Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Patienten mit Migrationshintergrund versorgen

"InterKultKom" – so heißt das Fortbildungskonzept zur Förderung von interkultureller Kommunikation und Handlungskompetenz. Am Rhein-Maas Klinikum in Würselen wurden seit März 2018 Menschen aus dem Gesundheitswesen in kultursensibler Versorgung und berufsübergreifender Vernetzung fit gemacht, darunter auch Medizinische Fachangestellte (MFA). Im September wurde das letzte der insgesamt fünf Schulungsmodule im Modellprojekt durchgeführt.

Das Foto zeigt Tanja Patscheck, MFA, Würselen

Tanja Patschek, MFA, Würselen

Tanja Patscheck war eine der Teilnehmerinnen. Der MFA aus Würselen hat die Fortbildung gut gefallen. "Ich lerne, darauf zu achten, im Umgang mit den Patienten keine Unterschiede zu machen, jeden gleich zu behandeln – so, wie ich selbst behandelt werden möchte. Und es macht unheimlich Spaß, wenn sich Patienten dafür bedanken, dass ich ihnen alles erkläre, was ich mache, und sie begleite."

Ziel der Fortbildungsreihe ist zum einen die bessere Vernetzung, Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsberufen und Sektoren wie niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und Pflegeberufen. Zum anderen sollen diese Berufe für den Umgang mit Patienten und Kollegen aus unterschiedlichen Kulturen sensibilisiert werden.

In Deutschland sind rund ein Viertel der Bevölkerung Menschen mit Migrationshintergrund. Die Zahl älterer und pflegebedürftiger Migranten steigt. Bereits heute zeigen sich Probleme in der Versorgung durch ein unterschiedliches Krankheitsverständnis, Erwartungen an den Arzt sowie den Umgang mit Krankheitssymptomen.

Vielfalt statt Stereotype

Ärzte und MFA sind in den Praxen die ersten Ansprechpartner für die Patienten mit Migrationshintergrund. Eine erlernte interkulturelle Kompetenz kann die Therapietreue der Patienten positiv beeinflussen - und somit auch den Behandlungserfolg.

Inhalte einer kultursensiblen Versorgung können sprachliche Verständigung sein, die Achtsamkeit gegenüber kultureller Prägung oder kulturspezifische Besonderheiten der Krankheitsverarbeitung oder Ernährung, religiösen Bedürfnissen und der Umgang mit den Angehörigen. Das wurde in der Fortbildung geübt.

Das Foto zeigt Serin Alma, Verband medizinischer Fachberufe e. V.

Serin Alma, Verband medizinischer Fachberufe e.V.

"Hoch spannend waren die Rollenspiele, in denen Sprachbarrieren überwunden werden mussten, um Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen Befunde zu vermitteln und Misstrauen abzubauen", sagt Serin Alma vom Verband medizinischer Fachberufe e. V.

Das Foto zeigt Dr. med. Martina Levartz, Geschäftsführerin IQN, Düsseldorf

Dr. med. Martina Leveartz, Geschäftsführerin IQN, Düsseldorf

"Eine kultursensible Patientenversorgung kann Fehlerquellen reduzieren und die Arbeitszufriedenheit der beteiligten Berufsgruppen sowie die Qualität der Patientenversorgung steigern. Interkulturelle Kompetenz kann man lernen und sie wird im heutigen Arbeitsalltag immer wichtiger", sagt Martina Levartz, Geschäftsführerin des Instituts für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN), das federführend die Konzeption und Durchführung des Projekts übernommen hat.

Das Schulungskonzept wurde durch eine interprofessionelle und interkulturelle Arbeitsgruppe 2017 entwickelt; es befindet sich nun in der Erprobungsphase. An fünf Halbtagsterminen fanden in Würselen Schulungen zu unterschiedlichen Modulen statt. Die rund 40 Teilnehmer waren Ärzte, Sozialarbeiter, MFA, Zahnärzte, Pflegende und Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen wie Heimen und Gesundheitsämtern. "Hoffentlich wird das Schulungskonzept auch an anderen Orten umgesetzt", wünscht sich Alma.

Das Projekt wird von der Uni Witten Herdecke evaluiert. Danach sollen die Schulungsmodule bei Bedarf leicht angepasst werden und stehen danach interessierten Einrichtungen, Institutionen oder Regionen zur Durchführung zur Verfügung. Konzipiert und durchgeführt wird das Projekt von mehreren Partnern aus dem Gesundheitswesen; die Robert Bosch Stiftung fördert es.

"InterKultKom" – Schulungsmodule

Haltung | Schärfung der eigenen Haltung zu Patienten aus unterschiedlichen Kulturen und zu ihren Bedürfnissen im Gesundheitssystem

Kommunikation | Kommunikationstraining und Beziehungsgestaltung mit fremdsprachigen Patienten aus anderen Kulturkreisen und Umgang mit Dolmetschern

Familie und Gender | Sensibilisierung für die unterschiedliche Sozialisation in anderen Kulturen in Bezug auf Familienstrukturen, deren Stellenwert, sowie Umgang mit Jugendlichen und älteren Patienten

Krankheitsverständnis | Kulturell und religiös verschiedene Sichten auf Krankheiten, psychische Erkrankungen sowie Behinderungen

Gewalt, Schmerz, Tod und Trauer | Umgang mit traumabelasteten Patienten, mit Gewalt und Trauer in unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlichen Abschiedsritualen

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Mehr Infos zum Datenschutz