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Heilmittel: Richtgrößen und Ausgaben per Praxis-PC im Blick

Der Blindflug bei den Heilmittel-Ausgaben hat ein Ende. Dafür sorgt eine neue Regressschnittstelle, die die KV Nordrhein den Softwarehäusern zur Installation in ihren Systemen anbietet. Sie ermöglicht, Heilmittel-Richtgrößen und Ausgaben im Praxis-PC anzuzeigen. Mit dieser Lösung hat die KV Nordrhein eine Vorreiterrolle eingenommen. Das Modell ist bundesweit einmalig.

Seit Anfang 2006 gibt es Richtgrößen für Heilmittel. Werden sie überschritten, droht ein Regress. Das Verfahren ist analog zu den Regelungen bei Arzneimitteln. Doch es gibt einen Unterschied: Während die Arzneimittel-Ausgaben von der Praxissoftware dargestellt werden, bleibt bei den Heilmittel-Ausgaben der Bildschirm dunkel.

Für die Praxen ist dieser Blindflug ärgerlich. „Deswegen haben wir eine technische Lösung in Form einer Schnittstelle erarbeitet“, sagt Gilbert Mohr, Leiter der Stabsstelle ”IT in der Arztpraxis“ der KV Nordrhein. Die Schnittstelle basiert auf XML, einer Beschreibungssprache für Daten, die von allen Softwarehäusern gelesen und verarbeitet werden kann. Die Hersteller können sie kostenlos über die Homepage der KV Nordrhein herunterladen und in ihre Systeme übernehmen.

Mehr Infos und Downloads zur Schnittstelle

Tun sie das, erhalten die Praxen zwei wichtige Informationen:

  1. Zeigt die Software dann das Richtgrößen-Volumen der Praxis an.
  2. Können Sie via Praxis-PC tagesaktuell die Ausgaben für Heilmittel (Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie und Podologie) abrufen.

Die Ausgaben werden mit Hilfe von aktuellen Heilmittel-Preisen berechnet, die Quartal für Quartal aktualisiert werden. Auch diese so genannte Heilmittelstammdatei stellt die KV Nordrhein kostenlos über ihre Homepage zur Verfügung.

Ab Oktober möglich

Seit Juni 2007 ist die Schnittstelle fertig. „Wir arbeiten sie zurzeit ein“, sagt Dr. Erich Gehlen vom Softwarehaus Duria. Mit dem Update Ende September sollen die Heilmittel-Stammdaten eingespielt werden, sodass die Regressprophylaxe per PC für Duria-Anwender ab dem dritten Quartal vollständig einsetzbar ist. „Das ist eine gute Geschichte“, meint Ulrich Driessen. Der Allgemeinmediziner aus Langerwehe hat bislang die wichtigsten Heilmittel-Preise manuell eingepflegt: „Dass die KV Nordrhein diese komplett zur Verfügung stellt und sie via Praxissoftware zur Verfügung stehen, erleichtert die Arbeit sehr.“

Driessen glaubt, dass viele Kolleginnen und Kollegen dieses Feature nutzen wollen. Die Chancen stehen gut. Denn auch andere Anbieter werden die Schnittstelle einsetzen. Bei Medistar zum Beispiel soll sie Ende Dezember 2007 mit den Updates in die Praxissoftware integriert werden.

Eine entsprechende Schnittstelle für die Arzneimittel-Richtgrößen hat die KV Nordrhein Ende 2005 den Praxissoftware-Herstellern angeboten. Praxen können damit die Arzneimittelumsätze in Bezug auf das Budget der eigenen Praxis überwachen. Seit dem zweiten Quartal 2006 steht diese Möglichkeit allen Ärzten zur Verfügung, die Software der Compugroup oder Duria einsetzen. Mittlerweile haben noch weitere Softwarehäuser die Schnittstelle integriert.

Überblick über die Entwicklung der Arzneimittelausgaben

Mit Hilfe des Systems kann sich der Arzt zu jeder Zeit einen Überblick über die Entwicklung der Arzneimittelausgaben und -struktur seiner Praxis in Bezug zu seinen Richtgrößen machen. Ärzte erhalten die Informationen über Richtgrößen im November jeweils für das folgende Kalenderjahr in KVNO aktuell und in den „Amtlichen Bekanntmachungen“ im Rheinischen Ärzteblatt. Doch die wenigsten erfassen sie in ihre Software.

Hier hilft das neue System: Die KV Nordrhein liefert die erforderlichen Daten wie Richtgrößen oder die Definition, welche Kosten in diese eingehen, direkt an das Softwarehaus. Dieses gibt die Daten nun über die Updates automatisch an die Praxen weiter. Das Ausgaben-Monitoring wird so viel einfacher und weniger fehlerträchtig.

Ziel: Fehlerfreie Software

Die KV Nordrhein hat Testfälle erzeugt, die unterschiedliche Praxissoftware-Systeme erfasst und berechnet haben. „Es zeigte sich, dass die meisten Praxissoftwares die richtgrößenrelevanten Verordnungskosten falsch berechnet haben“, erläutert Mohr. Mit Hilfe der Testfälle konnten die Hersteller die Software inzwischen korrigieren.

Frank Naundorf