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Ratgeber Gesundheit: Alltag mit Diabetes – ohne Medikamente

03.02.2016 Gesundheitstipps, KVNO aktuell

Sie kamen in Schwung, die Gäste bei der Ratgeberveranstaltung der KV Nordrhein und der Rheinischen Post zum Thema Diabetes. Und sie erfuhren von Experten und einer Patientin, wie sie ihre Erkrankung im Alltag in den Griff bekommen können, auch ohne viele Medikamente nehmen zu müssen.

"Die Arme zur Seite ausstrecken und sie in kleinen Kreisen bewegen", forderte Personal Trainer Bastian Kreienbaum das Publikum im Saal des Hauses der Ärzteschaft auf. Schnell spürten die Besucher des "Ratgebers Gesundheit", wie effektiv diese simple Übung war – und so festigte sich die Erkenntnis: Bewegung ist einer der wichtigsten Faktoren, um Diabetes Typ 2 in den Griff zu bekommen.

"Bauen Sie kleine Übungen in den Alltag ein, laufen Sie beim Telefonieren auf der Stelle, nehmen Sie die Treppe statt den Aufzug oder stellen Sie sich beim Zähneputzen auf ein Bein", riet Kreienbaum. Er machte klar, wie Typ 2-Diabetiker bereits durch einfache Maßnahmen ihren Insulinbedarf reduzieren können. Dazu hatte Waltraud Kennel dem Publikum der Veranstaltung "Diabetes im Griff – auch ohne Medikamente" bereits einen eindrucksvollen Erfahrungsbericht gegeben.

Lebensstil ändern

Die Patientin hatte durch eine Umstellung ihrer Ernährung nicht nur mehr als 50 Kilo verloren, sondern auch ihren Bedarf an Arzneimitteln deutlich einschränken können. "Ich fühle mich gut", erklärte die 49-Jährige strahlend. Sie berichtete, dass auch ihre Mutter, die an Diabetes leidet, mit ihr gemeinsam den Lebensstil geändert habe, und dass sie erkrankte Kollegen gern dabei berät, wie sie es ihr gleich tun können.

Das Bild zeigt Menschen beim Sport.

Mit einem aktiven Lebensstil können Typ 2-Diabetiker ihren Insulinbedarf reduzieren.

Menschen mit Diabetesrisiko gehen oft viel zu spät zum Arzt und wissen häufig nicht um die Möglichkeiten, mit der Krankheit richtig umzugehen. Das stellte Dr. Tarek Othman fest, Internist und Hausarzt aus Neuss, zu dessen Patienten auch Waltraud Kennel gehört.

Schrittzähler kann helfen

Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums, begleitet ebenfalls viele "Zuckerkranke" und weiß: "Meist ist der erhöhte Blutzuckerspiegel nicht die einzige Erkrankung. Bei den Menschen mit Übergewicht kommen häufig auch Bluthochdruck und Probleme mit den Gelenken hinzu." Sein Rat: unterwegs einfach einen Schrittzähler mitnehmen und überprüfen, wie viele Schritte man an einem Tag geschafft hat. "Dazu kann man zum Beispiel einen Wettbewerb mit Freunden starten. Das macht Spaß und motiviert."

Weil die Ernährung einen großen Einfluss auf die Insulinproduktion des Körpers hat, empfiehlt Martin vor allem kohlenhydratarme Kost – besonders direkt nach dem Sport. Dass Süßstoff keine gute Alternative für Zucker ist, hat nach Worten des Experten gerade wieder eine aktuelle Studie ergeben. "Das zeigt allein schon die Tatsache, dass Süßstoff unter anderem als Nahrungsmittel in der Schweinemast eingesetzt wird." Von sogenannten "light"-Produkten sollte man deswegen besser die Finger lassen.

Natascha Plankermann

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