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Frühe Hilfen: In schwierigen Familiensituationen

Stand: 10/2016

Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben schlechtere Gesundheitschancen und entwickeln eine geringere Gesundheitskompetenz als andere Kinder. Das geht aus Untersuchungen des Robert Koch-Instituts hervor. Präventionsangebote können hier entgegenwirken, aber sie sind nicht immer bekannt.

Ärzte und Therapeuten behandeln in ihren Praxen auch Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Das Risiko, psychische Auffälligkeiten zu entwickeln, ist bei diesen Kindern erhöht. Sie sind häufig übergewichtig und ihre Lebenssituation ist oft durch Belastungen wie Armut, Gewalt oder Suchterkrankungen im Elternhaus gekennzeichnet. Viele Eltern sind mit der Erziehung überfordert. Die Ausmaße können bis zur Kindeswohlgefährdung reichen. Ärzte und Therapeuten erkennen zwar die Anzeichen dafür, aber es ist nicht immer leicht, eine adäquate Unterstützung zu vermitteln.

Flächendeckendes Netzwerk in NRW

Unter dem Begriff "Frühe Hilfen" versteht man abgestimmte Unterstützungsangebote für Eltern und Kinder in den ersten Lebensjahren. Darüber hinaus gibt es Angebote, die sich bereits an werdende Eltern ab Beginn der Schwangerschaft richten. Die Vermittlung erfolgt über Netzwerke, in denen Fachkräfte des Gesundheitswesens sowie der Kinder- und Jugendhilfe zusammenarbeiten. Das Netzwerk ist in NRW flächendeckend. Die einzelnen Initiativen vor Ort koordiniert das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). In den Koordinierungsstellen können Interessierte das gewünschte Angebot erfragen und Einzelfälle anonymisiert besprechen.

Die Tabelle zeigt die Kenntnis/Inanspruchnahme von Angeboten der Frühen Hilfen in Deutschland
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Kenntnis/Inanspruchnahme von Angeboten der Frühen Hilfen in Deutschland (Quelle: Datenreport Frühe Hilfen, NZFH)

Aus dem Datenreport des NZFH geht hervor, dass es zum 30. Juni 2014 bundesweit in fast allen befragten Kommunen ein oder mehrere Netzwerke Frühe Hilfen gab. Davon existieren 186 in NRW, und zwar in allen Kommunen mit einem Jugendamt, wo die Netzwerkkoordinatoren in der Regel auch ihren Standort haben. Die Städte Düsseldorf und Essen sind am längsten mit dabei. Hier gibt es Präventionsangebote bereits seit 2005.

Breite Palette an Hilfsangeboten

Im Rahmen der Hilfsangebote erhalten Eltern Informationen zur Entwicklung des Kindes und zu den Unterstützungsangeboten vor Ort. Sie werden motiviert, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, und in schwierigen sozialen Lebenslagen begleitet. So können Familienhebammen junge Familien bis zu einem Jahr unterstützen. Der sogenannte Elternführerschein "Starke Eltern - Starke Kinder" zeigt Wege auf, um Konflikte zu bewältigen und zu lösen. Auch in Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen können Erziehungsprobleme besprochen werden. Alle Maßnahmen stärken die Erziehungskompetenzen der Eltern und wirken sich positiv auf die Gesundheit der Familie aus.

Ist das Wohl des Kindes gefährdet, sind Maßnahmen der Jugendhilfe einzuleiten. Ein Beispiel ist die Sozialpädagogische Familienhilfe. Speziell ausgebildete Fachkräfte suchen die Familien zu Hause auf. In der Kennenlernphase kann der Einsatz bei bis zu 20 Stunden pro Woche liegen. So können die Familienhelfer die Probleme in der Familie rasch erkennen und praktische Hilfen vermitteln. Diese beziehen sich häufig auf Fehler in der Kindererziehung, die Versorgung des Haushalts oder auf eine hohe Verschuldung. Aufgrund der guten Erfolge ist dieses Feld der Erziehungshilfe schnell gewachsen.

Mangelnde Inanspruchnahme

Was in der Theorie gut klingt, ist leider in der Praxis oft nicht bekannt. Viele Angebote werden nicht entsprechend wahrgenommen. Möglicher Grund: ein mangelndes Problembewusstsein in den sozial belasteten Familien. Der Datenreport des NZFH weist außerdem darauf hin, dass die Inanspruchnahme nach Bildungsgrad stark variiert. Es ist aber auch möglich, dass die Angebote aus Scham nicht genutzt werden.

Deshalb sind Ärzte und Therapeuten in besonderem Maße gefragt. Eltern bringen ihrem Kinderarzt großes Vertrauen entgegen und haben in den ersten Lebensjahren des Kindes noch ein offenes Ohr für ärztliche Empfehlungen. Auch Gynäkologen sind im Rahmen der Schwangerenbetreuung nah bei den Patientinnen. Die Angebote "Frühe Hilfen" sowie "Kinderschutz" hat die KOSA als Flyer für Sie zusammengestellt.

Stephanie Theiß

Flyer
  • Kinder fördern von Anfang an
  • Kinder brauchen besonderen Schutz
  • Häusliche Gewalt

Die Flyer verweisen auf Institutionen, Ansprechpartner und Links, die Ärzte im Rahmen der Beratung und Betreuung empfehlen können. Bestellung bei der KOSA telefonisch unter 0211 5970 8090 oder per E-Mail

Selbsthilfe

Auch bei der Selbsthilfe steht die Familie im Fokus. Es gibt Gruppen für Alleinerziehende oder für Kinder suchtkranker Eltern. Die Themen erfragen Sie bitte bei der KOSA.

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