Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Ausbau der ambulanten Palliativversorgung: Versorgungsniveau in Nordrhein erhalten

Der Bewertungsausschuss hat zum 1. Oktober 2017 neue Leistungen zur Palliativversorgung festgelegt. Inwieweit diese neuen bundesweiten Regelungen eine Anpassung der regionalen Verträge zur allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV) erfordern, prüft die KV Nordrhein aktuell in Verhandlungsgesprächen mit den nordrheinischen Krankenkassen. Ziel ist vor allem, das hohe Qualitätsniveau der hiesigen AAPV zu erhalten.

Die ambulante Palliativversorgung durch Haus- und Fachärzte erhält zum 1. Oktober acht neue Gebührenordnungspositionen (GOP) im neuen Abschnitt 37.3 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM). Der gemeinsame Bewertungsausschuss hat zudem die Vergütung für die neuen EBM-Leistungen festgelegt.

Ersterhebung und Koordination

Zu den Leistungen gehört die palliativmedizinische Ersterhebung, bei der der Arzt anhand eines Assessments den individuellen palliativen Bedarf des Patienten ermittelt, zum Beispiel für eine Schmerztherapie (GOP 37300: 392 Punkte, 41,28 Euro). Für die Koordination der palliativmedizinischen und -pflegerischen Versorgung erhalten die teilnehmenden Haus- und Fachärzte einen Zuschlag zur Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale. Hierbei geht es vor allem um die Zusammenarbeit mit Palliativdiensten, Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) und Hospizen (GOP 37302: 275 Punkte, 28,96 Euro).

Erreichbarkeit und Besuchsbereitschaft

Für die telefonische Erreichbarkeit und Besuchsbereitschaft außerhalb der Sprechstundenzeiten erhalten die Ärzte eine einmalige Vergütung von 150 Euro. Die Zeiten, wann der Arzt erreichbar ist, stimmt er mit den Patienten, den Angehörigen oder den Pflegekräften ab (GOP 37317: 1.425 Punkte). Längere Telefonate mit dem Pflegepersonal, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder den Angehörigen außerhalb der Sprechstundenzeiten werden ebenfalls vergütet (GOP 37318: 213 Punkte, 22,43 Euro).

Hausbesuche

Erfolgt die palliativmedizinische Betreuung des Patienten zu Hause, im Pflegeheim oder im Hos­piz, können Ärzte Zuschläge (GOP 37305: 124 Punkte je vollendete 15 Minuten, 13,05 Euro) zu den Hausbesuchen (GOP 01410, GOP 01413) berechnen. Der Zuschlag kann bis zu sechs Mal am Behandlungstag, also für bis zu 1,5 Stunden Besuchsbetreuung, berechnet werden.

Im Falle dringender Besuche ist zukünftig ein weiterer neuer Zuschlag mit eigener GOP je Besuch (GOP 37320: 64 Punkte, 6,74 Euro) ansetzbar. Die Zuschläge zu den Besuchen sowie Fallkonferenzen können alle an der Versorgung von Palliativpatienten beteiligten Ärzte abrechnen. Eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung ist dafür nicht erforderlich.

Teilnehmer an der Palliativversorgung Nordrhein

Die ambulante Palliativversorgung soll dabei helfen, schwer kranken Menschen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung und bei ihren Angehörigen zu ermöglichen. In Nordrhein nehmen derzeit 830 Praxen an der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung mit 1.877 fortgebildeten Haus-/Fachärzten teil, darunter 373 besonders qualifizierte Palliativärzte. Die SAPV wird von 23 „Palliative-Care-Teams“ übernommen.

Konsiliarische Erörterung

Ein weiterer Bestandteil des neuen EBM-Abschnitts 37.3 ist eine Pauschale für die konsiliarische Erörterung komplexer Fragestellungen. Konsiliarisch tätige Ärzte mit der Zusatzweiterbildung Palliativmedizin können diese GOP abrechnen, wenn sie von einem palliativmedizinisch betreuenden Haus- oder Facharzt wegen einer speziellen Fragestellung zu Rate gezogen werden, aber nicht den Patienten visitieren (GOP 37314: 106 Punkte, 11,16 Euro).

Extrabudgetäre Vergütung

Die GOP des Abschnitts 37.3 werden extrabudgetär zu festen Preisen vergütet, zunächst für zwei Jahre. Darüber hinaus empfiehlt der Bewertungsausschuss den Vertragspartnern auf Landesebene, ab Oktober auch die palliativmedizinischen Leistungen in den haus- und kinderärztlichen EBM-Kapiteln (Abschnitte 3.2.5 und 4.2.5) für zwei Jahre extrabudgetär zu honorieren.

Bestehende Regelungen

Auf die regionalen Regelungen zur Palliativversorgung hat die bundesweite Vereinbarung (Anlage 30 zum BMV-Ä) keinen Einfluss. Auch die palliativmedizinischen Leistungen in den haus- und kinderärztlichen EBM-Kapiteln können weiter abgerechnet werden – allerdings bestehen entsprechende Berechnungsausschlüsse zu den neuen GOP.

Sigrid Müller

Das Foto zeigt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bei dem gesundheitspolitischen Abend im Haus der Ärzteschaft (Foto: Guido Schiefer Fotografie).

„Ich bin ein Anhänger der Selbstverwaltung“

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe
(CDU) folgte am 30. Juni 2017 der Einladung der KV Nordrhein und gab in seiner Rede ein klares Bekenntnis zur Selbstverwaltung ab. Weitere Redner auf dem gesundheitspolitischen Abend im Haus der Ärzteschaft waren 
Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, und KVNO-Chef Dr. med. Frank Bergmann. Die anschließende Diskussion kreiste um aktuelle Herausforderungen der Gesundheitspolitik – vor und nach der Bundestagswahl.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Mehr Infos zum Datenschutz