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Medikationsplan: Anspruch ab drei Arzneien

Seit 1. Oktober 2016 haben gesetzlich versicherte Patienten einen Anspruch auf einen Medikationsplan, wenn sie dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden. Der Medikationsplan soll möglichst sämtliche verschreibungspflichtige Arzneimittel enthalten, die der Patient einnimmt - zusätzlich die Selbstmedikation. Aufführen soll er unter anderem Wirkstoff, Dosierung und Einnahmegrund. Falls die Verordnungssoftware noch keine Funktionen zum Erstellen des einheitlichen Medikationsplans enthält, können Praxen bis zum 1. April 2017 auch noch andere Pläne nutzen.

„Der bundeseinheitliche Medikationsplan ist grundsätzlich nichts Neues, Medikationspläne erhalten die Patienten bei Bedarf schon immer“, sagt der Düsseldorfer Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Kihm. Praxen müssen den Plan nur dann erstellen, wenn ein Patient es wünscht. In der Regel dürfte dies der Hausarzt sein. Haben Patienten keinen, sind auch Fachärzte in der Pflicht – und zwar diejenigen, die die Arzneimitteltherapie überwiegend koordinieren. Das könnte bei nierenkranken Patienten der behandelnde Nephrologe sein.

BU Lupe

Die Grafik zeigt den Muster-Medikationsplan

Medikationsplan im Detail

Die Praxis nimmt die Medikamente in den Plan auf, die dort verordnet wurden. Andere Medikamente sind nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zu ergänzen, soweit der Arzt „davon ausreichend Kenntnis hat“. Dies sollten auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente sein.

Wenn ein Patient nicht möchte, dass ein bestimmtes Medikament eingetragen wird, kann der Arzt davon absehen. Daher enthält der Plan den Hinweis, dass Vollständigkeit nicht gewährleistet werden kann.

Software und Scanner

Die Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplans hatte der Bundestag mit dem E-Health-Gesetz beschlossen. Dennoch gibt es den Plan bis 2018 nur auf Papier. Für den Ausdruck können die Praxen normales DIN-A4-Papier verwenden. Die Anordnung der Informationen auf dem Plan sind vorgegeben. Nach Kihms Ansicht allerdings eine suboptimale Anordnung: „Die wichtigsten Informationen auf dem Medikationsplan, der Name des Medikaments und die Dosierung, hätten gut leserlich nach vorn gehört.“

Der Arzt, der den Medikationsplan erstellt hat, ist auch zur Aktualisierung verpflichtet. Auf Wunsch des Patienten müssen auch Apotheker den Plan aktualisieren (zur Not handschriftlich), auch Facharztpraxen und Krankenhäuser sind gefragt – aber nicht verpflichtet.

Um Medikationspläne elektronisch zu erstellen und zu aktualisieren, benötigen Praxen ein Medikationsplan-Modul in der Praxissoftware. Damit ist eine einfache Verwaltung möglich. Einige Hersteller verlangen dafür zusätzliches Geld. „Wir können dagegen nicht vorgehen“, sagt Franz-Josef Eschweiler, Experte für Praxis-IT bei der KV Nordrhein. „Es gibt aber Hersteller, die dafür keinen Zusatz-Obolus verlangen.“

Die Software sorgt auch dafür, dass auf den Papier-Plan ein Barcode gedruckt wird, der die Angaben in digitaler Form enthält. So sind die Daten per Scanner einlesbar und können ohne manuelles Erfassen elektronisch bearbeitet werden. Die Anschaffung eines Barcode-Scanners ist keine Pflicht, empfiehlt sich jedoch für diejenigen, die häufig Pläne einlesen müssen, da der Aufwand fürs Abtippen entfällt. Die Kosten für die Scanner tragen allerdings die Praxen. „Das funktioniert bei unserer Software Medical Office auch mit einem ganz einfachen Modell oder einem Multifunktionsgerät mit Scan-Funktion“, sagt Thomas Kuth, Geschäftsführer der Firma Medicteam. Sogar ein Foto des Codes reiche, um die Daten in die Praxissoftware zu übernehmen. Trotz der komfortablen Extras bietet der Hersteller die Software ohne Zusatzkosten an.

Auf einen Blick

Wer soll einen Medikationsplan erhalten?

Patienten, die mindestens:

  • drei verordnete Medikamente
  • gleichzeitig einnehmen oder anwenden.
  • Es muss sich dabei um eine Dauermedikation (mindestens 28 Tage) handeln
    und um
  • systemisch wirkende Medikamente.
    Der Arzt stellt den Medikationsplan auf Wunsch des Patienten aus.

Was muss auf dem Medikationsplan dokumentiert
werden?

  • Verordnete Arzneimittel
  • Arzneimittel, die der Patient ohne Verschreibung anwendet (Selbstmedikation)
  • Hinweise zur Anwendung der Medikamente
  • Dosierungsanweisung
  • bei zeitlich befristeter Medikation: die Dauer der Anwendung
  • Besonderheiten, die bei der Anwendung zu beachten sind
  • Medizinprodukte (soweit relevant), zum Beispiel Inhalatoren, Pens

Vergütung

Bezahlt wird das Erstellen und Aktualisieren des Medikationsplans extrabudgetär, also zu einem festen Preis. Der ist allerdings eher niedrig.

Hausärzte und Pädiater erhalten:

  • die neue Gebührenordnungsposition (GOP) 01630 als Einzelleistungsvergütung für Patienten, für die sie nicht die Chronikerpauschale abrechnen; die GOP kann nur ein Arzt pro Jahr als Zuschlag zur Versichertenpauschale (GOP 03000/04000) abrechnen. Der Zuschlag ist mit 39 Punkten bewertet (zirka 4 Euro), darin sind auch die Aktualisierungen enthalten.

oder

  • die GOP 03222/04222 als Zuschlag zur Chronikerpauschale; damit sind die Erstellung eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung bei Patienten vergütet. Der Zuschlag wird leistungsunabhängig einmal im Behandlungsfall (Quartal) gezahlt. Ärzte erhalten ihn also unabhängig davon, ob sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben. Der Zuschlag ist mit 10 Punkten bewertet (zirka 1 Euro), die Kassenärztliche Vereinigung setzt ihn automatisch zu.

Hausärzte erhalten keinen Zuschlag, wenn sie im selben Behandlungsfall den hausärztlich geriatrischen Betreuungskomplex (GOP 03362) abrechnen. Der Zuschlag ist nicht berechnungsfähig, wenn im Krankheitsfall der Medikationsplan als Einzelleistung (GOP 01630) berechnet wurde.

Fachärzte erhalten:

  • die GOP 01630 als Einzelleistungsvergütung für Patienten, bei denen sie die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale Onkologie, die GOP 30700 (Schmerztherapie) beziehungsweise die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale für die Behandlung eines Transplantatträgers abrechnen; die Abrechnung erfolgt als Zuschlag von 39 Punkten (zirka vier Euro). Er kann je Patient einmal im Krankheitsfall (einmal in vier Quartalen) von einem Vertragsarzt abgerechnet werden.

oder

  • einen Zuschlag zur fachärztlichen Grundpauschale, den die KV automatisch ergänzt. Die Höhe des Zuschlags liegt abhängig von der Fachgruppe zwischen zwei und neun Punkten. Gruppen, die viele Medikamente verordnen und öfter einen Plan aktualisieren oder ausstellen, erhalten einen höheren Zuschlag als Gruppen mit wenigen Verordnungen. Gruppen, die keine oder sehr wenige Medikamente verordnen, erhalten keinen Zuschlag.

Der Zuschlag vergütet das Erstellen und Aktualisieren eines Medikationsplans. Er wird einmal im Behandlungsfall (Quartal) gezahlt. Ärzte erhalten den Zuschlag also unabhängig davon, ob sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben. Die Zuschläge sind nicht berechnungsfähig, wenn im Krankheitsfall schon die Einzelleistung (GOP 01630) abgerechnet wurde.

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