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Betroffenenkompetenz trifft erlernte Kompetenz

„Voneinander lernen, Zusammenarbeit stärken“ – unter diesem Motto kamen am 27. September 2019 zum zweiten Mal Engagierte in der Selbsthilfe, Ärzte und Psychotherapeuten zusammen. Am Beispiel psychischer Erkrankungen diskutierten sie, wie sie mehr voneinander lernen können und wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte.

Wie bereits 2018 in Köln organisierten und moderierten Stephanie Theiß von der KOSA und Bernd Hoeber von der Selbsthilfeakademie NRW die interdisziplinäre Veranstaltung mit rund 60 Teilnehmenden. Zentrale Programmpunkte waren jeweils Kurzvorträge seitens Ärzteschaft, Psychotherapie und Selbsthilfe sowie die anschließende Diskussion in Workshops.

Plakat der Veranstaltung: Voneinander lernen - Zusammenarbeit stärken
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Einige Referenten und Teilnehmende der Veranstaltung

Eingangs unterstrich Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, die Bedeutung der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe, die sich als wesentliche Ergänzung zum professionellen Hilfesystem etabliert hat. Sie ist auch ein Bestandteil des erfolgreichen Innovationsfondsprojekts zur neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung – NPPV – von KV Nordrhein und IVPNetworks, die für die operative Umsetzung und Netzwerkbetreuung zuständig sind. Wie das funktioniert, erläuterte Projektleiter Dr. med. Karl-Heinz Großgarten. Es zielt auf eine bessere, gestufte und koordinierte Patientenversorgung durch einen Bezugsarzt oder -therapeuten ab. Die Teilnehmer profitieren dabei auch von Gruppenangeboten und Online-Selbsthilfe.

Die psychologische Psychotherapeutin Evelyn Rasper stellte die Arbeit von Qualitätszirkeln vor, die ebenfalls eine Schnittstelle zur Selbsthilfe sein können. Ärzte und Psychotherapeuten haben hier die Möglichkeit, sich mit Kollegen fachlich auszutauschen und das eigene Handeln zu reflektieren. Für Rasper sind Qualitätszirkel „selbst eine Art Selbsthilfegruppe, wo wir uns anhand von Fallbeispielen gegenseitig beraten.“ Ähnlich wie von Betroffenen für Betroffene heißt es hier von Kollegen für Kollegen.

Erfahrungsaustausch mit Lerneffekt

Die grundlegenden Ziele und Grenzen der Selbsthilfe und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt, präsentierte Marita Schormann vom Selbsthilfe-Service-Büro Düsseldorf. Ganz konkret wurde dies durch vier Selbsthilfeaktive: Sie gaben Einblick in ihre persönliche Patientengeschichte und in die Arbeitsweise ihrer Gruppen Tabu Suizid, Borderline, Kreuzbund und Familien Selbsthilfe Psychiatrie. Deutlich wurde: Der Besuch einer Selbsthilfegruppe ist für viele Betroffene ein elementarer Teil der Bewältigung und des Umgangs mit einer psychischen Erkrankung. Einigen hat dies mehr geholfen als die medizinische Therapie.

Gemeinsam wurden dann in Workshops Möglichkeiten der Zusammenarbeit erörtert. Zeitweise saß im klassischen Stuhlkreis Neurologe neben Selbsthilfe-Kontaktstellenperson neben Therapeutin neben Angehöriger psychisch Kranker. Sie konnten sich gegenseitig Tipps geben, wie etwa Bedenken oder Vorurteile gegenüber der Selbsthilfe seitens Patienten oder Ärzten aufgriffen und begegnet werden kann. Oder die Teilnehmer überlegten, wer oder was als Vernetzungshelfer auf lokaler Ebene hilfreich sein könnte, damit sich Selbsthilfegruppen und niedergelassene Ärzte und Therapeuten auch vor Ort begegnen können. Die Veranstaltung war eine Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszuschauen, das Wissen übereinander zu vertiefen und sich zu vernetzen.