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Kassen stellen Anträge auf sonstigen Schaden

03.02.2016 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Krankenkassen können bei Verstößen gegen die Arzneimittel-Richtlinie Regressanträge stellen. Mehrere tausend Anträge auf "sonstigen Schaden" haben Ärzte in Nordrhein in 2015 erhalten.

In der Arzneimittel-Richtlinie wird die Verordnung von Arzneien teils eingeschränkt oder ganz ausgeschlossen. So wurde für die Wirkstoffe Pioglitazon, Rosiglitatzon (außer Handel), Reboxetin oder Dipyridamol in Kombination mit ASS ein Verordnungsausschluss definiert. Krankenkassen können in diesen Fällen Anträge wegen unzulässiger Verordnungen stellen.

Die in ihrer Verordnung eingeschränkten oder ausgeschlossenen Arzneimittel dürfen nur ausnahmsweise in medizinisch begründeten Einzelfällen mit Begründung verordnet werden. Es ist aber unsicher, ob die Prüfungsstelle die Begründungen anerkannt. Und der Bundesmantelvertrag untersagt, sich die Verordnung vorab von der Krankenkasse oder der Prüfungsstelle genehmigen zu lassen.

Präparate, die von der Verordnung gemäß Arzneimittel-Richtlinie ausgeschlossen oder eingeschränkt sind, muss zertifizierte Praxissoftware anzeigen: Bei Erst- und Wiederholungsverordnungen müssen die Hinweistexte der Richtlinie vor oder während des Verordnungsvorganges erscheinen. Beispiel: Wenn Sie Solvex oder Edronax verordnen, müsste Ihre Software einen Hinweis auf den Wirkstoff Reboxetin anzeigen sowie "Verordnungsausschluss verschreibungspflichtiger Arzneimittel gemäß Arzneimittel-Richtlinie". Probieren Sie die Funktionen einmal aus. Bitte wenden Sie sich an Ihren Softwarehersteller, wenn keine entsprechenden Hinweise gegeben werden.

Arzneimittel mit einer fiktiven Zulassung sind ebenfalls von der Verordnung zulasten der gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen. Für diese Arzneien existiert keine Kennzeichnungspflicht in der Software. Einige Hersteller kennzeichnen die Präparate auf freiwilliger Basis, so dass auch hier ein Hinweis gegeben wird.

HON

Betroffene Wirkstoffe

Beispiele für Arzneimittel, zu denen Krankenkassen einen Antrag auf "sonstigen Schaden" gestellt haben.

Wirkstoff (Beispiel) Bemerkung/Verordnungsausschluss
Reboxetin (Edronax, Solvex) Verordnungsausschluss seit April 2011
ASS plus Dipyridamol (Aggrenox, Asasantin, Generika) Verordnungsausschluss seit April 2014
Pioglitazon (Actos) Verordnungsausschluss seit April 2011
Tepilta Antacida in fixer Kombination mit anderen Wirkstoffen
Arthotec/Arthotec forte, Migränerton Antiphlogistika oder Antirheumatika in fixer Kombination mit anderen Wirkstoffen,
Antacida in fixer Kombination mit anderen Wirkstoffen, Migränemittel-Kombinationen
Voltaren Emulgel
Diclac Schmerzgel
Diclofenac-Gele
Externa bei traumatisch bedingten Schwellungen,
Ödemen und stumpfen Traumata,
Rheumamittel (Analgetika/Antiphlogistika/Antirheumatika) zur externen Anwendung
Broncho Vaxom, Uro-Vaxom Umstimmungsmittel und Immunstimulantien zur Stärkung der Abwehrkräfte
Selenase Arzneimittel ohne ausreichend therapeutisch gesicherten Nutzen sind gemäß
Arzneimittel-Richtlinie nicht verordnungsfähig.
Caverject Impuls Lifestyle-Präparat
Pentoxifyllin-Generika, Trental Durchblutungsfördernde Mittel sind nicht verordnungsfähig,
Ausnahme: Naftidrofuryl und Prostanoide (Anlage III, Ziffer 24).
Doxycyclin + Ambroxol (Doxy comp) fixe Kombinationen von Antitussiva oder Expektorantien oder Mukolytika
untereinander oder mit anderen Wirkstoffen
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