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Barrieren abbauen in der Praxis: Mit kleinen Schritten viel bewegen!

Foto: Rio Patuca Images, Fotolia

Eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen – egal ob mit oder ohne Behinderung: Das ist der zentrale Leitgedanke der Inklusion. Durch den Beitritt zur Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen hat sich Deutschland verbindlich zu diesem Politik-Ziel verpflichtet.

Zur gesellschaftlichen Teilhabe zählt auch der einfache Zugang zu den Einrichtungen der Gesundheitsversorgung. Dabei leisten viele Praxen in Nordrhein bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Inklusion: Etwa durch einen barrierearmen Zugang zu ihren Praxisräumen, durch eine behindertengerechte Praxisausstattung und durch die selbstverständliche Bereitschaft des gesamten Praxisteams, den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen im Alltag gerecht zu werden.

Haben Sie Ihre Praxis barrierefrei (um)gestaltet oder bieten künftig zusätzlich besondere Hilfen für behinderte Patienten an – dann teilen Sie uns dies bitte mit, indem Sie den Fragenbogen an Ihre zuständige Bezirksstelle zurücksenden.

Wichtig: Es muss nicht immer gleich ein großer ggf. auch kostspieliger Umbau sein! Oftmals helfen schon kleine Schritte, Barrieren abzubauen: das Anbringen von großen, gut lesbaren Beschilderungen, eine klare und deutliche Ansprache der Patienten mit eingeschränktem Hörvermögen, die Beseitigung von „Stolperfallen“ auf dem Boden, die Installation von Haltegriffen in Sanitärbereichen, aber auch die Möglichkeit – etwa für Menschen mit eingeschränkten Hörvermögen – per Mail oder via Internet mit der Praxis in Kontakt zu treten.

Für Praxisinhaber und –mitarbeiter, die sich auf den Weg zu einer barrierearmen Praxis machen, haben wir auf dieser Seite einige Hinweise und Links zusammengestellt.

Fachtagung „Barrieren abbauen“

Die Umfrage in 2015 unter mehr als 13.000 nordrheinischen Ärztinnen und Ärzten zum Status der Barrierefreiheit ihrer Praxen belegt, dass diese zunehmend auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung eingehen. Auf der Fachtagung am 2. September 2015 wurden die ersten Ergebnisse vorgesellt. Außerdem berichteten Ärzte, ein Architekt und weitere Experten aus ihren Erfahrungen mit der Reduzierung von Barrieren beziehungsweise formulierten Anforderungen aus politischer, gesetzlicher und Betroffenen-Sicht.

Inklusion

Das Anliegen der Inklusion geht deutlich über das politische Konzept einer Integration von Menschen mit Behinderungen hinaus: Künftig soll allen Menschen „die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft“ ermöglicht werden. So umschreibt Artikel 3 der UN Behindertenrechtskonvention die Vision einer „inklusiven“ Gesellschaft. Die Konvention wurde von den Vereinten Nationen im 2006 verabschiedet. Die Bundesrepublik Deutschland hat die Konvention im März 2009 ratifiziert. Seither sind Bund und Länder verpflichtet, die Konvention auch in nationales Recht umzusetzen.

Die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft als Leitgedanke der Konvention nimmt auch die Gesundheitsversorgung in den Blick. In Artikel 25 heißt es unter anderem: „Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen, das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit ohne Diskriminierung aufgrund von Behinderung zu genießen.“

In ihrem nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der Konvention formuliert die Bundesregierung daher auch Ziele für die Versorgung in den ambulanten Praxen: „Besonders wichtig ist der uneingeschränkte Zugang zur medizinischer Versorgung. Daher möchte die Bundesregierung bauliche und kommunikative Barrieren in Arztpraxen und Rehabilitationseinrichtungen beseitigen: In den nächsten zehn Jahren soll eine ausreichende Zahl an Praxen barrierefrei zugänglich werden.“

KBV-Broschüre „Barrieren abbauen“

Von einer Praxis ohne Barrieren profitieren längst nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern alle Patienten: Das zeigen auch die vielen praktischen Beispiele aus der Broschüre der KBV. Diese bietet Ärzten und Psychotherapeuten auf 24 Seiten Tipps, wie sie die Praxis räumlich oder bei der Kommunikation besser auf Menschen mit Behinderungen ausrichten können.

Praxistool Barrierefreiheit

Diese interaktive Plattform unterstützt Ärzte und Psychotherapeuten, die einen barrierefreien oder barrierearmen Neubau, Ausbau oder Umbau ihrer Praxis planen. Die kostenfreie Software wurde von der Stiftung Gesundheit entwickelt und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.

So funktioniert das Praxis-Tool: Im ersten Schritt füllen Sie einen Online-Fragebogen zur derzeitigen Situation der Praxis und den Zielen für den Neu- oder Umbau aus. Daraus erstellt die Software einen individuellen Praxisleitfaden mit Informationen zur Barrierefreiheit und Praxisgestaltung sowie zu passenden Fördermittel und möglichen Bau- und Gestaltungsmaßnahmen. Eine Datenbank liefert zudem eine Liste mit aktuellen Kontaktdaten geeigneter Dienstleister, Architekten und Handwerksbetriebe in Ihrer Region.

Fördermöglichkeiten

Barrieren beseitigen im Bestand – das erfordert meist auch eine gewissen finanzielle Investition. Hier haben wir einige Hinweise für Sie zusammengestellt:

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV): Fachbroschüre und Kontrastbestimmungstafel veröffentlicht

Die neue Fachbroschüre "Kontrastreiche Gestaltung öffentlich zugänglicher Gebäude" richtet sich an Architekten, Innenarchitekten, Farbdesigner und Bauingenieure und vermittelt, wie Kontraste geplant, bestimmt und umgesetzt werden können. Der DBSV möchte aber auch einen ganz praktischen Beitrag leisten, um Planern den Umgang mit Kontrasten zu erleichtern. Der Verband hat deshalb eine neue Kontrastbestimmungstafel entwickelt. Die Tafel im DIN-A4-Format dient dazu, den ungefähren Kontrast zwischen zwei Farben zu ermitteln. Ergänzend dazu wird ein Kontrastwertrechner angeboten.