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Transceiver – drahtlose Technik in der Arztpraxis: Mit mehr Sicherheit Zeit sparen

09.02.2015 KVNO aktuell

Das kontaktlose Öffnen von Kraftfahrzeugen durch Druck auf eine Taste am Fahrzeugschlüssel ist weit verbreitet. Auch die drahtlose Anbindung von Tastatur und Maus ist beliebt. Die zugrundeliegende Technik ist die Kombination von kleinen Sendern und Empfängern – auch Transceiver genannt. Mit ihnen kann im täglichen Praxisbetrieb einiges einfacher und sicherer gemacht werden.

Ist kein Arzt oder keine Medizinische Fachangestellte (MFA) im Raum anwesend, müssen Computer-Arbeitsplätze vor dem Zugriff unbefugter Personen gesichert werden. Die Verriegelung des PCs erfolgt meist zeitgesteuert oder manuell; zur Freischaltung muss ein Passwort eingegeben werden. Da Passwörter aus Sicherheitsgründen eine gewisse Komplexität und Länge haben müssen, ist die Eingabe immer mit Mühe und Zeit verbunden. Besonders beim häufigen Platzwechsel – zum Beispiel in mehrere Arbeitszimmer – ist dies lästig. Im schlimmsten Fall führt es dazu, dass diese wirklich essentiellen Sicherheitsmaßnahmen abgeschaltet werden.

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Schluss mit dauernder Passwort-Eingabe

Durch einen kleinen Sendechip ("Keys"), der an der Berufskleidung getragen werden kann, und einen Empfänger am USB-Anschluss des Computers erkennt dieser die Nähe eines befugten Anwenders. Die Verriegelung und Öffnung des Zugangs erfolgt automatisch. Die Rechte der Chips sind individuell festlegbar. Dadurch kann etwa der Schlüssel des Praxisinhabers mit Zugriffsrecht für alle Arbeitsplätze ausgestattet werden, während für Mitarbeitende die Rechte auf bestimmte Arbeitsplätze eingeschränkt werden können. Auch die Ansprechdistanz ist individuell einstellbar.

Bei wiederholtem Arbeitsplatzwechsel vereinfacht diese Technik das An- und Abmelden am Computer erheblich und erfreut sich nach Einführung schnell großer Beliebtheit. In der weiteren Entwicklung wird es in absehbarer Zeit möglich sein, der Praxis-Software automatisch zu übermitteln, welcher Anwender den PC augenblicklich bedient. Damit würde die manuelle Registrierung zur Anwenderidentifikation bei mehreren Ärzten entfallen.

Auch für Arbeitszeit-Erfassung

Auch die Arbeitszeit-Erfassung der Mit­arbeitenden wird durch Transceiver-Technik erleichtert. Eine Berührung des Empfängers mit dem individuellen Sendechip des Mitarbeitenden erfasst automatisch Person und Zeit. Diese Art der Zeiterfassung hat sich in größeren Betrieben längst durchgesetzt. Durch die Verfügbarkeit preiswerter Systeme können auch kleine Praxen die Technik anwenden und die manuelle Erfassung der Arbeitszeiten ersetzen. Die zugehörige Software übernimmt dann die Ermittlung von Arbeitszeitsummen, Urlaubsansprüchen und Überstunden.

Transceiver können auch transportable Datenträger sichern. Bei den meisten Praxisprogrammen liegen die Patientendaten unverschlüsselt auf dem Server. Von dort werden Sicherungen auf mobilen Datenträgern erstellt. Diese Sicherungsdatenträger stellen ein großes Risiko dar, wenn sie in unbefugte Hände geraten.

Sicherheitskopien schützen

Die ausschließliche Nutzung innerhalb der Praxis mit zuverlässigem Verschluss der Datenträger ist weitgehend unproblematisch. Da dies aber keine hinreichende Datensicherung bei Brand und Vandalismus darstellt, wird häufig ein zusätzlicher Sicherungsdatenträger außerhalb der Praxis verwahrt. Diese Sicherung in falschen Händen, zum Beispiel durch Verlieren beim Transport, ist katastrophal, denn zum unbefugten Auslesen dieser Daten genügen einfachste Computerkenntnisse.

Durch die Sicherung einer USB-Festplatte mit Transceiver-Technik ist dieses Risiko weitgehend auszuschließen. Denn diese Festplatten sind nur durch den zugehörigen Sendechip zu entriegeln. Zur Rekonstruktion der Daten müssen Chip und Datenspeicher lediglich zusammengebracht werden – eine Festplatte ohne zugehörigen Chip ist unbrauchbar. Bei getrennter Aufbewahrung von Festplatte und Sendechips ist Missbrauch daher ausgeschlossen.

Der Praxisinhaber kann mithilfe der so gesicherten Festplatte periodisch Datenabbilder erzeugen, die er außerhalb der Praxis getrennt vom Sendechip verwahrt. Bei komplettem Datenverlust in der Praxis, beispielsweise bei einem Einbruch mit Diebstahl, ist eine Rekonstruktion der Daten möglich. Der Mehrpreis der so gesicherten Festplatten ist durch das erheblich höhere Sicherheitsniveau zweifelsfrei gerechtfertigt. Fazit: Transceiver gehören zu den modernen Entwicklung, die den Praxisalltag erleichtern.

Dr. Oscar Pfeifer*

* Dr. Oscar Pfeifer ist Hausarzt in Essen und Mitglied der Qualitätsmanagement-Kommission der KV Nordrhein. Er unterstützt das Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN) und die Nordrheinische Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung. Der Autor unterhält keine kommerziellen Beziehungen mit Herstellern der abgebildeten Geräte.

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