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Schutzimpfungs-Richtlinie aktualisiert

Die Schutzimpfungs-Richtlinie wurde aktualisiert. Der Gemeinsame Bundesausschuss ist dabei den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) vom August 2016 gefolgt. Bei der Influenza-Impfung wurde der nasale Impfstoff wieder ausgeschlossen. Außerdem wurden die allgemeinen Hinweise zu den Reiseschutzimpfungen präzisiert, die Vorgaben für die Impfungen gegen HPV, Pneumokokken und Polyomyelitis angepasst. Die Änderungen der Schutzimpfungs-Richtlinie treten voraussichtlich am 15. Februar in Kraft.

Influenza

Bei der Grippeimpfung sollen künftig nicht nur Personen, die Risikopersonen betreuen, geimpft werden, sondern auch solche, die mit Risikopersonen in einem Haushalt leben. Als Risikopersonen gelten Menschen mit Grundkrankheiten, bei denen es Hinweise auf eine deutlich reduzierte Wirksamkeit der Influenza- Impfung gibt. Dazu zählen laut den Verfassern der Richtlinie zum Beispiel Personen mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz oder mit angeborener oder erworbener Immundefizienz bzw. -suppression.

Das Bild zeigt eine Hand die eine Spritze hält und diese in einen Arm sticht. Foto: Klaus Rose | OKAPIA | dpa

Den besten Schutz vor einer Grippe bietet eine Impfung. Künftig sollen auch Personen gegen Grippe geimpft werden, die mit Risikopersonen in einem Haushalt leben.

Nasaler Influenza-Impstoff

Die Grippeimpfung für Kinder mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung soll künftig in allen Altersgruppen wieder mit einem Spalt­impfstoff durchgeführt werden. Die präferenzielle Impfung von 2- bis 6-jährigen Kindern mit dem nasalen Impfstoff (Fluenz) empfiehlt die STIKO nicht mehr. Folge: Eine Impfung der Kinder mit Fluenz zu Lasten der gesetzlichen Kassen ist nach den Vorgaben der Schutzimpfungs-Richtlinie nicht mehr möglich.

Reiseschutzimpfungen

Versicherte haben Anspruch auf Reiseschutzimpfungen der Schutzimpfungs-Richtlinie wenn

  • der Auslandsaufenthalt beruflich bedingt ist.
  • die Ausbildungsstätte bestätigt, dass der Auslandsaufenthalt im Rahmen der Ausbildung durch Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschrieben ist. Die versicherte Person muss gegenüber dem Arzt den Nachweis erbringen, dass beispielsweise die Studienordnung den Auslandsaufenthalt zwingend vorsieht.
  • entsprechend der Hinweise in Anlage 1 zum Schutz der öffentlichen Gesundheit ein besonderes Interesse daran besteht, das Einschleppen einer übertragbaren Krankheit vorzubeugen.

In allen anderen Fällen sind Reiseschutzimpfungen von der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen.

HPV

Bei der HPV-Impfung wurden die Anmerkungen zum Impfabstand dem neuen Impfstoff Gardasil9 angepasst. Eine begonnene Impfserie sollten Ärzte möglichst mit dem gleichen HPV-Impfstoff vervollständigen.

Pneumokokken

Für die Pneumokokkenimpfung wird klargestellt, dass die Standardimpfung bei über 60-Jährigen mit dem Polysaccharidimpfstoff PPSV23 (Pneumovax 23) durchgeführt werden soll. Diese Standardimpfung kann, wenn nötig, im Abstand von mindestens sechs Jahren nach individueller Indikationsstellung wiederholt werden – ebenfalls mit dem Polysaccharidimpfstoff.

Die Indikationsimpfungen gegen Pneumokokken werden den STIKO-Empfehlungen angepasst:

  • Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz beziehungsweise Immunsuppression und
  • Personen mit anatomischen und Fremdkörper-assoziierten Risiken für Pneumokokken-Meningitis erhalten eine sequenzielle Impfung zunächst mit dem 13 valenten Konjugatimpfstoff (Prevenar 13) gefolgt vom Polysaccharidimpfstoff PPSV23 nach sechs bis zwölf Monaten.
  • Bei sonstigen chronischen Krankheiten soll eine sequenzielle Impfung nur bei Patienten im Alter von zwei bis 15 Jahren durchgeführt werden, ältere Patienten erhalten eine Impfung mit dem Polysaccharidimpfstoff.

Die Anwendung des Konjugatimpfstoffes ist damit beschränkt auf die Patientengruppen, für die eine sequenzielle Impfung vorgesehen ist. In allen Risikogruppen wird die Wiederholungsimpfung mit dem Polysaccharidimpfstoff PPSV23 mit einem Mindestabstand von sechs Jahren wiederholt.

Polyomyelitis

Die Indikationen zur Impfung gegen Polyomyelitis werden um eine Reiseschutzimpfung erweitert, um zu verhindern, dass Polio wieder nach Deutschland eingeschleppt wird. In diesen Fällen ist die Reiseschutzimpfung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung möglich. Impfungen gemäß der Schutzimpfungs-Richtlinie sind Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Impfstoffe beziehen Praxen in Nordrhein über den Sprechstundenbedarf.

Dr. Holger Neye