikationsplan erhalten?

Patienten, die mindestens:

  • drei verordnete Medikamente
  • gleichzeitig einnehmen oder anwenden.
  • Es muss sich dabei um eine Dauermedikation (mindestens 28 Tage) handeln
    und um
  • systemisch wirkende Medikamente.
    Der Arzt stellt den Medikationsplan auf Wunsch des Patienten aus.

Was muss auf dem Medikationsplan dokumentiert
werden?

  • Verordnete Arzneimittel
  • Arzneimittel, die der Patient ohne Verschreibung anwendet (Selbstmedikation)
  • Hinweise zur Anwendung der Medikamente
  • Dosierungsanweisung
  • bei zeitlich befristeter Medikation: die Dauer der Anwendung
  • Besonderheiten, die bei der Anwendung zu beachten sind
  • Medizinprodukte (soweit relevant), zum Beispiel Inhalatoren, Pens

Auf den Papier-Plan wird ein Barcode gedruckt, der die Angaben in digitaler Form enthält. So sind die Daten per Scanner einlesbar und können ohne manuelles Erfassen elektronisch bearbeitet werden. Die Anschaffung eines Barcode-Scanners ist keine Pflicht, empfiehlt sich jedoch für Praxen, die häufig Pläne einlesen müssen, da der Aufwand fürs Abtippen entfällt. Die Kosten für die Scanner tragen allerdings die Praxen.

Apropos Kosten: Um Medikationspläne elektronisch zu erstellen und zu aktualisieren, benötigen Praxen ein Medikationsplan-Modul in der Praxissoftware. Damit ist eine einfache Verwaltung möglich. Einige Hersteller verlangen dafür zusätzliches Geld.

Anfang Oktober häuften sich Klagen über kostenpflichtige Module für den Medikationsplan. „Wir können dagegen nicht vorgehen“, sagt Franz-Josef Eschweiler, Experte für Praxis-IT bei der KV Nordrhein. „Es gibt aber Hersteller, die dafür keinen Zusatz-Obolus verlangen.“ Übrigens: Falls die Verordnungssoftware noch keine Funktionen zum Erstellen des einheitlichen Medikationsplans enthält, können Praxen bis zum 31. März 2017 auch noch andere Pläne nutzen.

Vergütung

Kurz vor dem gesetzlich vorgegebenen Starttermin haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband auf eine Vergütung geeinigt. Bezahlt werden die Leistungen extrabudgetär, also zu einem festen Preis. Der ist allerdings eher niedrig.

Hausärzte und Pädiater erhalten:

  • die neue GOP 01630 als Einzelleistungsvergütung für Patienten, für die sie nicht die Chronikerpauschale abrechnen; die GOP kann nur ein Arzt pro Jahr als Zuschlag zur Versichertenpauschale (GOP 03000/04000) abrechnen. Der Zuschlag ist mit 39 Punkten bewertet (zirka 4 Euro), darin sind auch die Aktualisierungen enthalten.
    oder:
  • die GOP 03222/04222 als Zuschlag zur Chronikerpauschale; damit sind die Erstellung eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung bei Patienten vergütet. Der Zuschlag wird leistungsunabhängig einmal im Behandlungsfall (Quartal) gezahlt. Ärzte erhalten ihn also unabhängig davon, ob sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben. Der Zuschlag ist mit 10 Punkten bewertet (zirka 1 Euro), die Kassenärztliche Vereinigung setzt ihn automatisch zu.

Hausärzte erhalten keinen Zuschlag, wenn sie im selben Behandlungsfall den hausärztlich geriatrischen Betreuungskomplex (GOP 03362) abrechnen. Der Zuschlag ist nicht berechnungsfähig, wenn im Krankheitsfall der Medikationsplan als Einzelleistung (GOP 01630) berechnet wurde.

Fachärzte erhalten:

  • die GOP 01630 als Einzelleistungsvergütung für Patienten, bei denen sie die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale Onkologie, die GOP 30700 (Schmerztherapie) beziehungsweise die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale für die Behandlung eines Transplantatträgers abrechnen; die Abrechnung erfolgt als Zuschlag von 39 Punkten (zirka vier Euro). Er kann je Patient einmal im Krankheitsfall (einmal in vier Quartalen) von einem Vertragsarzt abgerechnet werden.
    oder:
  • einen Zuschlag zur fachärztlichen Grundpauschale, den die KV automatisch ergänzt. Die Höhe des Zuschlags liegt abhängig von der Fachgruppe zwischen zwei und neun Punkten. Gruppen, die viele Medikamente verordnen und öfter einen Plan aktualisieren oder ausstellen, erhalten einen höheren Zuschlag als Gruppen mit wenigen Verordnungen. Gruppen, die keine oder sehr wenige Medikamente verordnen, erhalten keinen Zuschlag.
Die Grafik zeigt die Vergütung für den Medikationsplan.
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Vergütung für Facharztpraxen

Der Zuschlag vergütet das Erstellen und Aktualisieren eines Medikationsplans. Er wird einmal im Behandlungsfall (Quartal) gezahlt. Ärzte erhalten den Zuschlag also unabhängig davon, ob sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben. Die Zuschläge sind nicht berechnungsfähig, wenn im Krankheitsfall schon die Einzelleistung (GOP 01630) abgerechnet wurde.

Der Medikationsplan soll Patienten helfen, Medikamente richtig einzunehmen. Dabei brauchen diese wiederum die Unterstützung von Ärzten und Apothekern, denen der Plan zeigt, welche Arzneimittel ein Patient anwendet. „In Modellprojekten zahlen Krankenkassen deutlich höhere Beträge für das Medikationsmanagement.

Wenn wir flächendeckend gegen Wechselwirkungen vorgehen wollen, dann muss die Arbeit der Ärzte auch in der Regelversorgung vernünftig honoriert werden“, sagt Bernhard Brautmeier, Stellvertretender Vorsitzender der KV Nordrhein.

Frank Naundorf

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