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Ratgeber Gesundheit: Wie Impfen schützt – auch unterwegs

03.05.2016 Gesundheitstipps, KVNO aktuell

Das Thema Impfen stand im Mittelpunkt der gemeinsamen Ratgeberveranstaltung von KV Nordrhein und Rheinischer Post Anfang April im Haus der Ärzteschaft. Und zwar nicht nur wegen der bevorstehenden Reisezeit, sondern auch, weil durch zunehmende Impflücken in der Bevölkerung Gefahr droht.

"Wissenschaftler halten Schutzimpfungen für eine der sichersten und wirksamsten Vorsorgemaßnahmen, über die die Medizin heute verfügt", sagte Dr. Monika Stichert, die eine arbeits- und reisemedizinische Praxis in Erkrath hat. Da es in Deutschland aber keine Impfpflicht gibt, sondern nur die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, muss sie ihre Patienten immer wieder von der Bedeutung des "Pieks" gegen gefährliche Krankheiten überzeugen. Dr. Burkhard Rieke, Arzt für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung "Tropenmedizin und Infektiologie" in Düsseldorf, erklärte den Zuhörern die Vorgänge beim Impfen im Körper: "Bei einer Impfung geben wir ein Antigen, etwa ein Stück eines Keims. Es wird von Zellen aufgenommen, die es dem Immunsystem mithilfe eines Gefahrensignals als gefährlich präsentieren. Daraufhin entwickeln sich Antikörper, die den Menschen schützen."

Wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft wären, könnten Masern, Mumps und Röteln in Deutschland ausgerottet werden (Foto: dpa | picture alliance).

Doch dieser Schutz greift nicht mehr in vollem Umfang. Der Grund: Dank der Impfungen treten viele Erkrankungen nicht mehr auf und haben dadurch ihren Schrecken verloren, erklärten die Experten. Aber das ist ein Trugschluss. Dabei könnten Mumps, Masern und Röteln ausgerottet werden, "wenn sich möglichst alle, also 95 Prozent der Bevölkerung, dagegen impfen ließen", erklärt Monika Stichert. Und ihr Kollege Rieke ergänzt: "Die Keime, die diese Erkrankungen auslösen, sitzen nur im Menschen. Aber sie sind sehr infektiös und finden die Ungeimpften in der Bevölkerung, wenn es mehr sind als fünf Prozent."

Mehr Chancen als Risiken

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat zum Ziel, diese Viren spurlos verschwinden zu lassen. Einige von ihnen, wie zum Beispiel die Erreger der Masern, werden bis heute zu Unrecht verharmlost. Burkhard Rieke dazu: "Die Masern sind einer der wesentlichen Gründe für Blindheit, gerade in Afrika, weil sich die Hornhaut durch diese Krankheit quasi abrubbeln kann." Er schätzt das Risiko von Impfschäden geringer ein als den Nutzen der Impfung. In seiner langjährigen Praxis hat er bisher nur drei schwererwiegende Fälle von Impffolgen melden müssen.

Die Referenten rieten Reisenden, mit speziellen Reisemedizinern zu klären, welche Impfungen im jeweiligen Ein- und Durchreiseland vorgeschriebenen sind. Fehle etwa die Gelbfieber-Impfung im Impfpass, könnten manche afrikanische Staaten die Einreise verweigern. Zudem gibt es empfohlene Reiseimpfungen (je nach Reiseziel). Selbst innerhalb Deutschlands kann bei einem Trip in ein Risikogebiet für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) eine Impfung notwendig werden.

Natascha Plankermann

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