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Häufig gestellte Fragen zum Sprechstundenbedarf (SSB)

Dürfen Arzneimittel im Sprechstundenbedarf (SSB) außerhalb ihrer Zulassung verwendet werden?

Nein! Eine Anwendung von Arzneimitteln außerhalb der Zulassung stellt auch im SSB keine Leistung der GKV dar. Die Krankenkassen in Nordrhein stellen Prüfanträge dazu.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

Piroxicam Ampullen sind zugelassen zur symptomatischen Behandlung von

  • aktivierter Arthrose
  • rheumatoider Arthritis
  • Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans).

Zwar sind Piroxicam Ampullen, gemäß der Vereinbarung über die ärztliche Verordnung von SSB, unter dem Punkt 05 Mittel zur Diagnostik oder zur Soforttherapie Antirheumatika jeweils in Ampullenform verordnungsfähig, jedoch nur innerhalb der genannten Zulassung und nur zur Soforttherapie. Anwendungen außerhalb der Zulassung stellen keine Leistung der GKV dar. Eine Verordnung über den SSB wäre somit unzulässig.

Wie kann der orale Glukosetoleranztest (OGT) über den SSB verordnet werden?

Glukose-Pulver für den oralen Glukosetoleranztest (OGT) ist als SSB verordnungsfähig. Das Glukose-Pulver wird in Einzelportionen (Tütchen) in der Apotheke abgefasst. Es empfiehlt sich, das Glukose-Monohydrat zu rezeptieren, da es besser löslich ist. 75g Glukose entsprechen 82,5g Glukose-Monohydrat.

Dazu ein Rezepturbeispiel:
12 x 82,5g Glukose-Monohydrat werden auf einem SSB-Rezept verordnet. Pro Portion können von der Apotheke 1,21 Euro abgerechnet werden (Tütchen oder Kruken sind nicht berechnungsfähig). Bei 12x82,5g kann der Apotheker knapp ein 1kg verbrauchen.

Für den OGT wird das Glukose-Monohydrat-Pulver dann in Wasser gelöst und auf 300 ml aufgefüllt (z.B. im Einmal-Trinkbecher).

Beim Screening auf Gestationsdiabetes werden 50g Glukose im ersten Test eingesetzt. Dies entspricht 55g Glukose-Monohydrat-Pulver pro Tütchen.

Wichtig zu wissen: Fertiglösungen (z.B. Accu Chek Dextrose OGT Saft) können nur in medizinisch begründeten Einzelfällen, wie beispielsweise beim gewichtsadaptierten Test bei Kindern, als SSB verordnet werden. Die nordrheinischen Krankenkassen stellen hierzu Prüfanträge.

Die Formulierung in der Vereinbarung über die ärztliche Verordnung von Sprechstundenbedarf lautet sehr konkret: „Oraler Glukose-Toleranztest (Glukose bzw. Glukose-Monohydrat von der Apotheke in Einzelportionen [Tütchen] abgefasst, Fertiglösung nur in medizinisch begründeten Einzelfällen)“.

Der Bezug von im Handel befindlichen „Fertigtütchen“ ist somit nicht vorgesehen.

Handelt es sich beim Anfertigen der Glukoselösung in der Praxis um die Herstellung eines Arzneimittels?

Nein. Bei der Anfertigung der Glukoselösung für einen oralen Glukosetoleranztest (OGT), aus in der Apotheke abgepackten Glukose-Portionen, handelt es sich um eine „Rekonstitution“ im Sinne des Arzneimittelgesetzes, ähnlich dem Auflösen von Pulvern zur Injektion.

Eine „Rekonstitution“ muss – anders als die Herstellung eines Arzneimittels in der Praxis – nicht bei der Bezirksregierung angezeigt werden.

Können Verbandmaterialien aus der "modernen Wundversorgung" über den SSB verordnet werden?

Nein. Lediglich das Hydrocolloid-Verbandmaterial bildet hier die Ausnahme. Andere Materialien aus der „modernen Wundversorgung“ wie z. B. Schaumverbände, Alginate, Silikone, Hydrogele, Hydrofasern, semipermeable Wundfolien etc. sind im SSB nicht zulässig! Die nordrheinischen Krankenkassen kündigen Prüfungen hierzu an.

Grippeimpfstoffe für die Impfsaison 2017/2018

Für die kommende Grippesaison sollten die Praxen in Nordrhein weiterhin Influvac und Afluria beziehen. Die Krankenkassen und Verbände in Nordrhein weisen darauf hin, dass die bestehenden Rabattverträge bereits im November 2016 für die kommende Impfsaison verlängert wurden. Die beiden Impfstoffe sind daher zu bevorzugen. Nur in medizinisch begründeten Einzelfällen können Praxen auf andere Impfstoffe ausweichen.

Die KV Nordrhein weist darauf hin, dass zur Gültigkeit der Rabattverträge derzeit unterschiedliche Rechtsauffassungen seitens des Bundesministeriums für Gesundheit und den Verbänden der Krankenkassen bestehen, die letztlich nur gerichtlich geklärt werden können. Das Risiko für Anträge wegen unwirtschaftlicher Verordnung ist minimiert, wenn entsprechend der Auffassung der Krankenkassen in Nordrhein die rabattierten Impfstoffe Influvac und Afluria verordnet werden.

Die Vorabbestellung der Impfstoffe sollte zunächst circa 50 Prozent der Bestellung aus der letzten Saison umfassen und der Apotheke bis spätestens Ende Juni auf einem Muster 16 Vordruck vorliegen. Influvac Fertigspritzen mit feststehender Kanüle (10er Packung) und Afluria ohne Kanüle (10er Packung) sind die Impfstoffe, für die in Nordrhein Rabattverträge fortbestehen. Der Grippeimpfstoff für Impfungen nach der Schutzimpfungs-Richtlinie sollte über den Sprechstundenbedarf unter seinem Handelsnamen verordnet werden. Eine Verordnung über den allgemeinen Begriff „Grippeimpfstoff 2017/2018“ wäre für die Apotheken eine unklare Verordnung, die nicht beliefert werden könnte.

Die nasale Grippeimpfung wird von der STIKO nicht mehr vorrangig empfohlen. Bis zu einer Änderung der Schutzimpfungs-Richtlinie kann der nasale Grippeimpfstoff Fluenz nicht zu Lasten der GKV verordnet werden. Die KV Nordrhein wird die Praxen über eine Anpassung der Schutzimpfungs-Richtlinie zeitnah informieren.

Wer ist der aktuelle Abrechner für den Sprechstundenbedarf?

Seit dem 1. Oktober 2016 rechnet die Rezeptprüfstelle Duderstadt (RPD) den SSB ab. Für die Praxen in Nordrhein bedeutet dies:

Bitte geben Sie für Bestellungen des Sprechstundenbedarfs ab dem 4. Quartal 2016 „SSB Nordrhein“ als Kostenträger und das Institutionskennzeichen (IK) 102091710 auf dem SSB-Rezept an. Der neue Abrechner erhält die Vertragskassennummer (VKNR) 38970. Diese wird erst ab dem 1. Januar 2017 in der Praxissoftware hinterlegt sein und muss vorher von Hand eingetragen werden.

Praxen, die ihren SSB direkt abrechnen, senden ihre Abrechnung an:

Rezeptprüfstelle Duderstadt GmbH (RPD)
Adenauerring 25
37115 Duderstadt
Telefon: 05527 9852-0

Können Einmal-Infusionsbestecke und Einmal-Infusionsnadeln zu Therapiezwecken im SSB verordnet werden?

Die Verordnung von Einmal-Infusionsbestecken und Einmal-Infusionsnadeln (zum Beispiel Portnadeln, Gripper- und Hubernadeln) im Sprechstundenbedarf (SSB) ist nur bedingt möglich.

Diese Artikel sind in der SSB-Vereinbarung unter dem Punkt 05 – Mittel zur Diagnostik oder Soforttherapie – gelistet. Dies bedeutet, dass nur in diesen Fällen, also zur Soforttherapie oder zur Diagnostik, eine Verordnung über den SSB zulässig ist. Einmal-Infusionsbestecke und Einmal-Infusionsnadeln, die zu Therapiezwecken benötigt werden, sind demnach nicht über den SSB zu verordnen. Die Abrechnung der Kosten für Einmal-Infusionsbestecke/Einmal-Infusionsnadeln im Rahmen einer Therapie erfolgt als Sachkosten auf dem Behandlungsschein über die KV Nordrhein.

Welcher Kostenträger und welche Kostenträgerkennung (Kassennummer) müssen auf Sprechstundenbedarfsrezepten eingetragen werden?

Auf den Rezeptformularen (Muster 16) für Sprechstundenbedarf mussten die zur Abrechnung notwendigen Angaben in den Feldern Kostenträger und Kostenträgerkennung leicht modifiziert werden. Bitte setzen Sie nun beim Ausfüllen der Rezeptformulare für den Sprechstundenbedarf im Feld Kostenträger „SSB-Nordrhein“ und im Feld Kostenträgerkennung die Ziffer 102091710 ein. Weitere Hinweise zum vollständigen und korrekten Ausfüllen der Sprechstundenbedarfsrezepte finden Sie auch in unserer Broschüre „Verordnungsmanagement Sprechstundenbedarf 2017“.

Müssen „Mehrkosten“ im Zusammenhang mit Festbeträgen von der Praxis bezahlt werden?

Ja. Die Sprechstundenbedarfsvereinbarung sieht vor, dass die bereits 1988 eingeführte Festbetragsregelung auch im SSB zu beachten ist. Das bedeutet, dass die Differenz zwischen dem jeweiligen Festbetrag und den tatsächlichen Kosten des Arzneimittels ("Mehrkosten") vom Arzt selbst zu tragen ist.

Dies kann vermieden werden, wenn Alternativpräparate erhältlich sind, deren Kosten den Festbetrag nicht überschreiten. Die beliefernde Apotheke kann dazu Auskunft geben. Festbeträge sind Höchstpreise für bestimmte Arzneimittel, die durch die gesetzliche Krankenversicherung erstattet werden. Diese Höchstpreise (Festbeträge) gelten daher auch für den SSB.

Wann können (Arznei-) Mittel dem SSB zugeführt werden?

Nur dann, wenn sie in der Praxis verbleiben.
Zur Erklärung: Mittel, die nur für einen Patienten bestimmt sind, stellen grundsätzlich keinen SSB dar. Diese sind auf Namen des Patienten zu verordnen. Soweit solche Mittel für den betreffenden Patienten nicht mehr benötigt werden und in eben dieser Betriebsstätte (Praxis) weiterhin verbleiben, sind sie dem SSB zuzuführen.

Anders ist es, wenn Mittel nicht in der Praxis verbleiben, also beim jeweiligen Patienten gelagert werden. Dieser Fall wird von der SSB-Vereinbarung gar nicht erfasst. Hier kann nicht empfohlen werden, diese Mittel in den SSB zu überführen – auch unter haftungsrechtlichen Gesichtspunkten – da die Praxis beispielsweise keine Kenntnis darüber hat, wie der Patient die Mittel in der Zwischenzeit gelagert hatte.

Kann ein Herpes Zoster Impfstoff (Zostavax) über den SSB abgerechnet werden?

Die Schutzimpfungs-Richtlinie sieht derzeit keine Impfung zur Prävention von Herpes Zoster vor. Bisher gibt es auch noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO), sondern nur eine Empfehlung der Sächsischen Impfkommission (SIKO), beschränkt auf die Immunisierung von Personen ab 50 Jahren. Zostavax kann somit nicht über den SSB abgerechnet werden.

Wann darf ich als neu niedergelassener Arzt erstmalig Sprechstundenbedarf verordnen?

Die zu Beginn der vertragsärztlichen Tätigkeit (Erstniederlassung) erforderliche Beschaffung der Grundausstattung der Betriebsstätte darf nicht als Sprechstundenbedarf verordnet werden, sondern muss auf eigene Kosten beschafft werden. Ausgenommen von dieser Regel sind Röntgenkontrastmittel und Impfstoffe.
Bei einer Praxisübernahme kann der Vorgänger die zuletzt verbrauchten Materialien noch einmal als Sprechstundenbedarf bestellen.

Die erstmalige Verordnung von Sprechstundenbedarf darf frühestens zum Ende des ersten Abrechnungsquartals als Ersatzbeschaffung der in diesem ersten Quartal verbrauchten Mittel vorgenommen werden. „Frühestens zum Ende des ersten Abrechnungsquartals“ bedeutet konkret, dass ab dem ersten Monat des zweiten Niederlassungsquartals SSB verordnet werden darf.

Dazu ein Beispiel:
Ist das erste Quartal der Niederlassung das Quartal 1/2017, dann ist eine Rezeptausstellung über den SSB ab dem 1. April möglich – als Ersatz für bereits verbrauchte Mittel. Bis zum Ausstellungsdatum 14. April, werden alle verordneten Mittel dem Quartal 1/2017 zugeordnet.

Wie sonst auch, sind nur solche Artikel zulässig, die in der Anlage I der SSB-Vereinbarung gelistet sind.

Kann ein Anti-D-Immunglobulin zur Rhesusprophylaxe über den SSB verordnet werden?

Nur zur sofortigen Anwendung im Notfall kann ein Anti-D-Immunglobulin (z. B. Rhophylac, Rhesonativ) als Sprechstundenbedarf verordnet werden. Dies kann zum Beispiel bei einer Missed abortion nötig sein.

Bei einer geplanten Prophylaxe, etwa anlässlich einer Hausgeburt, können Sie das Anti-D-Immunglobulin auf den Namen der Patientin zu Lasten der jeweiligen Krankenkasse verordnen.

Dürfen "Fiktiv zugelassene Arzneimittel" über den SSB abgerechnet werden?

Die gesetzlichen Krankenversicherungen sind nicht verpflichtet die Kosten für fiktiv zugelassene Arzneimittel zu übernehmen. Dies wird begründet durch ein Urteil des Bundessozialgerichtes.
Somit ist auch die Abrechnung fiktiv zugelassener Arzneimittel über den SSB unzulässig.

Sind Gleitgele über Sprechstundenbedarf verordnungsfähig?

  • Gleitgele, die ein Anästhetikum beinhalten und zur Katheterisierung angewendet werden, können über den Sprechstundenbedarf abgerechnet werden.
  • Gleitgele zur Katheterisierung ohne anästhesierenden Zusatz sind in der Regel als Medizinprodukt zugelassen und müssen daher in Anlage V der Arzneimittel-Richtlinie gelistet sein, um über den SSB abrechnungsfähig zu sein.
  • Für Ultraschalluntersuchungen, oder Endoskopien sind die Kosten für das Gleitgel laut EBM 7.1 der Allgemeinen Bestimmungen schon abgegolten. Somit können diese nicht zusätzlich geltend gemacht werden.

Welche Unterlagen muss ich einreichen, damit ich als Arzt Sprechstundenbedarf direkt abrechnen kann?

Wenn Sie Ihren Sprechstundenbedarf (SSB) direkt mit dem aktuellem Abrechner, der Rezeptprüfstelle Duderstadt (RPD) abrechnen, sind dort folgende Unterlagen einzureichen:

  • Rechnungsanschreiben (DIN A4 Blatt) mit folgenden Inhalt:
    • Name des Arztes und Anschrift der Praxis
    • Rechnungstext, zum Beispiel: Wir bitten um Bezahlung der beigefügten Lieferanten-Rechnung über Sprechstundenbedarf in Höhe von ….
    • Rechnungsbetrag
    • Kontoverbindung
  • Rechnung des Lieferanten (kein Lieferschein)
  • vollständig ausgefüllte Sprechstundenbedarfsrezepte

Rezeptprüfstelle Duderstadt GmbH
Adenauerring 25
37115 Duderstadt

Bitte beachten Sie, dass der Sprechstundenbedarf für Kassenpatienten und Privatpatienten auf getrennten Rechnungen bezogen werden muss!

Laut Sprechstundenbedarfsvereinbarung ist Sprechstundenbedarf grundsätzlich bis zum 14. des 1. Monats des Folgequartals zu verordnen. Die Abrechnung von Sprechstundenbedarf im Direktbezug hat bis spätestens zum Ende des Folgequartals zu erfolgen. Später eingereichte Rechnungen werden nicht mehr erstattet.

Darf ich einen Kühlschrank als Leihgabe eines Impfstofflieferanten annehmen?

Das Bereitstellen eines Kühlschrankes für die Gegenleistung „Bestellung“ ist als berufsrechtlich nicht zulässig anzusehen. Auch in § 128 des Sozialgesetzbuches V heißt es für das Zusammenwirken mit Leistungserbringern, dass die unentgeltliche Überlassung von Geräten unzulässig ist. Dies lässt sich auch auf den Impfstofflieferanten als „Verleiher des Kühlschranks“ übertragen.

Welche Kosten werden beim Bezug von Gasen übernommen?

Wenn Sie in Ihrer Praxis Sauerstoff oder andere Gase(-gemische) benötigen, bekommen Sie nur noch das Gas erstattet.

Nicht abrechnungsfähig sind:

  • die Flaschen
  • die Miete für die Flaschen
  • die Transaktionspauschale
  • der Energiezuschlag
  • ein Öko-Zuschlag
  • Rückholkosten für die leere Flasche
  • Mindermengenzuschlag
  • die Befüllung der Flasche
  • die Transportkosten
  • der Gefahrengutzuschlag
  • die Maut

Können Biopsie-Geräte über den SSB bezogen werden?

Über den SSB können Einmal-Biopsie-Nadeln (ggf. inkl. Coaxialhülsen bzw. Einführhülsen) und auch Einmal-Biopsie-Zangen bezogen werden. Einmal-Geräte sind kein Sprechstundenbedarf.

Wie verordne ich Medikamente für den Notfallkoffer?

Für Medikamente die in den Notfallkoffer kommen gilt die gleiche Regelung wie bei allen anderen SSB – Artikeln auch:
Die zu Beginn der vertragsärztlichen Tätigkeit (Erstniederlassung) erforderliche Beschaffung der Grundausstattung (auch Grundausstattung des Notfallkoffers) darf nicht als Sprechstundenbedarf verordnet werden.  Einzige Ausnahme von dieser Regelung bilden Impfstoffe und Röntgenkontrastmittel. Zulässig sind nur Artikel die in der Anlage I der SSB-Vereinbarung aufgelistet sind. Die verbrauchten Artikel dürfen am Ende des Abrechnungsquartals als Ersatzbeschaffung für verbrauchtes Material zu Lasten des SSB aufgefüllt werden.

Wie lange muss ich Lieferscheine von Lieferanten und Apotheken aufbewahren?

Als Vertragsarzt/ärztin sind Sie verpflichtet die Lieferscheine zwei Jahre aufzubewahren um in begründeten Einzelfällen der SSB abwickelnden Stelle den Bezug der verordneten Artikel nachzuweisen.

Impfstoffe richtig verordnen: Sprechstundenbedarfsrezept oder Einzelverordnung auf Namen des Patienten?

Alle Schutzimpfungen, die in der Anlage 1 der Schutzimpfungs-Richtlinie (SI-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) als Standard- oder Indikationsimpfung genannt sind, können zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über den Sprechstundenbedarf abgerechnet werden. Das gilt jedoch nur dann, wenn die in der SI-RL genannten Angaben und Bedingungen zu Grundimmunisierung und Indikationen sowie alle Hinweise und Anmerkungen zutreffend sind. 
Die Verordnung erfolgt über ein Sprechstundenbedarfsrezept (SSB-Rezept).

Die Grafik zeigt die Verordnung von Impfstoffen.
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Verordnung von Impfstoffen
(Anklicken für eine größere Ansicht)

Satzungsimpfungen:
Neben diesen Pflichtleistungen können die gesetzlichen Krankenkassen weitere Impfungen anerkennen. Das sind sogenannte Satzungsimpfungen. Sollten die in der SI-RL genannten Angaben und Bedingungen auf die Impfsituation des Patienten nicht zutreffen, hilft die Übersicht über die zusätzlich vereinbarten Satzungsimpfungen. Darin sind jene Schutzimpfungen aufgeführt, die von den dort genannten Krankenkassen übernommen werden, auch wenn es sich um eine Impfung „außerhalb der SI-RL“ handelt.
Bei einer zusätzlich vereinbarten Satzungsimpfung, erfolgt die Verordnung des jeweiligen Impfstoffes unter Angabe der Krankenkasse als Einzelverordnung auf dem Namen des Patienten – also nicht als SSB-Rezept.

Privatverordnung:
Sollte die Krankenkasse des Patienten für diese Impfung „außerhalb der SI-RL“ auch keine Satzungsleistung vereinbart haben, kann die Impfung nicht zu Lasten der GKV abgerechnet werden.
Der Impfstoff muss somit auf einem Privatrezept verordnet werden. Ob die Krankenkasse des jeweiligen Patienten die Kostenerstattung der Impfung im Nachhinein übernimmt, kann der Patient bei seiner Krankenkasse erfragen.

 

 

Wie verfahre ich mit verfallenen oder nicht mehr brauchbaren Impfstoffen?

Sollte es in Ihrer Praxis einmal dazu kommen, dass Impfstoff das angegebene Verfallsdatum überschreiten, empfehlen wir Ihnen diese Impfstoffe in einer Apotheke vernichten zu lassen. Diesen Vorgang sollten Sie sich von der Apotheke schriftlich bestätigen lassen und dieses Schreiben sorgfältig aufbewahren. Sollte es zu Nachfragen seitens der Krankenkassen kommen, können Sie damit die Vernichtung nachweisen. Grundsätzlich sollten Sie auf eine bedarfsorientierte Bestellung achten, damit es nicht zu solchen Überlagerungen kommen kann.

Wir weisen noch einmal darauf hin, dass für Impfstoffe, die in der Praxis gelagert werden, ein ausreichender Versicherungsschutz bestehen sollte. Stromausfall oder ein kaputter Kühlschrank können dazu führen, dass Impfstoffe unbrauchbar werden. Der Impfstoff muss in solchen Fällen von der Praxis ersetzt werden und kann nicht erneut über ein SSB-Rezept bezogen werden. Zahlt ihre Versicherung den in einer solchen Situation entstandenen Schaden nicht, müssen Sie selbst dafür aufkommen.

Können Anaphylaxie-Bestecke (z.B. Fastjekt, Anapen) im SSB verordnet werden?

Nein. Anaphylaxie-Bestecke wie Anapen oder Fastjekt stellen keinen Sprechstundenbedarf dar. Die Sprechstundenbedarfsvereinbarung schließt die Verordnung von Anaphylaxie-Bestecken sogar ausdrücklich aus! Jedoch: Adrenalin in Ampullenform kann verordnet werden, als Arzneimittel zur Sofortanwendung im Notfall.

Dürfen Einmalclips über den Sprechstundenbedarf bezogen werden?

Ja – Einmalclips wie zum Beispiel Endoclips dürfen über den SSB bezogen werden, jedoch nur ohne das Gerät zur Applikation. Einmalclips werden gemäß der SSB-Vereinbarung unter dem Punkt 01 Wundklammern (ohne Gerät) subsumiert – daher ist der Bezug von Einmalclip-Applikatoren zu Lasten des SSB nicht zulässig.

Kann Synagis (Palivizumab) als Sprechtundenbedarf verordnet werden?

Synagis (Palivizumab) wird zur Prävention schwerer Erkrankungen, die durch das Respiratory Syncytial Virus (RSV) hervorgerufen werden eingesetzt. Der Arzneistoff ist ein Antikörper, der an das Fusionsprotein des RSV bindet. Synagis ist kein Impfstoff! Daher muss das Arzneimittel auf den Namen des Patienten auf einem Kassenrezept verordnet werden. Eine Verordnung im SSB ist nicht möglich

Können Importarzneimittel als Sprechstundenbedarf verordnet werden?

Der Import von Arzneimitteln aus dem Ausland ist nach § 73 Absatz 3 des Arzneimittelgesetzes möglich – jedoch nur für einzelne Personen. Hingegen gelten nach der SSB-Vereinbarung solche Artikel als Sprechstundenbedarf, die ihrer Art nach bei mehr als einem Patienten angewendet werden oder die zur Sofortbehandlung erforderlich sind. Daher können Importarzneimittel nicht als Sprechstundenbedarf verordnet werden.

Welche Medizinprodukte können im SSB verordnet werden?

Die verordnungsfähigen arzneimittelähnlichen Medizinprodukte werden seit 1. Juli 2008 in einer Art „Positivliste“ als Anlage der Arzneimittel-Richtlinie veröffentlicht. Welche arzneimittelähnlichen Medizinprodukte zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig sind, wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegt. Die Aufnahme in diese Liste erfolgt auf Antrag des jeweiligen Herstellers.

Die Liste bezieht sich ausschließlich auf Medizinprodukte mit arzneimittelähnlichem Charakter und gilt für apothekenpflichtige, nicht-apothekenpflichtige und auch für verschreibungspflichtige Medizinprodukte. Verbandstoffe, Blut- und Harnteststreifen sowie Hilfsmittel sind von den neuen Regelungen der Arzneimittel-Richtlinie nicht betroffen und können wie bisher verordnet werden.

Was gilt bei der Verordnung von Externa zur Anwendung bei traumatisch bedingten Schwellungen, Ödemen und stumpfen Traumata (z.B. Voltaren Emulgel)?

Bereits seit 2009 sind verschreibungspflichtige Externa – wie beispielsweise Voltaren Emulgel, aber auch andere Externa mit den Wirkstoffen Diclofenac, Ketoprofen, Indometacin etc. – zur Anwendung bei traumatisch bedingten Schwellungen, Ödemen und stumpfen Traumata gemäß Arzneimittelrichtlinie (AM-RL, Punkt 26 der Anlage III) grundsätzlich von der Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Ebenfalls ausgeschlossen sind Rheumamittel (Analgetika / Antiphlogistika / Antirheumatika) zur externen Anwendung (AM-RL, Punkt 40 der Anlage III).

Die nordrheinischen Krankenkassen teilten uns außerdem mit, dass sie die Verordnung der nicht verschreibungspflichtigen Externa in dieser Anwendung (wie z.B. Voltaren Schmerzgel und andere Diclofenac/Ibuprofen Gele etc.) bei Kindern und Jugendlichen ebenfalls als unwirtschaftlich ansehen.

Verordnungsausschlüsse und -einschränkungen durch die AM-RL sind auch für den Sprechstundenbedarf bindend. Somit dürfen Externa mit der genannten Indikation nicht über den Sprechstundenbedarf verordnet werden.

Dies gilt im Übrigen auch für die Anwendung von Voltaren Emulgel etc. bei der Iontophorese.

Darf ich Analgetikakombinationen im Sprechstundenbedarf verordnen?

Die Arzneimittelrichtlinie schließt die Verordnung von Analgetika in fixer Kombination mit anderen, nicht analgetischen Wirkstoffen – ausgenommen Kombinationen mit Naloxon – aus. Migränemittelkombinationen sind ebenfalls von der Verordnung ausgeschlossen.

Sind BSS-Lösungen über den Sprechstundenbedarf (SSB) verordnungsfähig?

Alle derzeit am Markt befindlichen BSS-Lösungen sind Medizinprodukte. Da auch für den Sprechstundenbedarf die Regelungen der Arzneimittel-Richtlinien gelten, sind arzneimittelähnliche Medizinprodukte nur dann über den SSB verordnungsfähig, wenn Sie in der Anlage V der Richtlinien genannt werden. Das bedeutet: nur die dort gelisteten BSS-Lösungen dürfen – unter den in der Anlage V genannten Bedingungen – über den SSB verordnet werden.

Darf CO2 (Kohlenstoffdioxid) für den Einsatz bei z. B. Gastroskopien / Koloskopien über den Sprechstundenbedarf bezogen werden?

Nein. CO2 (Kohlenstoffdioxid) ist unter keinen der Punkte in der Sprechstundenbedarfsvereinbarung zu subsumieren. Eine Verordnung zu Lasten des SSB ist deshalb nicht zulässig.

Können Einmal-Artikel (z. B. Mundschutz, Handschuhe) über den Sprechstundenbedarf bezogen werden?

Einmal-Artikel wie Mundschutz / Atemmasken oder Einmal-Handschuhe gelten als Allgemeine Praxiskosten und müssen vom Arzt selbst getragen werden. Eine Abrechnung über den Sprechstundenbedarf ist nicht möglich. Diese Regelung gilt auch im Zusammenhang mit der Behandlung von Patienten mit dem A/H1N1-Virus.

Können Arzneimittel ohne Normgröße im Sprechstundenbedarf verordnet werden?

Soweit Arzneimittel über eine öffentliche Apotheke bezogen werden können, sind diese auch ohne Normgröße (N1, N2 und N3) über den Sprechstundenbedarf zu verordnen und abzurechnen.

Können Blutzuckerteststreifen über den SSB verordnet werden?

Nein. Blutzuckerteststreifen (Glukoseteststreifen) dürfen nicht über den SSB verordnet werden, auch nicht für den Notfallkoffer. Sie sind mit der Gebühr für die Leistung EBM-Ziffer 33025 bereits abgegolten.

Welchen Zuschlag dürfen Apotheken bei Impfstoffen für den Sprechstundenbedarf abrechnen?

Impfstoffe werden mit einem Zuschlag von 3 Prozent auf den Apothekeneinkaufspreis zuzüglich der jeweils gültigen Umsatzsteuer berechnet. Der Zuschlag wird zwischen dem Apothekerverband und den Krankenkassenverbänden festgelegt.