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„Die Patienten sind dankbar“

Fremdsprachige Patienten stellen Ärzte und Praxispersonal häufig vor sprachliche Herausforderungen. Karin Paß, Mitarbeiterin einer urologischen Praxis in Bergheim, hat dafür eine Lösung entwickelt: den „Uro-Guide“.

Das Foto zeigt Dr. Hermann Peters, Karin Paß, Dr. Gregor Paß; Foto: KVNO

Dr. Hermann Peters, Karin Paß, Dr. Gregor Paß (v. l.)

Frau Paß, was ist der „Uro-Guide“?

Der „Uro-Guide“ soll Ärzten und Medizinischen Fachangestellten (MFA) die Verständigung mit fremdsprachigen Patienten erleichtern – und zwar von der Aufnahme am Empfang bis hin zur Erklärung der Behandlung. Der Guide umfasst knapp 50 Seiten, die laminiert und in einem Ordner abgeheftet sind. Er kommt in der urologischen Praxis Paß und Peters in Bergheim, die mein Mann zusammen mit einem Kollegen betreibt, bei Bedarf zum Einsatz.

Wenn man durch den Guide blättert, findet man viele Bilder und Zeichnungen.

Ja, denn Bildsprache versteht jeder. Die Mitarbeiterinnen der Praxis haben dazu viele wertvolle Anregungen gegeben. Auf den ersten Seiten des Guides fragen die MFA zum Beispiel mit Hilfe von „Smileys“ ab, wie stark die Schmerzen des Patienten sind. Muss er mit einer längeren Wartezeit rechnen, erklären sie ihm mithilfe der Zeichnung einer Uhr, wann er zur Behandlung wieder in die Praxis kommen soll. Der Guide beinhaltet außerdem Zeichnungen von Organen und Bildern von Behandlungsabläufen, aber auch Anamnesebögen in verschiedenen Sprachen. Bei einer medizinisch schwierigen Sachlage bitten wir den Patienten manchmal, mit einem Dolmetscher wiederzukommen. Auch dies ist in verschiedenen Sprachen erläutert.

Das Foto zeigt eine Zeichnung im Uro-Guide. Foto: KVNO

Schutz der Intimsphäre: Die Zeichnung bereitet den Patienten darauf vor, dass er sich zur Untersuchung teilweise frei machen muss.

Wie ist die Idee entstanden?

Der Guide in dieser Form ist eher ein Zufallsprodukt. Ich habe ihn im Rahmen einer Weiterbildung zur Team- und Projektassistentin beim Technologiezentrum Glehn gemeinsam mit drei anderen Seminarteilnehmerinnen entwickelt. Allerdings gab es schon lange vorher Überlegungen, wie man die Kommunikation mit Patienten, die kein Deutsch sprechen, erleichtern kann. Da ich seit vielen Jahren die Büroarbeit für die Praxis mache, habe ich immer wieder mitbekommen, welche Verständnisprobleme und Missverständnisse es manchmal gibt.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Es gab einmal den Fall, dass ein Patient eine Urinprobe abgeben sollte. Das hat er aber aufgrund fehlender Deutschkenntnisse nicht verstanden und eine Spermaprobe abgegeben. Mit dem „Uro-Guide“ wäre das nicht passiert, weil wir hierin auch für Behandlungsabläufe Zeichnungen angefertigt haben, die eindeutig zeigen, was gebraucht wird. Bei der Urinprobe haben wir zum Beispiel geschlechtsspezifische Zeichnungen angefertigt, die wir einem Patienten oder einer Patientin vorlegen.

Der „Uro-Guide“ enthält Übersetzungshilfen in Englisch, Arabisch, Albanisch und Kroatisch. Warum gerade diese Sprachen?

Wir haben uns beim Sozialamt der Stadt Bergheim erkundigt, welche Sprachen die hier lebenden Migranten hauptsächlich sprechen und haben uns danach gerichtet. Bei der Übersetzung haben uns freundlicherweise Kommilitonen unserer Tochter, die Medizin studiert, ehrenamtlich geholfen. Auf eine türkische Übersetzung haben wir verzichtet, weil wir eine türkischsprachige MFA haben.

Das Foto zeigt eine Zeichnung im Uro-Guide; Foto: KVNO

Der Uro-Guide arbeitet viel mit Bildern.

Wie reagieren die Patienten?

Sie sind erleichtert und dankbar für die Hilfe. Der Guide erklärt neben Behandlungsabläufen auch administrative Dinge, zum Beispiel, dass Asylbewerber zur Behandlung einen Berechtigungsschein vom Sozialamt in der Praxis vorlegen müssen. Viele Patienten kennen so ein Gesundheitssystem, wie wir es in Deutschland haben, aus ihrer Heimat nicht und wissen deshalb auch nicht, wie ein Arztbesuch bei uns abläuft. Fehlende Sprachkenntnisse können so eine Situation erschweren und den Patienten frustrieren.

Wie häufig kommt der Guide zum Einsatz?

Regelmäßig, aber nicht täglich. Das liegt sicherlich auch an der Fachrichtung. Einen Allgemeinmediziner sucht man in der Regel häufiger auf als einen Urologen. Deshalb würde solch eine Kommunikationshilfe auch für Allgemeinmediziner Sinn machen. Oder für Kinderärzte und Gynäkologe. Denn das Thema Kinder und Familie spielt bei vielen fremdsprachigen Patienten eine zentrale Rolle.

Die Fragen stellte Simone Heimann.